Sturm-Bilanz Diese Schäden hat Friederike in Bad Essen verursacht

Von Louisa Riepe

Aus der Luft wird der Schaden sichtbar: Wie hier, am Waldhotel an der Bergstraße in Bad Essen, hat Sturmtief Friederike so einige Bäume umgestürzt. Foto: Friedrich LükeAus der Luft wird der Schaden sichtbar: Wie hier, am Waldhotel an der Bergstraße in Bad Essen, hat Sturmtief Friederike so einige Bäume umgestürzt. Foto: Friedrich Lüke 

Bad Essen. Umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste, loses Wurzelwerk – Sturmtief Friederike hat in Bad Essen und Umgebung so einige Spuren hinterlassen. Eine Bilanz.

Am Waldhotel an der Bergstraße in Bad Essen kann man es sehen: Dutzende Fichten liegen kreuz und quer auf dem Waldboden. Einige wurden vom Wind mitsamt der Wurzeln aus dem Boden gerissen, andere sind auf halber Höhe abgebrochen. Im sonst so dichten Wald zeigen sich große Löcher.

Schuld ist Sturmtief Friederike, das vor zwei Wochen über Norddeutschland hinweg gezogen ist. Es bescherte der Feuerwehr Bad Essen 24 Einsätze allein in der Gemeinde. Die Einsatzkräfte kamen mit Kettensägen und Kränen, um umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste von Straßen und Plätzen zu räumen. Prominente Beispiele: An der Lindenstraße, nahe der alten Apotheke, stürzte ein Baum auf die Straße. Am Essenerberg, Höhe Haus Sonnenwinkel, musste die Bergstraße sogar kurzfristig gesperrt werden, um sie vom Astwerk zu befreien.

Glimpflich davon gekommen?

Dabei ist „Bad Essen noch glimpflich davon gekommen“, zieht Robert Wellmann vom Ordnungsamt vorläufig Bilanz. Überhaupt habe die Gemeinde bei den Stürmen der letzten 20 Jahre viel Glück gehabt, so der Beamte: „Die Meller Kollegen hatten regelmäßig höhere Schäden.“ Er erinnere sich noch gut daran, wie er sich selbst nach dem Orkan Kyrill zwischen Barkhausen und Meesdorf einen Überblick über die Wälder verschaffen wollte. „Vor mir, in Richtung Melle, waren alle Bäume umgefallen. Hinter mir, in Bad Essen, stand alles.“

Nach seinem Wissen hat Friederike zumindest im Wittlager Land keine vergleichbaren Schäden verursacht. Das bestätigen auch die Zahlen des Landkreises Osnabrück. Demnach gab es in Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln „lediglich 8,5 Prozent der witterungsbedingten Einsätze in der gesamten Region Osnabrück“, sagte ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion. Über den entstandenen Schaden könne die Behörde dagegen keine Aussage treffen.

Millionen Kubikmeter Sturmholz

Ganz anders die Waldbesitzer. Niedersachsenweit rechnen sie mit mehr als zwei Millionen Kubikmetern „Sturmholz“, schreibt Forstministerin Barbara Otte-Kinast in einer aktuellen Pressemitteilung. Das Ministerium geht davon aus, dass von Friederike vor allem die Mittelgebirgslagen am Harz, am Solling und im Weserbergland getroffen wurden. „Die Bäume sollen so zügig wie möglich aufgearbeitet werden, um sie ohne Qualitätseinbußen verwerten zu können“, heißt es. Außerdem sei „im Wald liegendes Fichtensturmholz ist für den Borkenkäfer im Frühjahr ein gefundenes Fressen und eine große Gefahr für gesunde Bäume.“

Der Wittekindsweg zwischen Wehrendorf und Bad Essen war wegen der umgestürzten Bäume kaum zu passieren. Foto: Freidrich Lüke

Es gehe aber auch darum, die Waldwege so schnell wie möglich wieder für Erholungssuchende frei zu machen. Derzeit warnt das Ministerium noch vor schadhaften Ästen und Bäumen, die jederzeit umstürzen und Spaziergänger unter sich begraben könnten. Es rät dringend, „die Absperrungen der Forstbetriebe zu respektieren und für den gewohnten Spaziergang auf freigegebene Wege auszuweichen.“

