Serie „Die Kunden und ich“ Bad Essener Postbotin über Hundebisse und selbst gebaute Briefkästen

Von Svenja Kracht

Carmen Jochem ist seit mehr als 30 Jahren Postbotin. Die 50-Jährige trägt im Ortskern von Bad Essen Briefe und Pakete aus. Foto: Svenja KrachtCarmen Jochem ist seit mehr als 30 Jahren Postbotin. Die 50-Jährige trägt im Ortskern von Bad Essen Briefe und Pakete aus. Foto: Svenja Kracht

Bad Essen. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 9: eine Postbotin.

Carmen Jochem ist seit mehr als 30 Jahren Postbotin. Die 50-Jährige trägt im Ortskern von Bad Essen Briefe und Pakete aus.

Kennen Sie alle Straßen in Bad Essen?

Größtenteils. Am besten natürlich in meinem Bezirk aber wir müssen ja auch flexibel sein und mal für Kollegen einspringen.

Wo ist es denn am schönsten?

Wenn man den Blick auf den Wald hat, das ist immer sehr schön. Und andersrum genauso: Wenn man ganz oben ist und auf Bad Essen bis zur Bohmter Heide runter schauen kann.

Wie oft wurden Sie schon von Hunden gebissen – oder ist das nur ein Vorurteil?

Ich selbst habe bisher großes Glück gehabt und bin nur einmal ins Hosenbein gezwickt worden. Ich nähere mich den Hunden, die ich noch nicht kenne, mit Vorsicht. Aber es ist kein Vorurteil: Hunde sind bei uns ein Thema. Es gibt immer Situationen, die knapp sind.

Hand aufs Herz: Wie oft haben Sie schon auf Postkarten geschaut und einen gedanklichen Ausflug in fremde Länder gemacht?

Man schaut sich sicherlich mal die Fotos darauf an und denkt „da wäre ich jetzt auch gerne“. Aber wir lesen sie natürlich nicht.

Wie diskret müssen sie denn als Postbotin sein?

Ich erfahre durch den täglichen Kontakt zu meinen Kunden natürlich auch schon mal persönliches. Das erzähle dann natürlich nicht in der Nachbarschaft rum oder Zuhause. Diskretion ist ein ganz wichtiges Thema.

Bekommen Menschen heutzutage überhaupt noch Post?

Gerade zu Weihnachten werden noch immer viele Karten und Briefe verschickt. Sicherlich ist das generell etwas rückläufig. Früher gab es ja auch viel mehr dicke Kataloge. Aber es gibt auf jeden Fall noch Kunden, die jeden Tag Post bekommen.

Wie oft verschicken Sie selbst noch Briefe?

Selten, muss ich ehrlicherweise sagen. (lacht)

Müssen Sie heute mehr Pakete als Briefe verteilen?

Ja, die Paketmengen haben rasant zugenommen. Gerade in der zurückliegenden Weihnachtszeit gab es sehr viele Pakete.

Wie oft kommt es vor, dass Sie Pakete nicht zustellen können, weil die Menschen nicht Zuhause sind?

Dann gibt es ja andere Lösungen: Um meinen Kunden Wege zu ersparen, versuche ich die Ersatzzustellung bei einem Nachbarn. Ein besonderer Ablagevertrag mit dem Kunden bietet mir und dem Kunden eine weitere Möglichkeit, das Paket bei ihm zuzustellen. Das müssen sie uns allerdings vorher schriftlich mitteilen, damit wir nicht haftbar gemacht werden können, falls das Paket anschließend abhandenkommt. Manche lassen sich das Paket mittlerweile auch zur Arbeit schicken. Die letzte Möglichkeit ist dann eben die Benachrichtigung, dass sie sich die Pakete am Schalter abholen müssen.

Heute muss es ja überall schnell gehen – wie viel Zeit haben Sie denn noch für ein Pläuschchen am Gartenzaun?

Der ist sicherlich immer drin. Man kann das nicht zu ausschweifend machen, aber gerade, wenn man in dem Bezirk schon länger ausliefert, spricht man schon mal das ein oder andere Wort. Dann beeilt man sich bei der nächsten Station eben etwas mehr.

Können wir beim Kauf eines Briefkastens etwas beachten, was Ihnen die Arbeit erleichtet?

Auf jeden Fall! Er sollte groß genug sein, damit auch die großen Briefe reinpassen. Es gibt sogar extra DIN-Briefkästen. Dann ist es gut, wenn die Öffnung oben ist, weil ich dann nicht das Problem mit einem schrägen Winkel habe, in den ich die Post stecken muss. Am wichtigsten ist die Größe: Die selbstgebauten sind am besten. (lacht)

Warum sind Sie Postbotin geworden?

Das hat sich damals so ergeben. Meine Eltern haben beide bei der Post gearbeitet – allerdings nicht in der Zustellung – und so habe auch ich eine Ausbildung dort gemacht. Mir gefällt die Arbeit, ich bin viel draußen. Jeden Tag in einem Büro sitzen, wäre nichts für mich. (lacht) Aber das ist bestimmt auch eine Gewohnheitssache.