Ein Artikel der Redaktion

Weniger Besucher unterwegs Im Artland Blick in Nachbars Garten geworfen

21.07.2014, 22:00 Uhr

nwey Nortrup. Fünf Grundstücke, fünf Besitzer und fünf Gärten, die zwei Dinge gemein hatten: zum einen Liebe und Aufwand, die ihre Besitzer über Jahre hinweg in ihre selbst erschaffenen Paradiese investiert haben, und zum anderen 35 Grad Celsius Außentemperatur.

Alle zwei Jahre öffnen private Gärten zur „Gartenkultour“ ihre Pforten für Besucher und bewirten diese mit Kaffee, Kuchen und der einen oder anderen Spezialität. Um den Gästen, die die Tour nicht zum ersten Mal machten, ein anderes Bild zu präsentieren, fand sie heuer etwa sechs Wochen später statt, als in den vergangenen Jahren.

Der Garten von Renate und Wessel Mährlein liegt in Wulfenau zwischen Dinklage und Quakenbrück. Ein großer Teil des Gartens besteht aus einem Wald, durchzogen von Wegen, entlang denen man immer wieder Skulpturen und Deko-Objekte findet. Eine versilberte Kugel in einem Bett aus Zweigen, die von Weitem aussieht, wie ein exotisches Ei, zwei Terracottatrolle im Unterholz, eine Steinmaske auf einem Baumstumpf, die aussieht wie ein lächelnder Waldgeist – hinter jedem Baum etwas Neues.

Aber auch typische Gartenelemente kamen nicht zu kurz: Die säuberlich mit Buchsbaum gefassten Beete des Bauerngartens mit seiner Laube, der malerisch dicht bewachsene Gartenteich und etliche Sitzgelegenheiten von der Gartenschaukel bis zur Sitzbank machen den Garten wohnlich.

Idyllischer Gartenteich

Gleich in der Nachbarschaft befindet sich der Garten von Hille Ortland. Die Rosen, die sonst eines der Highlights eines jeden Gartens sind, spielten die zweite Geige: Dank der Regenfälle der vergangenen Wochen hatten die Hortensien enorm zugelegt und trugen zum Tail fast kopfgroße Blütenbüschel. Ein idyllischer kleiner Gartenteich mit Bachlauf und ein etwas größerer mit Sitzgelegenheiten lockten die Gäste ums Haus. Mehrere Sorten Clematis in etlichen Formen und üppig blühend von weiß über pink bis zu dunkelblau rankten über Rosenbogen, Pergola und Wände. Umrahmt wird der Garten von einem lichten, Schatten spendenden Wald und mittendrin überall Besucher, die dem Wetter trotzten, die Blütenpracht genossen und fachsimpelten.

Ein ganz anderes Bild zeigte sich bei Gisela und Bernd Landwehr in Quakenbrück – alleine schon, weil ihr Grundstück als Stadtgarten für einen Wald ungeeignet ist. Rund um das Haus herum schaffen zahlreiche kleine Beete Blühoasen, durch die gepflasterte Wege führen. Nur ein kleines Rasenstück dazwischen, „für den Hund“, wie die Gastgeberin lachend sagte. „Irgendwo muss der ja auch hin.“ Nicht zum Garten gehörend, aber trotzdem fester Bestandteil der Präsentation ist die kleine Schafherde, die auf dem angrenzenden Gelände graste. Mehrere Sitzgelegenheiten, von denen aus man zu jeder Tageszeit eine andere Perspektive auf den Garten hat, ein formal rechteckig gestalteter Kiesteich und ein Wasserlauf im Ziegelbett rundeten das Bild stimmig ab.

Arbeitsgebiet der Frau

Die vierte Station der „GartenkulTour“ war der Garten von Anna und Fubo Gottwald, wobei der Garten laut Aussage des Imkers eher das Arbeitsgebiet seiner Frau sei. Die Rasenflächen vor den Beeten, in denen vor allem viele Stauden blühen, geben diesen eine Bühne. Üppig blühender Phlox und prächtige Taglilien sind ebenso herausstechende Highlights, wie auch der Mangold mit seinen leuchtend rot-orangen Stängeln oder der Fenchel, der vorbeigehenden Besuchern fast bis zu den Schultern reichte. Bei so üppiger Pracht stellte sich nicht nur hier die Frage nach den üblichen Gartenproblemen, sprich „Mitessern“. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gartenbesitzern konnte sich Anna Gottwald zumindest nicht über die zurzeit fast allgegenwärtigen Schnecken beklagen. Aber Wühlmäuse, die seien in diesem Jahr auch bei ihr ausgesprochen zahlreich.

Der fünfte und letzte Garten der Tour befindet sich in Gehrde und ist, wie der Landwehrsche, ein „Stadtgarten“. Reinhard und Brigitte Ansmann haben in den vergangenen etwa 16 Jahren mit dem Älterwerden ihrer Kinder das Gelände Stück für Stück vom Kinderspielplatz zum Vorzeigegarten verwandelt. Ein kleiner Gartenteich, umfasst von grünenden und blühenden Stauden, versteckt hinter einer Hecke mit Guckloch, ist ein Rückzugsort, an dem man von nicht Eingeweihten kaum gefunden wird. Selbst geflochtene Rankhilfen sind ein wiederkehrendes Element in dem Garten, und die grünen Blätter und bunten Blüten bilden einen reizvollen Kontrast zu den nussbraunen Weidenruten. Im hinteren Teil des Gartens finden sie noch mal Verwendung: Die Begrenzung des Gemüsegartens ist ebenfalls selbst geflochten.

Für Thymian und Co.

Der traditionelle Buchsbaum nehme hier mit seinen Wurzeln zu viel Platz und Feuchtigkeit, so der Gartenbesitzer. Das mediterrane Kräuterbeet ist in eine geklinkerte Fläche integriert, damit es warm und trocken ist, wie Thymian und Co. es lieben. Auch für Experimente ist Platz: Eine begehbare Kamille ersetzt einen Teil der Pflasterwege im Garten und duftet bei jedem Schritt.

Unter dem Strich waren die Gartenbesitzer recht zufrieden mit der Resonanz, wobei gerade am Samstag traditionell und auch des Wetters wegen die Gärten nicht überlaufen waren. „Am Wetter kann man halt nichts ändern“, so der einhellige Tenor. „Bei den Temperaturen kann man jeden verstehen, der lieber im eigenen kühlen Zuhause bleibt“