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Interview mit Martin Stindt Einziger hauptberuflicher Kirchenmusiker im Wittlager Land

Von Christa Bechtel | 18.08.2019, 11:31 Uhr

Als einziger hauptberuflicher Kirchenmusiker im Wittlager Land musiziert Martin Stindt seit mehr als einem Vierteljahrhundert mit sehr viel Schwung für die Kirchengemeinde St. Nikolai in Anlass für unsere Redaktion dem engagierten Musiker und Kantor ein paar Fragen zu stellen.

Herr Stindt: Wann haben Sie ihre Liebe zur Musik entdeckt?

Eigentlich schon als kleiner Junge. Bei uns stand ein Klavier, das von einer Tante geliehen war – und da habe ich immer drauf rumgespielt (schmunzelt). So fing das eigentlich an.

Welche Instrumente spielen Sie?

Also heute Klavier, Trompete, Tenorhorn und Orgel natürlich.

Welches ist ihr Lieblingsinstrument?

Das Klavier!

Was sind Ihre Repertoirevorlieben und haben Sie einen Lieblingskomponisten?

Einen Lieblingskomponisten habe ich so nicht. Mein Repertoire geht quer durch den Garten von Klassik bis Jazz; alles ist so ein bisschen vertreten.

Sie sind im Kirchenkreis Bramsche für die Ausbildung der jungen Bläser zuständig. Wie muss man sich solch eine Ausbildung vorstellen und wie lange dauert sie in etwa?

Die Ausbildung dauert in etwa, je nachdem wie fit sie sind, bis zu drei Jahren. Manchmal geht es auch schneller. Das läuft sozusagen auf Anfrage von Kirchengemeinden. Dass ich dann dort hinfahre, Werbung mache und eine Gruppe ins Leben rufe. Alle haben dann ein einheitliches Übungsbuch, lernen Noten, lernen das Instrument zu spielen, trainieren die Lippenmuskulatur, dass es langsam und stetig besser wird.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs an Bläsern aus? Werden im Kirchenkreis junge oder auch ältere Bläser gesucht?

Aktuell werden Bläser aus jeder Altersstufe gesucht. Das Problem ist immer, dass man genügend Leute findet, die dann später auch bleiben. Wir bieten am 29. Oktober eine Jungbläseranwerbung in Bad Essen an. Vorher sind wir in den Schulen, um für den 29. Oktober, 19 Uhr, im Bad Essener Gemeindehaus zu werben.

Außerdem leiten Sie in Bad Essen den Nikolaichor, den Posaunenchor sowie den Kinderchor „Flotte Noten", also die ganze Bandbreite in der Altersstruktur. Was reizt Sie am Dirigat der verschiedenen Chöre?

Die gehören alle einfach mit dazu – von Alt bis Jung. Mich reizen die verschiedenen Menschen, aber auch die verschiedenen musikalischen Richtungen. Dabei geht es bei uns sehr familiär zu, weil man sich auch schon über lange Jahre kennt.

Hat sich das Singen bzw. auch das Liedgut in den letzten Jahren verändert?

Also ich sehe schon zu, dass wir - hoffe ich - eine gesunde Mischung von verschiedensten Stücken haben. Aber vor allem auch neueres Liedgut in den Gottesdiensten einbauen. Dass man auch das Neue mal probiert.

In Ihrer Amtszeit als Kantor haben Sie außerdem viele Konzerte organisiert und zur Aufführung gebracht. Welches ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Das ist schwer (lacht). Die waren eigentlich alle schön. Besonders war vielleicht das Magnifikat von John Rutter. Weil das vom Orchester her viele Facetten geboten hat, gerade auch die Percussion. Das war für uns als Chor auch eine große Herausforderung. Und wir haben vor einigen Jahren das Oratorium „Israel Schalom“ zweimal aufgeführt. Bei der zweiten Aufführung haben mir Chorleute gesagt, dass im Publikum die Leute sehr ergriffen waren. Das kann ich natürlich nicht sehen, weil ich als Dirigent mit dem Rücken zu denen stehe. Aber das hat mich nachhaltig beeindruckt.

Gab es in diesem Zusammenhang mal ein Ereignis an das Sie nicht so gerne zurückdenken?

Es gibt natürlich hin und wieder Sachen, wo auf einmal ein Fehler entsteht, den man dann aber wieder glatt bügelt. Oder dass etwas missverstanden wurde.

Was haben Sie für die nächste Zeit an Konzerten oder Highlights geplant?

Wir veranstalten am 8. Dezember, also am zweiten Advent wieder ein offenes Singen mit Nikolai- und Kinderchor. Für 2020 gibt es im September ein sogenanntes Best of Konzert. Da werden vom Chor ausgewählte Stücke der letzten Jahre, so lange wir uns kennen, zu hören sein. Es gibt bereits ein Buch, aus dem wir üben.

Was wünschen Sie sich als Kantor für die Zukunft?

Eigentlich, dass es in etwa so weitergeht wie bisher. Dass sich auch noch Leute finden, die sich uns anschließen. Weil doch immer mal hier und da Lücken entstehen. Und dass es jederzeit viele, viele Kinder gibt, weil das die ‚Kunden‘ von morgen sind.