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100 Jahre Schullandheim Musikalisches Geburtstagsgeschenk für Barkhausen

Von Cornelia Müller | 12.06.2018, 12:34 Uhr

Das Sinfonisches Blasorchester Wehdel begeisterte das Publikum beim Benefizkonzert im Solarlux-Forum in Melle. Der Erlös kommt der Weiterentwicklung des Schullandheims Barkhausen zugute, das den 100. Geburtstag feiert.

„Kriegen Sie keinen Schreck: Ich bin nicht der Dirigent, ich habe mal Werder Bremen gemanagt.“ Als Willi Lemke, Ex-Fußballmanager, ehemaliger Bremer Bildungssenator und Mitglied im Stiftungsrat der Ehlerding-Stiftung die Bühne im Solarlux-Foyer in Melle betrat, hatte er die Lacher auf seiner Seite. Aber der Moderator des Benefizkonzertes „Musik, die bewegt!“ hatte ein ganz ernsthaftes Anliegen, das er allerdings sehr humorvoll zu verpacken wusste: aufmerksam zu machen auf ein „ganz besonderes Schullandheim, eines der schönsten in Deutschland“ - das Schullandheim Barkhausen.

Mehrfach ausgezeichnet

Das feiert in diesen Tagen sein 100-jähriges Bestehen und will sich weiterentwickeln, um noch mehr Kindern „Erlebnisse, die bewegen“ zu ermöglichen. Aus diesem Anlass war das Sinfonische Blasorchester Wehdel – ein mächtiger Klangkörper aus 70 Musikern, international bereits mehrfach ausgezeichnet – zum ersten Mal für ein Konzert ins Osnabrücker Land gekommen. Doch bevor die ersten Takte von Philip Sparkes Jubiläums-Ouvertüre erklangen, erlebten die Zuhörer – darunter auch zwei Schulklassen aus Baden-Württemberg, die gerade in Barkhausen auf Klassenfahrt sind – noch eine „Weltpremiere“: Erstmals wurde der neue Imagefilm gezeigt, in dem das Schullandheim sich und sein pädagogisches Konzept vorstellt.

Im Schulalltag profitieren

Im Gespräch mit Willi Lemke und dem Leiter der Einrichtung Ivo Neuber erläuterte Nicole Merz, eine der Lehrerinnen der beiden Schulklassen, warum es sich für sie lohne, die Klassenfahrt ins 500 Kilometer entfernte Barkhausen zu machen. „Wir kommen seit 2006 regelmäßig mit unseren sechsten Klassen hierher. Der eine Grund ist das Team, das jedes Kind so nimmt, wie es ist. Deshalb herrscht hier eine ganz besondere Atmosphäre. Der andere Grund ist das wirklich geniale Gelände. In der Woche in Barkhausen wachsen die Kinder zusammen. Von dem Teamgeist, der hier entsteht, profitieren wir im Schulalltag nachhaltig.“

Nachhaltige Wirkung

Auch der Auftritt des Sinfonischen Blasorchesters Wehdel dürfte nachhaltige Wirkung zeigen und nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Denn der Dirigent Thomas Ratzek und seine Musiker wussten, wie man Zuhörer glücklich macht: mit einem funkensprühenden Programm, das lateinamerikanische Rhythmen und irische Folkmusik, Film-Soundtracks und Abba-Hits vereinte. Mit wuchtigen Bässen und schwerelosen Tin-Whistle-Melodien, garniert von Akkordeon- und Keyboard-Klängen. Mit viel Gefühl, enormer Dynamik und einem Dirigenten, der virtuos zu führen verstand.

Effektvoll und komisch

Und zu guter Letzt auch mit Stücken wie Oscar Navarros „The Fly“: Da erzählen die Instrumente nämlich sehr effektvoll und komisch die Geschichte einer hartnäckig störenden Fliege – bis der Dirigent den Taktstock gegen die Fliegenklatsche eintauscht und dem Ganzen mit einem Schlag ein Ende macht.

Jeder Moment des Konzertes war ausgezeichnete sinfonische Bläsermusik und ganz große Unterhaltung, die die Zuhörer buchstäblich von den Stühlen riss. Standing Ovations und Bravo-Rufe feierten die Musiker und ihren Dirigenten.

Ein tolles Geschenk gemacht

Auch Bürgermeister Timo Natemeyer war begeistert: „Jeder, der nicht hier war, hat etwas verpasst. Das Orchester hat dem Schullandheim damit wirklich ein tolles Geschenk gemacht.“ Verdient habe diese Einrichtung ein so einzigartiges Geburtstagsständchen allemal: „Das Schullandheim ist seit 100 Jahren ein fester Bestandteil der Region Bad Essen und ein Aushängeschild. Für viele Auswärtige findet hier der erste Kontakt mit der Gemeinde statt und viele kommen später wieder. So wie die Eheleute Ehlerding, die auch beide als Kinder in Barkhausen waren und die mit ihrer Stiftung da waren, als das Haus fast vor dem Aus stand.“