Bedrohung für heimische Flora und Fauna Nutrias breiten sich auch im Wittlager Land aus


balx/pm Altkreis Wittlage. Ein Biber, ein Bisam? Nein, eine Nutria. Immer häufiger fallen die Nager an den Ufern heimischer Gewässer auf. Sie sind nicht aggressiv, aber dennoch nicht ungefährlich, denn sie bedrohen unser natürliches Ökosystem. Dr. Marcel Holy, Diplom-Umweltwissenschaftler an der Naturschutzstation Hüde, erläutert warum.

Sie stammen ursprünglich aus Südamerika und wurden bereits um das Jahr 1890 zur Pelztierzucht nach Europa eingeführt. Ab den 1930er Jahren kamen nach heutigem Kenntnisstand erste verwilderte Populationen der Nutria in Deutschland vor. Seitdem hat sich die Art zunehmend in Deutschland ausgebreitet. In unserer Region sind Nutrias erst sehr spät aufgetaucht. Die Besiedlung erfolgte vorwiegend von Südwesten. Regelmäßige Nachweise gibt es erst seit etwa zehn Jahren. „Nun ist jedoch eine deutliche Zunahme von Einzelindividuen hin zu größeren Beständen festzustellen. Und dies bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die heimische Flora und Fauna. Nicht ohne Grund wurde die Nutria in die EU-Liste der invasiven Arten von unionsweiter Bedeutung aufgenommen“, sagt Marcel Holy,

Invasive Art

Häufig würden räuberisch lebende Arten als problematischer eingeschätzt als etwa die sich überwiegend vegetarisch ernährende Nutria. Bisherige Beobachtungen und Untersuchungen zeigten jedoch, dass Nutrias einen massiven Einfluss auf ihre Lebensräume haben können, so Holy weiter. Am Dümmer scheine die Nutria zu einem weiteren flächenmäßigen Rückgang der ohnehin geschädigten Röhrichtbereiche beizutragen. Da sie auch Nester aus Pflanzenmaterial anlegen, sind Nutrias nämlich nicht auf Erdbaue angewiesen und können somit weit in die Verlandungszone des Sees vordringen.

„Untersucht werden soll zudem, inwiefern auch Schwimmblattpflanzen wie See- und Teichrosen von Nutrias geschädigt werden. In Kleingewässern können Nutrias durch das Abfressen der Ufer- und Unterwasservegetation eine Entwertung als Lebensräume für Insekten Libellen, Wasserkäfer, Amphibien und andere Artengruppen, die ohnehin schon erschwerte Lebensbedingungen vorfinden, verursachen“, erläutert Holy. Hinzu komme, dass Nutria neben pflanzlicher Nahrung Nutrias auch Muscheln und Schnecken fressen und sich auch in diesem Zusammenhang zeige, dass der Nahrungsbedarf der Tiere zu einer Dezimierung der Bestände ihrer heimischen Nahrungstiere führen kann.

Bis zu zehn Kilo schwer

Die Baue, die von den bis zu zehn Kilogramm schweren Nutrias in Gewässerufer gegraben werden, können beim Befahren im Rahmen der Gewässerunterhaltung oder bei der Landbewirtschaftung einbrechen. Dies kann neben Materialschäden auch zu ernsthaften Gefahren für Leib und Leben führen, wenn Fahrzeuge in das Gewässer kippen.Dementsprechend sorgen sich die Gewässerunterhaltungsverbände um die Auswirkungen der Einwanderer und zahlen Prämien für jedes erlegte Tier.

Holy: „Derzeit wird zudem diskutiert, die Möglichkeiten zur Bejagung der Nutria zu erweitern. Aufgrund der Lage weiter Landesteile unterhalb des Meeresspiegels wird die Bekämpfung der Nutria in den Niederlanden besonders konsequent betrieben. Zahlreiche hauptberufliche Nutriajäger arbeiten hier daran, die Art auszurotten und Neueinwanderungen aus den Nachbarländern zu verhindern. Wie die weitere Entwicklung der Nutriabestände im Landkreis Diepholz ablaufen wird, wird die Zukunft zeigen.“ Die Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer weise jedoch darauf hin, neue Vorkommen zu melden, um die Art zu regulieren und zurückzudrängen. Zum Wohle der heimischen Flora und Fauna sollte man die Art keinesfalls füttern oder auf andere Weise in ihrer Ausbreitung unterstützen – selbst wenn manch einer die Tiere possierlich finden mag.

Auch in Hunte und Wimmerbach

Dieser Ansicht ist auch Ralf Effertz, beim Unterhaltungsverband Obere Hunte Ansprechpartner in Sachen Gewässerunterhaltung. Auch er berichtet von Nutria-Vorkommen im weitläufigen Gewässernetz zwischen Damme und Buer, vor allem im Bereich Schwege. Abgesehen vom ökologischen Aspekt weist Effertz auch auf die Gefährdung der Deichbauten durch das Treiben der Nutrias hin: „Die Tiere buddeln Höhlen in die Uferböschungen, die bei Hochwasser unterspült werden und so die Deiche zum Einsturz bringen können.“ Dies sei nicht nur gefährlich, sondern richte auch einen nicht unerheblichen finanziellen Schaden an, erklärt er auf Anfrage unserer Redaktion. Auch er sieht die Bejagung der Tiere als geeignete Option, schließlich handele es sich um jagdbares Wild. Zwar würden Nutrias wohl nicht zu den begehrtesten Jagdtrophäen gehören, da aber viele der hiesigen Jäger im Hauptberuf Landwirte seien, bestehe ihrerseits durchaus ein großes Interesse, der Vermehrung der Nutrias Einhalt zu gebieten.