Serie „Die Kunden und ich“ Bad Essener Goldschmied über Organe und Zähne als Kettenanhänger

Von Svenja Kracht

Holger von Zeddelmann ist seit rund 50 Jahren Goldschmied mit Leib und Seele. Foto: Svenja KrachtHolger von Zeddelmann ist seit rund 50 Jahren Goldschmied mit Leib und Seele. Foto: Svenja Kracht

Bad Essen. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 8: ein Goldschmied.

Holger von Zeddelmann ist seit rund 50 Jahren Goldschmied mit Leib und Seele. In seinem gleichnamigen Geschäft in Bad Essen bedient er Kunden, die nach individuellem Schmuck suchen.

Mit welchen außergewöhnlichen Wünschen kommen die Kunden zu Ihnen?

Erst vor Kurzem hat mir eine Frau die Milchzähne ihrer Enkel gebracht, aus denen soll ich Schmuckstücke machen. Die Kundin hätte gerne einen Anhänger oder eine Brosche. Manchmal bringen die Kunden Urlaubsmitbringsel wie Steine oder Dinge aus Erbschaften, die wir dann zu zeitgemäßen Schmuckstücken verarbeiten.

Welche Wünsche haben Sie schon abgelehnt?

Mir wurden schon Innereien aus Operationen vorgelegt, die die Menschen als Schmuck verarbeitet haben wollten. Da musste ich dann sagen‚ tut mir Leid, das mache ich nicht‘. Meine hauptsächliche Arbeit liegt aber nicht in dem Erfüllen von Kundenwünschen, sondern im Kreieren von Schmuckstücken für unser Geschäft.

Wollen viele Menschen ihren Schmuck selbst machen?

Das bieten wir bei uns nicht an, weil das eigentlich nicht ganz aufrichtig ist. Man kann die Kunden dann zwar ein bisschen mit dem Hammer auf dem Metall rumklopfen lassen, aber sie können das Schmuckstück nicht selbst fertigen. Sie haben den Beruf eben nicht erlernt. In anderen Berufen kann ich die jeweiligen Fertigkeiten ja auch nicht selbst machen.

Wenn sich Kunden ein besonders teures Schmuckstück aussuchen, wählen sie dann eines, das sehr zeitlos ist oder kaufen sie dann etwas sehr Extravagantes?

Umso teurer ein Schmuckstück wird, desto zeitloser muss es sein. Das kann man auch bei teurem antiken Schmuck sehen: Der ist meistens auch zeitlos und immer noch schön.

Warum haben Sie damals den Beruf des Goldschmieds ergriffen?

Weil es der schönste Beruf der Welt ist. (lacht) Er ist kreativ, ich kann mit tollen Materialien wie Edelsteinen arbeiten. Ich habe Kontakt mit Menschen, die ich immer wieder erfreuen kann. Das gibt einem unglaublich viel zurück. Insgesamt ist es ein guter Mix aus alldem und ich möchte seit rund 50 Jahren nichts anderes machen.

Wollen noch viele junge Menschen Goldschmied werden?

Es sind sehr viel weniger geworden. Die ganze Branche ist rückläufig und es gibt insgesamt nicht mehr so viele Goldschmiede. Das ist sehr schade, aber es liegt auch an der Veränderung des Einkaufsverhaltens der Menschen. Der Stellenwert von Schmuck war früher viel höher. Viele wechseln ihren Schmuck genauso häufig wie ihre Garderobe. Die wertvollen Dinge werden heute einfach nicht mehr so geachtet wie früher.

Was ist Ihr liebstes Schmuckstück?

Eigentlich immer das, was ich zuletzt gemacht habe.

Was empfehlen Sie Männern, die hier rein kommen und nach einem Last-Minute-Geschenk für ihre Frau suchen?

Ich versuche, dann herauszufinden, was für ein Typ die Frau ist. Wobei Männer ihre Frauen eigentlich immer völlig falsch darstellen – klein und zart, aber das sind sie meistens nicht. Vielleicht haben sie noch ein Bild aus der Kennenlernzeit im Kopf. (lacht) Ich versuche rauszufinden, ob die Frau lieber zarten oder auffälligen Schmuck trägt und was sie schon hat, um dann das Gegenteil anzubieten, damit sich nichts wiederholt.

Wer kommt zu Ihnen?

Alle Schichten. Leute, die individuellen Schmuck mögen und die keinen Wert auf Marken legen. In der Vorweihnachtszeit sind es mehr Männer, ansonsten sind es mehr Frauen. Natürlich auch viele junge Paare, die nach Trauringen suchen.

Woher kommt Ihre Kundschaft?

Ich habe ein großes Einzugsgebiet. Vom Kreis Minden-Lübbecke über Osnabrück und Bramsche, bis hin zu Kunden aus Hamburg oder München, die für individuellen Schmuck auch gerne weiter fahren.

Welches ist das günstigste und welches das teuerste Schmuckstück, das Sie haben?

Das günstigste sind ein paar kleine silberne Ohrstecker für 59 Euro, die wir auch selbst gefertigt haben. Das teuerste ist ein Brillantarmband für 12.000 Euro.