Folgt nun der Abriss? Speicher am Kanal in Bad Essen wird nicht umgebaut

Von Rainer Westendorf

Der alte Getreidespeicher am Mittellandkanal in Bad Essen. Die Umbaupläne sind gescheitert. Wird das Bauwerk nun doch abgerissen? Archivfoto: Oliver KratoDer alte Getreidespeicher am Mittellandkanal in Bad Essen. Die Umbaupläne sind gescheitert. Wird das Bauwerk nun doch abgerissen? Archivfoto: Oliver Krato

Bad Essen. Ein Notartermin mit Folgen. Der große Speicher am Mittellandkanal wird nicht umgebaut. Die Gemeinde Bad Essen, der Sanierungsträger BauBeCon und Investor Werner Steinemann haben am Dienstag vertraglich eine Aufhebung des Kaufvertrages vom Februar 2017 vereinbart, wie die Kommune jetzt mitteilte.

Das Projekt habe sich als „zu komplex“ erwiesen, hieß es vonseiten der Vertragsparteien. „Da das Sanierungsverfahren Hafenstraße in absehbarer Zeit abgeschlossen werden muss, gibt es nun keine Perspektive mehr, das Gebäude nach dem vorgesehenen Konzept zu modernisieren“, sagt Bürgermeister Timo Natemeyer. Der Abbruch des Speichers 80 Jahre nach seiner Errichtung sei „ein reales Szenario“. Das Bauwerk steht nicht unter Denkmalschutz.

Wohnungen, Gewerbe und Gastronomie

Die Ideen zum Erhalt und zur Modernisierung des 35 Meter hohen ehemaligen Kornspeichers sind bereits seit den vorbereitenden Untersuchungen zum Sanierungsgebiet im Jahre 2003 verfolgt worden. In den zurückliegenden Jahren gab es viele Kontakte, Gespräche und Verhandlungen mit Interessenten. Geplant waren von Anfang an Wohnungen, Gewerbe und Gastronomie. Potenzielle Investoren seien aber nie bis an den Punkt der Bauantragstellung gelangt, so Natemeyer. „Dass der Umbau äußerst aufwendig sein würde, war allen Beteiligten immer klar, aber wir haben gehofft, dass im Laufe des Sanierungsverfahrens die passende Konstellation gefunden werden könnte“, betont der Bürgermeister.

Die Auftragsvergabe

Zuletzt hatte der Osnabrücker Kaufmann Werner Steinemann, der im Schwerpunkt in der Hotellerie und der Kreuzfahrtbranche tätig ist, das Gebäude erworben. Die Vergabe von Aufträgen zum Umbau des Speichers erwies sich jedoch nach Aussage des Investors in der derzeitigen konjunkturellen Lage als schwierig, ebenso wenig habe in der zur Verfügung stehenden Zeitspanne ein Generalunternehmer gewonnen werden können.

Sanierungsgebiet Hafenstraße

Bürgermeister Natemeyer: „Wir müssen zum Ende des Sanierungsverfahrens feststellen, dass sich eine Revitalisierung des Speichers durch eine moderne Nutzung, wie sie im Rahmenplan für das Sanierungsgebiet Hafenstraße vorgesehen war, nicht umsetzen lassen hat.“ Ziel müsse es jetzt sein, nach den beiden erfolgreichen Abschnitten „Wohnen am Wasser“ und der „Marina“ schließlich auch den westlichen Teil des Areals fertigzustellen – nur eben ohne den Umbau des Speichers, sondern stattdessen in Gestalt einer Neubebauung.

Ein städtebaulicher Wettbewerb

„Welche Varianten beim weiteren Vorgehen im Einzelnen bestehen, stimmen wir gerade mit allen Beteiligten ab, unter anderem mit der BauBeCon, der NBank, der zuständigen Abteilung für Städtebau im Umweltministerium in Hannover sowie mit dem Rahmenplaner“, erläutert der Bürgermeister. Auch der Fachdienst Planen und Bauen des Landkreises Osnabrück sei an den Gesprächen beteiligt. Am Ende werde wahrscheinlich ein Architektenwettbewerb oder ein städtebaulicher Wettbewerb stehen, der den Weg zu einer Neugestaltung aufzeige.

Spannende Herausforderung

„Die exponierte Lage des Speichergrundstücks am Mittellandkanal, an dem zu beiden Seiten in den letzten Jahren viel Neues entstanden ist, und die bisherige Dominanz des Hochhauses erfordern bei der Überplanung viel Augenmaß, sind aber zugleich eine spannende Herausforderung, die natürlich auch von der Öffentlichkeit mit großem Interesse gesehen wird“, meint Natemeyer und betont: „Rat und Verwaltung der Gemeinde Bad Essen werden sich dieser Herausforderung in den vor uns liegenden Wochen und Monaten engagiert zuwenden und daraus, dessen bin ich sicher, im Sinne einer weiterhin gedeihlichen Ortsentwicklung etwas Gutes machen.“