Youtube-Star und Grimme-Preisträger Ex-Junkie erzählt in Bohmte über kriminelle Vergangenheit

Von Louisa Riepe

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Erzählt am Küchentisch von seiner Vergangenheit als Drogendealer und Krimineller: So ist Youtuber $ick bekannt geworden. Archivfoto: Ramon DiehlErzählt am Küchentisch von seiner Vergangenheit als Drogendealer und Krimineller: So ist Youtuber $ick bekannt geworden. Archivfoto: Ramon Diehl

lori/pm Bad Essen. Vom Junkie zum Grimme-Preisträger: Diese Entwicklung hat Youtube-Star $ick hinter sich. Wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt, welche Geschichte er hinter sich hat und welche Rolle Osnabrück dabei spielt, diese Fragen werden nächste Woche bei einem Vortrag in Bohmte beantwortet.

„Das Blut läuft dünn wie Wasser aus den Einstichstellen an meinen Armen und Handrücken. Immer wieder jage ich mir die Nadel im Schein der Straßenlaterne in den linken und dann in den rechten Arm. (...) Meine Hände zittern und vor meinen Augen verschwimmt alles.“

So beginnt „Shore, Stein, Papier“, ein Buch, erschienen im Oktober 2016, über „ein Leben zwischen Haft und Heroin“. Der Autor ist ein Mann in seinen Vierzigern, der unter anderem in Hannover in Osnabrück gelebt, geklaut und gedealt hat. Heute ist er clean und nennt sich $ick. Wohl eine Anspielung auf das englische Adjektiv „sick“, das so viel bedeutet wie krank, aber auch grausig oder makaber.

Titel mit Bedeutung

Genau wie das Pseudonym kommt auch der Buchtitel nicht von ungefähr: In der Drogenszene ist „Shore“ ein Synonym für Heroin, „Stein“ ist ein anderes Wort für Kokain, und „Papier“ eine Umschreibung für Geld. Mit den selben drei Worten überschreibt $ick auch eine Videoreihe, die er seit 2012 gemeinsam mit der Osnabrücker Produktionsfirma Redframe im Internet auf dem Youtube-Kanal Zqnce veröffentlicht. Allein die erste der 380 Folgen haben 1,5 Millionen Nutzer angesehen.

Darin erzählt $ick mit Kaffee und Kippe am Küchentisch Episoden aus seinem Leben als Süchtiger. Wie er im Alter von 15 Jahren das erste Mal Heroin raucht. Wie er drei Jahre später das erste Mal im Gefängnis landet. Wie er von albanischen Dealern einer Scheinhinrichtung unterzogen wird. Oder wie eines Tages der verschollen geglaubte Vater – ebenfalls ein Dealer – vor der Tür steht und beide Geschäftspartner werden. Und natürlich auch, wie er nach der Geburt seiner Tochter den Entzug schafft und nun ein Leben ohne Drogen führt. So viel sei vorweggenommen: Der Weg dahin war alles andere als gradlinig.

Online-Preis für Osnabrücker Produktion

„Fernab der üblichen Webvideo-Formate, ein authentischer Protagonist in einem ungekünstelten Setting, abschreckend ohne erhobenen Zeigefinger“, befand auch die Jury des renommierten Grimme-Onlineawards. Damit wurde „Shore, Stein, Papier“ 2015 ausgezeichnet. Seit dem leistet $ick Präventionsarbeit für Jugendliche, unter anderem an Schulen, oder, wie jetzt, im Treff.163 in Bohmte. Am Freitag, den 12. Januar, wird $ick ab 17 Uhr an der Jahnstraße 4 etwa drei Stunden lang über seine Vergangenheit sprechen.

$ick kommt nach Bohmte

Mit dabei ist auch Paul Lücke, der Produzenten der Video-Serie und Vorsitzender des Vereins Stigma. Er setzt sich für einen gesellschaftlichen Aufklärungsprozess und gegen die Ausgrenzung von Drogenabhängigen und psychisch Kranken ein. Der Vortrag und die anschließende Gesprächsrunde sind kostenlos.

Eine Anmeldung ist unter der Telefonnummer 05471/8022158, auf treffpunkt163.de, im Trio Bad Essen (01 60/8838658) oder bei den Jugendpflegerinnen Jana Nega in Bohmte und Saskia Kreyenhagen in Bad Essen möglich. Interessierte aus Bad Essen und Hunteburg können von den Jugendtreffs aus mit einem Bulli nach Bohmte gebracht werden.


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