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Das Miteinander gefeiert Quakenbrücker "Fest der Kulturen" steht für Brückenbau, Vielfalt und Dialog

Von Bernard Middendorf | 17.06.2019, 21:08 Uhr

Es war, als hätten die Menschen in der Quakenbrücker Neustadt auf diesen Tag gewartet, um ihre Gastfreundschaft zu beweisen: Das Fest der Kulturen rund um das Mehrgenerationenhaus entwickelte sich zu einem Event, das Begegnung, Spaß, Gespräche und multikulturelles Miteinander anzubieten hatte – ganz nach dem Wunsch der Ideengeber und Veranstalter. Das sonnige Wetter machte die fröhliche Stimmung perfekt.

Mareike Schmidt, Quartiersmanagerin in der Neustadt, dankte den Gästen fürs Kommen und allen Helfern, insbesondere der Bundeswehr, für ihren Einsatz. Tülay Tsolak, Quakenbrücks stellvertretende Bürgermeisterin, gratulierte den Gastgebern: „Das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) feiert heute seinen 125. Geburtstag“. Sie begrüßte vor allem das soziale Miteinander von mehr als 60 Nationen, wichtiger noch als die städtebaulichen Maßnahmen, die die Neustadt lebenswert gemacht hätten. Quakenbrück sei seit den 1960er-Jahren anziehend für Gastarbeiter; sie selbst habe einen sogenannten Migrationshintergrund, aber sie sei auch Deutsche, lebe gerne hier, habe Freunde und Heimat gefunden. Menschen aus fernen Ländern müsse man willkommen heißen. „Das Fest der Kulturen setzt ein Zeichen für Brückenbau, Vielfalt und Dialog“, sagte sie und lud ein zum gemeinsamen Essen, Trinken, Musik und Tanz.

Das ließen sich die Besucher nicht zweimal sagen – vor allem die Kinder, die den Rollstuhlparcours der Grundschule Neustadt, Mitmachaktionen und Gewinnspiel des Kindergartens und Pflegeheims der Diakonischen Stiftung Bethanien, Spielangebote der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück und des Evangelische Jugend- und Fürsorgewerkes, das eine Hüpfburg organisiert hatte, mit Begeisterung ausprobierten. Basteln und Lernen – zum Thema Wiese und Insekten – konnte jedermann am Stand der Artländer Samtgemeindebücherei.

Der Islamische Kulturverein und rumänische Mitbürger, die auch sehenswerte Folkloretänze boten, warteten mit leckeren Spezialitäten, Eintopf und Gegrilltem auf, die Quakenbrücker Tafel im Artland servierte knusprige Kartoffelpuffer, das EJF- mit dem MGH-Team sorgte für Getränke und Kuchen satt.

Aber es gab nicht nur Kulinarisches – auch den „EJF-Tag“ und die Anmeldungen zur Ferienspaß-Aktion nutzten zahlreiche Familien. „Wir sind sehr zufrieden“, freute sich EJF-Leiterin Stephanie Thiering. Diakonie und evangelische Gemeinden, Caritas, Artländer Seniorenforum, Baubecon, die Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Arland, In Via und die Volkshochschule Osnabrücker Land informierten und brachten sich ein. Für die Sicherheit sorgten kinderfreundliche Kräfte der DLRG und andere Helfer.

Bob Giddens interviewte – auch das international – ProA-Headcoach Florian Hartenstein, der bestätigte, dass sich die ausländischen Spieler – nicht nur Amerikaner – in der Stadt schnell heimisch fühlten. Mit Tänzen, Vorführungen auf der Bühne, mitreißenden Sambaklängen der Gruppe Bateria Incitar und ganz viel „zwangloser“ Kommunikation wurde das Ziel der Initiatoren – ein Kennenlernen zu ermöglichen und Grenzen abzubauen – erreicht. „Und das auf einem so denkwürdigen Platz“ spielte Detlef Bülow auf die unselige Vergangenheit mit den Aufmärschen der Nazis an, die jetzt mit multinationalem Miteinander einfach endgültig gelöscht, ja hinweggetanzt wurde.

Pastorin Christina Richter sprach mit dem rumänisch-orthodoxen Priester Marius Cristea und Jugendreferent Manuel Kollenberg von der katholischen Pfarreiengemeinschaft im Artland ein interreligiöses Gebet. Sie bat um Frieden für Menschen und die gequälte Schöpfung, Nächstenliebe und Dankbarkeit. Ein junger Vertreter des Islamischen Kulturvereins appellierte, jeder solle Mensch sein, egal, welcher Religion man angehöre.