Vermietung von Wohnungen Wie verbreitet ist Airbnb im Wittlager Land?

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Ferienwohnungen gibt es in der Gemeinde Bad Essen und den umliegenden Kommunen viele, doch nur wenige werden auch über das Online-Portal Airbnb vermietet.Symbolfoto: Britta Pedersen/dpaFerienwohnungen gibt es in der Gemeinde Bad Essen und den umliegenden Kommunen viele, doch nur wenige werden auch über das Online-Portal Airbnb vermietet.Symbolfoto: Britta Pedersen/dpa

Altkreis Wittlage. Über die Online-Plattform Airbnb können Reisende Übernachtungen in privaten Wohnungen buchen. Die Zahl der Inserate in Deutschland wächst seit Jahren kontinuierlich. Eine Entwicklung, die sich auch in der Tourismusregion Wittlager Land beobachten lässt? Und falls ja, wer profitiert davon?

Ein kurzer Blick auf das Smartphone genügt. Eine ungelesene Nachricht befindet sich im Postfach. Es ist nicht die erste E-Mail an diesem Wochenende, drei hat Tim Ellmer schon beantwortet. Die Regel ist das nicht, wie er betont. Doch gibt es Phasen, da könne das schon einmal vorkommen. Kürzlich war wieder eine.

30 Ferienwohnungen in Bad Essen

Die Nachrichten sind Buchungsanfragen. Tim Ellmer ist Besitzer einer Ferienwohnung in Bad Essen. In dem Kurort gibt es mehr als 30 davon, im gesamten Wittlager Land ist die Zahl nochmals um einiges höher. Das Domizil befindet sich mitten im Grünen auf dem Bad Essener Berg in direkter Nachbarschaft zur Familienferienstätte Haus Sonnenwinkel. Die Wohnung hatte er 2015 mit seiner Frau zu einer Zeit fertiggestellt, als Kommunen händeringend auf der Suche nach dezentralen Unterkünften für Flüchtlinge waren. „Damals stand eine vorübergehende Nutzung unserer Unterkunft im Raum“, sagt Ellmer. Doch die Situation entspannte sich, die Wohnung wurde vorerst nicht für Asylbewerber gebraucht.

Um einen dauerhaften Leerstand zu vermeiden, wurde das Ferienhaus ins Verzeichnis der Touristeninformation Bad Essen aufgenommen. „Es war, abgesehen von einer eigenen Domain, lange der einzige Vermarktungsweg unserer Unterkunft“, erklärt Ellmer. Von Erfolg gekrönt war er bis dato nur bedingt.

Auslastung über 50 Prozent

Seit Mitte 2017 läuft es besser, die Auslastung liegt heute bei über 50 Prozent. Denn seitdem vermarktet Ellmer seine Wohnung zusätzlich auch auf dem Online-Portal Airbnb. Und seit er sich dazu entschlossen hat, nehmen auch die Nachrichten auf seinem Handy zu. Welche Idee hinter Airbnb steckt? Auf der Plattform können Nutzer ihre privaten Wohnräume oder – wie Tim Ellmer – gleich ganze Ferienhäuser für eine oder mehrere Übernachtungen anbieten. Die Theorie: Statt viel Geld für teure Hotels auszugeben können Reisende günstig bei Einheimischen eine Bleibe finden. Beide Seiten sollen profitieren, denn der Vermieter verdient an jeder Übernachtung und dem Gast wird ein intensiverer Kontakt zum Ort und seinen Bewohnern ermöglicht.

Über 100.000 Inserate

Ein simples Konzept, das Anklang findet. Allein in Deutschland liegen die Nutzerzahlen laut Handelsblatt seit Jahren konstant im siebenstelligen Bereich, die Zahl der Inserate ist mittlerweile auf über 100.000 angewachsen. Das Prinzip ist nicht unumstritten. Großstädten ist diese Entwicklung ein Dorn im Auge, denn durch die Vermietung von Privatzimmern über Airbnb steht zum Teil deutlich weniger Wohnraum zur Verfügung. In Berlin und Köln werden Bußgelder bei illegaler Vermietung ausgesprochen, in Städten wie Osnabrück wurden bislang keine Maßnahmen ergriffen.

