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Umgehungsstraße für Trecker tabu Kein Durchkommen für Landwirte in Badbergen

Von Katharina Preuth | 22.01.2015, 17:32 Uhr

In Badbergen ist zurzeit kein Durchkommen für den landwirtschaftlichen Verkehr. Die Umgehungsstraße ist für Traktoren nicht freigegeben, die Hauptstraße durch das Dorf ist seit Dezember für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt. Und die Alte Heerstraße, die parallel zur Ortsumgehung verläuft, ist einfach zu schmal. Aus Sicht der Landwirte gibt es also mehr als ein Nadelöhr.

Wie bei den Schildbürgern gehe es momentan in Badbergen zu, finden etliche Landwirte. Zwar sind nicht, wie in der Geschichte, das Rathaus und die fehlenden Fenster das Problem, aber ähnlich kurios verhalte es sich mit dem landwirtschaftlichen Verkehr, sagen sie. Schlepper mit Anhänger hätten es seit Dezember 2013 schwer, das Artlanddorf zu durchqueren.

„Wir haben uns darauf verlassen, dass die neue Umgehungsstraße für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben wird“, sagt Heiner Kramer, Vorsitzender des Landvolk-Ortsverbandes Badbergen. Eine Verkehrsschau direkt im Anschluss an die Fertigstellung der Straße Ende 2013 hat jedoch ergeben, dass dies eben nicht der Fall sein wird. Nur Kraftfahrzeuge mit einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 60 Stundenkilometern dürfen die Ortsumgehung nutzen. Darauf weisen auch Verkehrsschilder hin.

Die Konsequenz: Landwirte müssen mit ihren Traktoren und voll beladenen Hängern seitdem den Weg über die Hauptstraße nehmen. Seit Dezember allerdings ist der Abschnitt zwischen Einmündung der Dinklager Straße und der Dorfmitte für Verkehrsgefährte über 3,5 Tonnen gesperrt.

Das Verfahren, die Bedingungen der Umgehungsstraße zugunsten des landwirtschaftlichen Verkehrs zu ändern, laufe, sagt Kramer. „Es würde reichen, die Straße für Fahrzeuge zu öffnen, die schneller als 30 Stundenkilometer fahren. Oldtimer-Trecker sind schmaler, die können auf andere Wege ausweichen.“ Bislang würden die Fahrer der großen Maschinen Bußgelder riskieren, wenn sie trotzdem die Umgehungsstraße nutzten. Dies sei aber, so Heiner Kramer, ein schuldrechtliches Problem bei Unfällen. Da müsstendie Treckerfahrer dann haften.

Eine weitere Ausweichmöglichkeit gäbe es noch: die Alte Heerstraße. Hier liegt das Problem jedoch darin, dass die Straße nur 4,30 Meter breit ist. „Wenn sich hier zwei Schlepper mit Hängern begegnen, gibt es weder ein Vor noch Zurück“, erklärt Kramer bei einem Ortstermin. Zudem sei die Straße durch Kurven und ein Waldstück nicht überall gut einsehbar, sodass die Begegnung zweier landwirtschaftlicher Maschinen fast unausweichlich sei, vor allem, wenn Anfang Februar die Frühjahrsbestellung beginne und das Aufkommen an Landmaschinen auf den Straßen noch mal zunehme.

Badbergens Bürgermeister Dietmar Berger versteht das Problem. „Uns geht es vor allem darum, die Lastwagen von der Hauptstraße fernzuhalten, die sollen die Umgehungsstraße nutzen. Nach meiner Auffassung dürfen Trecker über die Ortsstraße fahren.“

Auch ihm sei daran gelegen, dass die Umgehungsstraße für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben wird. „Wir haben schon drei Anträge bei der Straßenverkehrsbehörde in Hannover gestellt, und die werden zurzeit bearbeitet“, erklärt der Bürgermeister. Denn dauerhaft solle einzig und allein der Anlieger- und Lieferverkehr über die Hauptstraße rollen. „Diese soll zu einer innerörtlichen Straße ausgebaut werden“, bringt es der Bürgermeister auf den Punkt.

Bis zu einer möglichen Freigabe der Umgehungsstraße bleibt das Problem der Landwirte bestehen. Für sie gibt es bislang also keine befriedigende Lösung, Badbergen zu durchqueren.