Eine musikalische Zeitreise Andrea Bökenheide und Andreas Hölzer in Bad Essen

Von Christa Bechtel

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Andrea Bökenheide und Andreas Hölzer gastieren in der Nikolaikirche in Bad Essen.Foto: Christa BechtelAndrea Bökenheide und Andreas Hölzer gastieren in der Nikolaikirche in Bad Essen.Foto: Christa Bechtel

Bad Essen/ Eine musikalische Zeitreise vom Barock bis zur Moderne unternahmen jetzt die Konzertbesucher in der Kirche St. Nikolai in Bad Essen. Auf Einladung der Kirchengemeinde gastierten dort Andrea Bökenheide, Querflöte, und Andreas Hölzer, Gitarre, die abwechselnd für eine launige und informative Moderation sorgten. Übertitelt war das Konzert „Von Barock bis Tango“.

Im Namen der Kirchengemeinde und Pastorin Monika Stallmann hieß Barbara Kleyer die Gäste willkommen. Seit diesem Jahr organisiert die Bad Essenerin die beliebte Konzertreihe. Mit großer Hingabe, Dynamik und technischer Brillanz eröffnete das Duo mit dem bekannten Satz „Allegro“ aus „Eine kleine Nachtmusik“ von Mozart das Programm. Der nächste „Ohrwurm“ folgte sogleich mit dem wunderschönen „Air“ von Bach. Im ersten Teil hörte das Auditorium nur Musik, die ursprünglich nicht für Querflöte und Gitarre geschrieben wurde. Aber wozu gibt es Transkriptionen, sodass die Werke individuell auf diese Besetzung zugeschnitten wurden.

Hochvirtuose Musik

Ein zentrales Werk des Abends bildete „Les Folies d’Espagne“ (1701) von Marin Marais, der der bedeutendste französische Virtuose auf der Viola da gamba war. Die 32 Variationen über das berühmte spanische Thema „La Folia“ ist seine bekannteste Komposition. Ursprünglich war die ‚Folia‘ ein Tanz, „der im 13. Jahrhundert sogar heimlich getanzt wurde“, erklärte Andrea Bökenheide, die weiter verdeutlichte: „Dieses Akkordthema wurde von vielen Komponisten durch die Jahrhunderte verwendet, viele haben ihre eigenen Variationen darüber geschrieben. Marin Marais wollte Musik schaffen, die das Innerste der Seele zum Schwingen bringt, die berührt.“ Souverän ließ das Duo dann die komplizierten Verzierungen dieser hochvirtuosen Musik erklingen, die eigentlich nur wenige Töne hat, aber immer wieder variiert wird, wie sanft-verhalten, dann lebhaft, oft auch sehr quirlig.

Irische Lieder

Den Block irischer Lieder eröffneten Gitarrist und Flötistin mit „My singing bird“. Dabei zwitscherten so einige Vögel durch das Kirchenschiff. „The foggy dew“ – eigentlich eine wunderschöne Melodie, aber eigentlich auch eine irische Klage zum Osteraufstand 1916. Als militante irische Republikaner die Unabhängigkeit Irlands von Großbritannien gewaltsam erzwingen wollten. Daher ist „The foggy dew“ bildlich gesehen der Tagesanbruch, der für den Beginn eines Lebens in Freiheit steht. Mit dem bekannten „Greensleeves“, jedoch mal ganz anders, entließen die Musikpädagogen ihr Publikum in die Pause.

Verschiedene Kulturen

Der britische Gitarrist und Komponist Vincent Lindsey-Clark schrieb „Shadow of the moon“, mit dem Andreas Hölzer den zweiten Teil solistisch eröffnete. Danach entführten die beiden ambitionierten Musiker – nun mit Werken für Querflöte und Gitarre – mit der „Suite Habana“ von Eduardo Martin (*1956) nach Kuba zu „Lugares comunes“, den öffentlichen Plätzen, „Amaneceres“, den Sonnenaufgängen. Von dort ins Labyrinth „Laberinto“ zu „Sol y sombras“ – Sonne und Schatten. Verschiedene Kulturen spiegeln sich in diesen abwechslungsreichen Rhythmen wider. Und jede Nuance, ob Tempo, Interpretation oder Lautstärke führte das Duo gemeinsam durch, Spannungsbögen wurden genau durchdacht und effektvoll umgesetzt.

Mal temperamentvoll, mal zart, lyrisch bis melancholisch loteten die Musizierenden ebenfalls mit „Dos aires candomberos“ (2000) von Maximo Diego Pujol (*1957) die ganze Bandbreite dieser nicht so oft zu hörenden Instrumentenkombination auf äußerst experimentelle Weise aus. Der anschließende lang anhaltende Beifall, verbunden mit kräftigem Stampen, denen zwei Zugaben - ein Tango von Astor Piazzolla und das Ave Maria von Schubert – folgten, waren sicher der schönste Lohn für einen Konzertabend, den man so schnell nicht vergessen wird.


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