Im Altkreis Wittlage stellt sich die Frage nach einer politischen Verfügung allein aus infrastrukturellen Gründen nicht. Im Gegenteil: „Wir begrüßen jede Maßnahme, die dazu beiträgt, dass die Unterkünfte in unserer Region gut gebucht sind – und dazu trägt auch Airbnb bei“, sagt Annette Ludzay, von der Touristeninformation Bad Essen. Die heutige Zielgruppe sei deutlich versierter im Umgang mit digitalen Kanälen, die Art und Weise, wie gebucht wird, wandle sich zunehmend. Zudem sei Airbnb für ausländische Gäste eine der ersten Anlaufstellen, wenn sie auf der Suche nach einer Unterkunft im Altkreis Wittlage sind. „Das ist ein Markt, der für die Touristeninformation nicht erreichbar ist.“

Größere Reichweite

Tim Ellmer sieht noch weitere Vorteile: „Arbeitgeber, die Unterkünfte für Monteure suchen, buchen mittlerweile auch über Airbnb.“ Die Reichweite ist deutlich größer – Neu-Vermieter könnten sich über die Plattform schneller etablieren, so seine Einschätzung. Ellmer verzeichnet für seine Unterkunft derzeit zwei Drittel Buchungen über Airbnb, ein Drittel über die Tourismusinformation.

Hoteliers entspannt

Derzeit gibt es laut Ludzay vier Ferienwohnungen in Bad Essen, die sowohl im Verzeichnis der Touristeninformation als auch bei Airbnb hinterlegt sind. Auch in Ostercappeln und Bohmte sind wenige Angebote zu finden. Für Vermieter, die ihre Unterkünfte über die Online-Plattform vermieten, gelten die gewöhnlichen Auflagen: „Jede Art der Übernachtung muss grundsätzlich versteuert werden, bei einem touristischen Hintergrund wird in Bad Essen zudem die Kurtaxe fällig“, sagt Ludzay. Die Hotels im Wittlager Land betrachten Airbnb derzeit entspannt. Denn die Ferienwohnungen gäbe es, anders als Privatzimmervermietung, auch unabhängig von dem Portal, sagen die Betreiber.

Austausch mit Gästen

Tim Ellmer schätzt an der Plattform die Art der Buchungsabwicklung. Diese sei aus seiner Sicht hochattraktiv: „Airbnb verlangt bei jeder erfolgreichen Buchung zwar eine Gebühr zwischen drei und neun Prozent, eine Grundgebühr gibt es aber nicht.“ Ein weiterer Pluspunkt: „Durch die Bewertungsfunktion merken wir schnell, ob wir mit den Gästen auf Augenhöhe sind.“ Dadurch sind schon einige schöne interkulturelle Gespräche entstanden: Mit einem Franzosen zum Beispiel, der für zweieinhalb Monate in Bad Essen gelebt hat, und den sie wohl auch in naher Zukunft in Frankreich erneut treffen werden. Oder Ungarn, die in der Region an einer ADAC-Rallye teilgenommen haben.


Das Unternehmen Airbnb wurde 2008 in San Francisco gegründet und ermöglicht Nutzern, ihre privaten Unterkünfte über eine Online-Plattform zu vermieten. Airbnb ist ein Akrnonym, ausgeschrieben steht der Name für „Airbedandbreakfest“, was ins Deutsche übersetzt Luftmatratze und Frühstück bedeutet. Laut Angaben des Unternehmens stehen auf der Internetseite über vier Millionen Inserate in über 190 Ländern (Stand August 2017) zur Verfügung.

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