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100 Jahre Schullandheim Ein sehr emotionales Fest in Barkhausen

Von Cornelia Müller | 18.06.2018, 19:45 Uhr

Eine große „100“ und ein bunter Regenbogen prangten auf dem großen Transparent über dem Eingang zum Schullandheim und begrüßten die Besucher. Bunt wie dieser Regenbogen war dann auch die gesamte Jubiläumsfeier zum 100-jährigen Bestehen. Und Brücken bauend: von Bremerhaven ins Osnabrücker Land, von der Vergangenheit in die Zukunft.

Es wurde ein sehr persönliches, emotionales Fest, zu dem die Ehlerding Stiftung eingeladen hatte. Aber es stand ja auch eine Einrichtung im Mittelpunkt, die viele Menschen geprägt hat und die Zeit ihres Bestehens sehr familiär geführt wurde – angefangen mit Anna Knefelkamp bis hin zum jetzigen Leiter Ivo Neuber.

Reise in die eigene Vergangenheit

Für viele Gäste war der „Geburtstagsbesuch“ im Schullandheim zugleich eine Reise in die eigene Vergangenheit. Wer Glück hatte, traf hier sogar alte Bekannte, und ein extra eingerichteter Raum der Geschichte lud dazu ein, in alten Gästebüchern zu blättern und nach vertrauten Namen zu suchen.

Genau so habe er übrigens seinerzeit das Stifterehepaar Ehlerding überzeugen können, sich für das Schullandheim, in dem beide als Kinder zu Gast gewesen waren, zu engagieren, erzählte der ehemalige Bremerhavener Oberschulrat und heutige Vorsitzende des Stiftungsrates Michael Porwoll schmunzelnd: „500.000 DM waren damals nötig, um das Haus instandzuhalten. Ich habe deshalb die Eheleute Ehlerding kontaktiert. Nicht ganz ungeschickt haben wir bei ihrem Besuch die Gästebücher da aufgeschlagen, wo sich die beiden eingetragen hatten“. Das Resultat: Die Bitte um ein zinsloses Darlehen wurde abgeschlagen – die Ehlerdings spendeten die benötigte Summe!

Erinnerungen bleiben ein ganzes Leben

„Ich habe nie vergessen, dass ich hier war. Klassenfahrten prägen einen sehr tief, die Erinnerungen bleiben ein ganzes Leben“, sagt Ingrid Ehlerding. Und so sorgen sie und ihr Mann mit ihrer Stiftung dafür, dass Barkhausen auch weiter ein Ort bleibt, wo „Kinder sich so entwickeln können, wie die Talente in ihnen schlummern“.

Deshalb besteht die 100-jährige Geschichte des Hauses eigentlich aus mehr als 100.000 einzelnen Geschichten. Zum Beispiel der der Bremerhavener Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Lückert, die 1955 zum ersten Mal als Schülerin nach Barkhausen kam und später als Lehrerin noch oft wiederkommen sollte. Auf ihrer letzten Fahrt habe sie dann noch einmal alles ausprobiert, erzählt sie. Selbst den Hochseilgarten. Trotz Höhenangst. „Ich habe gedacht: Das schaffst Du nie. Aber ich wollte mit gutem Beispiel vorangehen. Ich war so befreit, als ich das geschafft hatte. Ich bin nach Hause zurückgefahren, als hätte ich Flügel.“

Erster Besuch im Jahr 1958

Auch der Bremerhavener Gerd Blancke – mit seinem Trio bereits mehrfach in Bad Essen aufgetreten – ist seit seinem ersten Besuch 1958 mit dem „Virus“ Barkhausen infiziert. Er habe unbedingt bei der 1 00-Jahr-Feier dabei sein wollen, sagt er sichtlich bewegt: „Ich wollte mal wieder nach Hause kommen.“ Theresa Beck stammt aus der Nähe von München. Vor fünf Jahren hat sie ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr im Schullandheim absolviert. Auch sie war zur Jubiläumsfeier wiedergekommen und half als eine von vielen Freiwilligen mit, das vielfältige Programm zusammenzustellen. Das Schullandheim sei einfach ein „besonderer Ort für Groß und Klein“ und biete viel Platz, sich auszuprobieren und neue Seiten an sich zu entdecken. „Ich habe hier eine Menge gelernt“.

Entdecken und Ausprobieren

Vom Bogenschießen bis zur Holzbaustelle, vom Lagerfeuer, an dem Popcorn und Stockbrot geröstet wurde, bis zum Kistenstapeln: Überall auf dem großen Gelände gab es etwas Neues zu entdecken und auszuprobieren. Auch aus der Nachbarschaft kam viel Unterstützung, damit der 100. Geburtstag zu einem gelungenen Fest werden konnte: Die Kirchengemeinde zum Beispiel hatte eine Kaffeetafel organisiert. Der Posaunenchor Linne-Barkhausen, der Singkreis Barkhausen, die „Osnabrücker Stadtstreicher“ und die Jagdhornbläser der Wittlager Jägerschaft gestalteten die Feier musikalisch. Und der Verschönerungsverein lud zum Kinderschminken.

Die nächsten 100 Jahre

Konzepte wie das von Barkhausen zu unterstützen „muss für Land und Bund eine Herzensangelegenheit sein“, sagte Landra. Michael Lübbersmann. Denn: „100 Jahre sind nicht genug“, so Jörg Fischlin, Geschäftsführer der Ehlerding-Stiftung. „Wir wollen uns weiterentwickeln“. Erste Pläne gibt es bereits. Der Architekt Jens Giesecke aus Hannover hat im Rahmen eines Wettbewerbs den Vorentwurf erstellt, mit dem das Schullandheim nun die nächsten hundert Jahre angehen will.