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Kunst und Musik als Ausgleich Uli Michel koordiniert Arbeit des Hospizvereins Quakenbrück

Von Alexandra Lüders, Alexandra Lüders | 19.11.2016, 10:32 Uhr

Uli Michel versteht sich als Schwellenhüterin von Neugeborenen und Sterbenden. Denn die gelernte Hebamme hat vor wenigen Wochen ihre Ausbildung zur Sterbeamme abgeschlossen, um verwaiste Eltern in ihrer Trauer und Schwerkranke im Sterbeprozess begleiten zu können.

„Wenn ein Kind auf die Welt kommt, ist das ein heiliger Moment, so ähnlich ist es auch, wenn ein Mensch die Erde verlässt“, sagt Uli Michel (47), hauptamtliche Koordinatorin des Hospizvereins „Leben bis zuletzt“. Schon während ihrer Tätigkeit als Hausgeburtshebamme war die Hospizhelferin und Traumafachberaterin fasziniert von der Auseinandersetzung mit Sinnfragen. Ebenso spürte sie ihr hohes Einfühlungsvermögen und ihre Stärke in beratenden Situationen.

Zusatzausbildungen absolviert

Die Tecklenburgerin hat viele Zusatzausbildungen absolviert und begleitet verwaiste Eltern, die schon während der Schwangerschaft erfahren, dass ihr Kind nicht lebensfähig sein wird. Sie bietet sogar spezielle Kurse in Rückbildungsgymnastik für die trauernde Mutter an und sorgt vor allem für deren Seelenpflege. „Ein würdevoller Abschied von dem verstorbenen Baby muss gut durch Gespräche, Körperübungen, Imaginationen, Trauerwege in der Natur, Kreativ- und Ritualarbeit vor- und nachbereitet werden, damit die Trauer nicht unterdrückt wird und später zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt“, verweist Ute Michel auf ihr vielseitiges Repertoire an Begleitung, die sie auch im Osnabrücker Raum anbietet.

Fachkompetenz für Ehrenamtliche

Derzeit wird sie in dieser Tätigkeit von einem WDR-Filmteam aus Köln begleitet. „Als Koordinatorin des Quakenbrücker Hospizvereins stelle ich meine Fachkompetenz den Ehrenamtlichen, den kranken Menschen und deren Angehörigen im Sterbeprozess zur Verfügung. Ich führe Vorgespräche, um die Gesamtsituation pflegerisch, medizinisch und sozial einschätzen zu können. Dann wähle ich die Ehrenamtlichen aus, die zu der individuellen Situation passen. Während der Begleitung habe ich auch immer einen guten Blick auf die Selbstfürsorge der Ehrenamtlichen“, beschreibt Michel ihr Aufgabengebiet.

Michel: Tabuisieren von Tod und Trauer nicht nötig

Sie rät Betroffenen, nicht nur die Hilfen des gut in Quakenbrück verankerten Hospizvereins, sondern auch viele andere Möglichkeiten zur Trauerverarbeitung wahrzunehmen. „In der heutigen Zeit ist das Tabuisieren von Tod und Trauer nicht nötig. Menschen können sich auf den Weg machen, weil es viele Angebote für Trauernde gibt“, will Michel Angehörigen Mut machen.

Kunst und Musik als Ausgleich

Um ihr eigenes seelisches Gleichgewicht zu erhalten, spielt Uli Michel Querflöte, bewegt sich viel in der Natur und besucht Kleinkunstveranstaltungen. Besonders aufmerksam machen möchte die Sterbeamme auf den zweiten Sonntag im Dezember, an dem um 19 Uhr für jedes verstorbene Kind ein Licht ins Fenster gestellt werden kann, um betroffene Eltern mit ihren Kindern und Geschwistern miteinander zu verbinden. Zu diesem Termin gebe es auch viele Gedenkfeiern, sagt Uli Michel.