Waldwege bleiben gesperrt

Welche das sind, weiß Anne Wittenberg. Sie betreut die Landesforsten in der Region und musste beispielsweise den Schierenhorstweg am Essenerberg sperren. Der verläuft parallel zum Wittekindsweg, der bei Wanderern beliebt ist und von der Gemeinde betreut wird. Dort sind vor allem Fichten umgefallen, die nur flach wurzeln und auch im Winter grün sind. „Außerdem stehen sie historisch bedingt am falschen Standort“, sagt Wittenberg. Auch daher kommen die hohen Schäde. Insgesamt, so schätzt sie, fallen in ihrem Revier etwa 3000 bis 4000 Kubikmeter Sturmholz an.

Entsprechend lange wird es dauern, bis sie alle Wege wieder freigeben kann. Wittenberg hat alle Hände voll zu tun. „Der Sturm hat unsere ganze Jahresplanung durcheinander gebracht“, sagt sie. Manche der umgestürzten Stämme „stehen so unter Spannung, dass es für meine Forstarbeiter ein großes Risiko wäre, dort zu arbeiten“, erklärt Wittenberg. Das ist auch am Essenerberg der Fall. Deshalb hat sie jetzt Maschinen bestellt, die die Arbeiten übernehmen sollen – wahrscheinlich kommt es dazu aber erst Mitte Februar. „Die Geräte sind jetzt natürlich gefragt, weil es überall die gleichen Probleme gibt“, sagt Wittenberg.

Aufgeweichte Böden verhindern das Aufräumen

Auch Bezirksförster Jochen Schulze Pellengahr würde lieber heute als morgen mit dem Aufräumen beginnen. Er kümmert sich für die Landwirtschaftskammer um die Waldschutzgenossenschaften Bad Essen und Lintorf-Barkhausen, also um die Wälder von mehr als 600 Privatbesitzern. Was ihn an seiner Arbeit hindert, ist die Nässe. „Wir können bisher nur von den Wegen aus arbeiten“, sagt er. In die Bestände hineinfahren könne er wegen der feuchten Böden nicht. Insbesondere die Maschinen, die die Stämme aus den Wäldern hinaus befördern könnten, sind dafür zu schwer. Und so bleiben auch in seinem Revier die Wege, die nicht befahrbar sind, bis auf Weiteres gesperrt. „Die Aufarbeitung wird wohl erst im Sommer fertig werden“, so der Förster.

Ihm bleibt erst mal nur, sich einen Überblick über die entstandenen Schäden zu verschaffen. Sein Stand derzeit: „In jedem Bestand ist mindestens eine Fichte umgefallen.“ Es handelt sich vor allem um „Einzel- und Nesterwürfe“, so der Fachjargon, ganze Schneisen hat Friederike offenbar nur vereinzelt in die Wälder gerissen. Wie hoch der Schaden finanziell ausfällt, kann Schulze Pellengahr noch nicht beziffern. Das hängt vor allem davon ab, zu welchen Preisen er das Sturmholz verkaufen kann. In der Vergangenheit war das Holz nach Stürmen oft weniger Wert, weil das Angebot so groß war. „Zur Zeit finden die Preisverhandlungen durch die Vertreter der Waldbesitzer statt“, so der Förster.

Weniger Schäden als bei Kyrill

Aber natürlich hat Friederike nicht nur in den Wäldern Schäden angerichtet. Auch Privatleute sind betroffen, wie etwa an der Oststraße in Bad Essen, wo ein Baum auf ein Wohngebäude gestürzt war. Menschen kamen dabei nach Angaben der Feuerwehr nicht zu Schaden. Aber die Besitzer mussten eine Spezialfirma beauftragen, um den Baum sicher zu entfernen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schätzt den versicherten Schaden durch Friederike auf insgesamt rund eine Milliarde Euro. Damit liegt der Sturm in finanzieller Hinsicht deutlich hinter Orkan Kyrill, der vor genau elf Jahren mehr als zwei Milliarden Euro Schaden verursachte.