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Verkehrsschild fehlt aber noch Freie Fahrt für Traktoren auf Badberger Umgehung

Von Christian Geers | 18.08.2016, 18:54 Uhr

Die Samtgemeinde Artland hat die Freigabe der Ortsumgehung in Badbergen für den landwirtschaftlichen Verkehr angeordnet. Noch ist das Verkehrszeichen 1026-36 aber nicht montiert.

Mit Schreiben vom 15. August hat Samtgemeindebürgermeister Claus Peter Poppe die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Osnabrück aufgefordert, an den einzelnen Abfahrten der Ortsumgehung unterhalb des Verkehrszeichens „Kraftfahrstraße“ das Zusatzzeichen „Landwirtschaftlicher Verkehr frei“ anzubringen. Ist das geschehen, können Traktoren und landwirtschaftliche Gespanne die Bundesstraße 68 regulär nutzen. Diese Freigabe soll zunächst für zwei Jahre gelten. In dieser Zeit soll genau hingeschaut werden, ob die Freigabe zu einer Erhöhung der Unfallzahlen führt.

Ende einer Diskussion

Die Anordnung, die nach Anhörung er Polizei und Straßenbaubehörde erfolgt, setzt den Schlussstrich unter eine mehr als zweieinhalb Jahre dauernde Debatte. Schon kurz nach der Freigabe der Ortsumgehung im Dezember 2013 wurden Stimmen laut, den Abschnitt auch für den landwirtschaftlichen Verkehr freizugeben. Seither bahnen sich Traktoren und Gespanne über die Hauptstraße und die Alte Heerstraße den Weg durch das Artlanddorf. Ein Zustand, den Gemeinderat, Anwohner und Landvolk-Ortsverband immer wieder kritisierten. Dieser Zustand, darauf weist die Samtgemeinde Artland in ihrem Schreiben hin, könne nicht von Dauer sein, da die Gemeinde Badbergen eine verkehrsberuhigte Neugestaltung des Ortskerns plane.

Gutachten liegt vor

Zwar ist die Samtgemeinde Untere Verkehrsbehörde und kann diese Anordnung verfügen. Sie ist allerdings an Recht und Gesetz und auch an Fragen der Sicherheit gebunden. Mehr als einmal hatte Samtgemeindebürgermeister Claus Peter Poppe in dem Bemühen, die Freigabe zu erreichen, alle Beteiligten darauf hingewiesen, dass die Argumente der Kommune durch die Ergebnisse eines Verkehrsgutachtens untermauert werden müssten. Das gab sie bei der Ingenieurgemeinschaft Schubert in Hannover in Auftrag.

Die Experten ermittelten Risiken und Probleme, die entstehen, wenn Traktoren über die Ortsumgehung und die Alte Heerstraße fahren. Am Ende des zwölfseitigen Gutachtens kommen sie zu dem Schluss, „dass nach einer Umgestaltung des Ortskerns eine verträgliche Führung des landwirtschaftlichen Verkehrs ohne eine Freigabe der Umgehung B68 Badbergen nicht – bzw. nur mit einem erheblichen baulichen Aufwand – realisierbar ist.“ Das heißt im Klartext, dass die Alte Heerstraße und die Straße Devern, die bisher die Traktoren aufnehmen, ausgebaut werden müssten. Die Alte Heerstraße mit einer Breite von 4,50 Meter ist zu schmal für landwirtschaftlichen Begegnungsverkehr, sie besitzt außerdem nahezu auf gesamter Länge keine befestigten Seitenstreifen. Radler und Fußgänger – darunter auch Schulkinder – nutzen ebenfalls die Straße, einen sicheren Gehweg gibt es nur im Bereich der Überführung der Bundesstraße 68. Außerdem entdeckten die Experten „problematische Abbiegeradien“, so dass sie zum Ergebnis kommen, dass „erhebliche bauliche Maßnahmen erforderlich“ seien, um sie als Alternative zur Ortsumgehung auszubauen.

Auch Nachteile ermittelt

Allerdings weist der Gutachter auch auf Nachteile einer Freigabe für den landwirtschaftlichen Verkehr hin. So würden sich die Reisezeiten für den überörtlichen Verkehr erhöhen, was aber als unerheblich einzustufen sei. Auch das Unfallrisiko werde voraussichtlich steigen. Ob es aber zu steigenden Unfallzahlen komme, sei allerdings nicht zu prognostizieren.

Der Verkehrsgutachter ist der Meinung, dass eine probeweise Freigabe der Umgehung einem Ausbau der Alten Heerstraße vorzuziehen ist. In der zweijährigen Testphase sehen die Ingenieure eine „sinnvolle Möglichkeit, das Unfallgeschehen kritisch zu beobachten“. Vertretbar sei eine langfristige Freigabe nur, wenn sich das Unfallgeschehen nicht verändere.

Diese Auffassung teilt auch Samtgemeindebürgermeister Poppe. Auch er spricht sich für den Evaluierungszeitraum von zwei Jahren aus. Sollte es zu „sicherheitsrelevanten Problemen kommen, die durch den landwirtschaftlichen Verkehr hervorgerufen werden“, müsse die Situation neu beurteilt werden.

Die Anordnung ist erfolgt, was fehlt, ist bisher noch die offizielle Beschilderung. Auf Nachfrage der Redaktion teilte die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr mit, dass die Zusatzschilder für die Umgehungsauffahrten erst noch beschafft werden müssen, da sie nicht zum Standardrepertoire gehören.

„Ein erfolgreicher Weg“

Zufrieden ist Badbergens Bürgermeister Dietmar Berger. „Es war ein langer und mühsamer, aber erfolgreicher Weg“, so sein Fazit. Die Entscheidung sorge für Erleichterung in Badbergen. Mit Blick auf das Verfahren stellt er fest: „Wer auch nur ansatzweise nachvollziehen kann, was es bedeutet, eine Entscheidung – hier die Zulassung nur als Kraftfahrstraße – umzuwandeln und die Freigabe für den landwirtschaftlichen Verkehr zu erwirken, der wusste, dass diese Entscheidung nicht von heute auf morgen gefällt wird.“