Als Material für einen Einbaum Eine Wittlager Eiche für das Dümmer-Museum in Lembruch

Meine Nachrichten

Um das Thema Bad Essen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Wittlage. 193 Jahre alt, gut 36 Meter hoch und ein Meter Stammdurchmesser – dieses Musterbeispiel einer deutschen Eiche stand bisher im Wittlager Rott. Jetzt wird aus ihrem Holz ein Einbaum nach steinzeitlichem Vorbild geschnitzt. Ab Juli sollen die Besucher des Dümmer-Museums in Lembruch darin über den See paddeln.

Es ist ein besonderer Arbeitseinsatz für Försterin Anne Wittenberg und ihr Team. Bäume von Hand zu fällen, das gehört nur noch selten zu ihren Aufgaben. Zumeist übernehmen diese Arbeit heute Maschinen wie der Harvester, der eine Fichte in nur einem Arbeitsgang fixieren, fällen und ablegen kann. Nur in Ausnahmefällen greifen die Waldarbeiter selbst zur Kettensäge. Und dieser ist so einer.

Eine Eiche fürs Museum

Zu fällen ist nämlich eine 193 Jahre Eiche, und zwar für einen ganz speziellen Zweck. Gekauft hat sie das Dümmer-Museum in Lembruch. Aus dem Holz soll ein Einbaum geschnitzt werden. Dieses ursprüngliche Paddelboot wird, dem Namen entsprechend, aus einem einzigen Stamm gefertigt. Die Technik ist mehr als 10.000 Jahre alt. Ein steinzeitliches Exemplar wurde 1962 in Hüde ausgegraben. Seit 2015 wird es im Landesmuseum in Hannover gezeigt.

Der Umzug des Fundstücks hinterließ eine Lücke in der Ausstellung des Dümmer-Museums. Geschlossen wurde sie 2016 mit einem Nachbau von den Archäologen Thorsten Helmerking und Hans Joachim Behnke. Der Erstere soll nun noch einen zweiten Einbaum schnitzen. Das Besondere: „Dieser Einbaum wird schwimmen“, erklärt der Freiberufler. Museumsbesucher sollen sich das Boot ausleihen und damit über den Dümmer paddeln können.

Geeignetes Material im Wittlager Rott

Für diesen Auftrag braucht es natürlich geeignetes Material. Helmerking fand es im Revier von Landesförsterin Anne Wittenberg. Gemeinsam haben sie die passende Eiche im letzten Sommer ausgesucht. Die Wahl fiel auf einen Baum im Wittlager Rott – mit rund 36 Metern Höhe und einem Stammdurchmesser von über einem Meter zumindest äußerlich ein vielversprechender Kandidat für das Vorhaben. „Aber wie es im Inneren aussieht, weiß man immer erst, wenn der Baum gefällt ist“, weiß Wittenberg. Deshalb ist bei ihr auch eine gute Portion Anspannung dabei, als ihre Forstarbeiter unter dem wachsamen Auge von Thorsten Helmerking mit der Arbeit an seiner wertvollen Eiche beginnen.

Um an das Holz der Eiche zu kommen, sind viele Schnitte nötig. Foto: Louisa Riepe

Zuerst muss eine junge Buche weichen, die den Fallweg blockiert. Kein leichtes Unterfangen, wenn sich die Äste der Bäume ineinander verhaken und der Stamm trotz gezielter Schnitte mit der Kettensäge nicht fallen will. Und ein gefährliches für die Arbeiter noch dazu. Erst mit dem Stahlseil und etwas Zug vom Traktor lässt sich der Baum doch noch in die Waagerechte bewegen. „Daraus wird Lolliholz“, scherzt Rainer Städing, der Sprecher der Landesforsten, der für seine eigene Internetseite fleißig Fotos macht. Aber auch für Paletten eigne sich das Buchenholz.

Kurzer Prozess mit der alten Eiche

Das eigentliche Fällen der Eiche dauert dann nur noch wenige Minuten. Zu viert machen sich die Waldarbeiter an dem alten Baum zu schaffen. Ein paar gezielte Schnitte um die Wurzel, eine Kerbe in die Fallrichtung, ein Stechschnitt durch die Mitte, dann der eigentliche Fällschnitt auf der Rückseite und ein lauter Ruf: „Achtung!“. Dann fällt die Eiche mit einem dumpfen Knall zu Boden und für einen Moment erzittert der Wald unter dem Aufprall des hohen Gewichts.

„Das Kernholz hat eine schöne, durchgehende Farbe“, stellt Anne Wittenberg auf den ersten Blick erleichtert fest. „Er ist mir nicht auf den Kopf gefallen, also werden wir uns wohl anfreunden“, kommentiert Thorsten Helmerking. Für ihn sind, neben der „Furnierqualität“ des Holzes, vor allem die Maße des Stammes entscheidend. Er lässt ihn auf elf Meter Länge zuschneiden. „An der Spitze sind es dann genau die 65 Zentimeter Durchmesser, die wir brauchen“, erklärt er.

Historische Technik zum Ausprobieren

Am 2. Juli will er mit dem Schnitzen am noch feuchten Stamm beginnen. Der Termin wurde ausgewählt, damit die Besucher des Dümmer-Museums die Arbeit verfolgen können. Wer will, darf auch selbst „versuchen, etwas aus dem Holz zu schlagen“, sagt Helmerking. Das dürfte gar nicht so einfach werden. Verwendet werden nämlich nur Werkzeuge aus Entstehungszeit der Einbäume, bestehend aus Bronze, Eisen oder Stein.

„Wenn wir alles von Hand machen würde, würde es etwa vier Wochen dauern“, sagt Helmerking. Er hat aber nur bis zum 20. Juli, dann soll der Stapellauf stattfinden. Also nimmt er etwas Hilfe in Anspruch. Ein mobiles Sägewerk wird den Eichenstamm in den nächsten Tagen vor Ort der Länge nach durchschneiden. Und auch für die grobe Form nimmt der Archäotechniker die Kettensäge zur Hilfe. „Aber man darf nicht zu viel machen“, erklärt er, „sonst versaut man es sich schnell“. Dann müsste neues Material her. Und das ist nicht so einfach zu bekommen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN