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Von 140 auf 70 Kilogramm Gewicht halbiert: Quakenbrückerin besiegt ihre Adipositas

Von Birgit Eckhoff, Birgit Eckhoff | 02.09.2017, 11:30 Uhr

Angelina Gürtler strahlt über das ganze Gesicht. Sie wirkt zufrieden mit sich und der Welt. Lange Zeit war das jedoch nicht der Fall, denn ein starkes Übergewicht erschwerte der zweifachen Mutter ihr Leben.

Aus einem leichten Übergewicht entwickelt sich häufig im Laufe eines Lebens Adipositas, auch als Fettleibigkeit bekannt. So auch bei Angelina Gürtler (34 Jahre) aus Quakenbrück. Weitere schwierige Lebensphasen begünstigen die Gewichtszunahme bei der zweifachen Mutter noch zusätzlich. Während der ersten Schwangerschaft mit Sohn Justin im Jahr 2005 nahm die damals 22-jährige Angelina Gürtler mehr als zwanzig Kilo zu. Ein Gewicht so um die 85 bis 90 Kilo habe sie bis zur zweiten Schwangerschaft halten können, berichtet sie, nahm dann aber weitere 20 Kilo zu. Die Geburt der Tochter Mia Joleen 2010 bescherten der jungen Frau nicht nur Freuden. Sie litt sechs Wochen unter starken Wochenbettdepressionen. Der Lebensmut war zwar zurück – der ungestillte Hunger jedoch auch. Ab diesem Zeitpunkt sei es quasi egal gewesen, schildert sie ihre Situation, denn was ihr in die Hände fiel, wurde gegessen – und irgendwann war ein extremes Übergewicht von 140 Kilo erreicht. „Ich habe den täglichen Stress mit Essen kompensiert“, erklärt sie.

Von A wie Ananas- bis Z wie Zitronensaftdiät

Etliche Diäten von A wie Ananas-Diät über FdH-friss die Hälfte und Hormontherapie bis hin zur Zitronensaft-Diät folgten. Diese und auch sportliche Aktivitäten wie Fahrradfahren, Schwimmen oder Walking zeitigten nur kurzweilige Erfolge. Um nicht völlig träge durch den Alltag zu kommen, entdeckte Angelina Gürtler eine Vorliebe für „Energie-Getränke“ – dieses mit fatalen Folgen. „Eines Abends lag ich im Bett und bekam Herzrasen und Schweißausbrüche. Ich hyperventilierte und hatte totale Panik – bis der Notarzt eintraf. Es war wohl ein Warnsignal meines Körpers, um dem Teufelskreis zu entkommen“, vermutet sie. Der Hausarzt warnte bei jeder Untersuchung, dass ihr starkes Übergewicht zum frühen Tod führen könne. Aber was tun, nach den zahlreichen und erfolglosen Versuchen, abzunehmen und die Ernährung umzustellen? Angelina Gürtler entschied sich für einen Adipositas-chirurgischen (bariatrischen) Eingriff in Form eines Magenbypasses.

Ein Jahr lang Ernährungstagebuch geführt

Ein ganzes Jahr bedurfte es an Vorbereitung. In dieser Zeit geht man zur Ernährungsberatung und führt ein Ernährungstagebuch. Auch ein psychologisches Gutachten, Sportnachweise und die Teilnahme bei einer Selbsthilfegruppe müssen erbracht werden. Desweiteren folgt ein Diabetes-Check. Diese Ergebnisse und die komplette Hausarztakte reicht der behandelnde Arzt bei der Krankenkasse ein. Die daraus erfolgte Zusicherung der Kostenübernahme der Krankenkasse sollte das Leben der Quakenbrückerin verändern. Die Magen-Bypass-Operation ließ die 34-Jährige schließlich im März 2016 im Krankenhaus in Lohne vornehmen. Zunächst musste der verkleinerte Magen bei einer dreiwöchigen Flüssigphase, gefolgt von Brei- und Aufbaunahrung an Essen und Trinken gewöhnt werden. In der ersten Zeit gab es Nebenwirkungen wie Erbrechen und Kreislaufschwierigkeiten. Jetzt isst Angelina Gürtler täglich fünf kleine, etwa 200 Gramm große Mahlzeiten und hat mehr als 70 Kilo abgenommen. Ihr Gesundheitszustand hat sich bereits merklich verbessert. Heute wiegt Angelina 70 Kilo, hält dieses Gewicht seit vier Monaten und hat ihr Gewicht somit halbiert.

Traumhochzeit krönt das neue „Leben 2.0“

Im Mai dieses Jahres hat sie ihre Traumhochzeit gefeiert. Henri, ihren Ehemann, kennt sie bereits seit 20 Jahren. Er habe sie durch „dick und dünn“ begleitet. Aber auch ihre Mutter und ihre Freundinnen Jasmin und Melanie seien immer für sie da. Wer Angelina Gürtler noch aus alten Zeiten kennt, dürfte seinen Augen kaum trauen: Rank und schlank geht sie durch ihr neues Leben. Ein Leben, das sie lächelnd „Leben 2.0“ nennt.

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