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Kommission lehnt Freigabe ab Ortsumgehung Badbergen: Keine Lösung für Landwirte

Von Ulrike Havermeyer | 30.09.2015, 20:02 Uhr

Es bleibt dabei: Landwirtschaftlicher Verkehr darf auch weiterhin nicht die Ortsumgehung Badbergen befahren. Das hat eine Verkehrskommission des Landes entschieden. Ein Thema, das in der Ratssitzung am Dienstagabend vor allem bei Landwirten für Diskussionsstoff sorgte.

Wann wird die Umgehungsstraße für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben? Wer muss sich künftig über die Alte Heerstraße zwängen? Und wie geht es mit der Umgestaltung der Hauptstraße weiter? Fast doppelt so viele Bürger wie Mandatsträger haben an der jüngsten Sitzung des Badbergener Gemeinderats teilgenommen. Ein klares Zeichen für eine vitale Demokratie, aber auch ein klares Zeichen dafür, dass in Badbergen derzeit allerhand kontroverse Ansichten aufeinander treffen. Wer miteinander redet, merkt allerdings manchmal, dass die vermeintlich unterschiedlichen Standpunkte näher beieinander liegen, als erwartet. So zum Beispiel beim Aufregerthema Nummer eins: der Umgehungsstraße. Eine Lösung scheint dennoch nicht in Sicht.

Die Landwirte und Lohnunternehmer in der Kartoffelhochburg rund um Badbergen haben derzeit ein echtes Problem: Die Verkehrsschau – eine Kommission aus Vertretern der Landes Straßenverkehrsbehörde mit Sitz in Hannover, der Straßenbaubehörde und der Polizei – hat nach einem Ortstermin und einer Anfrage im Landtag die Umgehungsstraße für den landwirtschaftlichen Verkehr nicht freigegeben.

„Extrem hohes Unfallrisiko“

Schlepper mit und ohne Anhänger, Erntegeräte und Landmaschinen – die ohnehin schon als Verkehrskolosse gelten – müssen ihre Fahrten daher notgedrungen auf die Hauptstraße mitten durchs Dorf verlegen. Deren Erscheinungsbild sollte aber eigentlich im Zuge der Dorferneuerung umgestaltet, sprich hübscher und nicht länger für den landwirtschaftlichen Verkehr geöffnet, geschweige denn ausgelegt werden.

Als Alternative zur Hauptstraße ist seitdem der Weg über die Alte Heerstraße im Gespräch. Doch die ist mit ihren 4,30 Meter nicht nur viel zu eng für einen Begegnungsverkehr, sondern wird außerdem als Verbindung zum Schul- und Sportzentrum von vielen Radfahrern genutzt. Besonders häufig sind Kinder und Jugendliche auf ihr unterwegs. „Sind Sie sich bewusst darüber, welche Gefahren es da gibt?“, machten die Landwirte die Ratsmitglieder auf das ihrer Ansicht nach extreme Unfallrisiko aufmerksam. Selbst, wenn die Fahrbahn an einigen Stellen durch Ausweichbuchten verbreitert würde, sei diese Situation nicht zumutbar.

Bürgermeister will Hauptstraße offen halten

Der Karren steckt mithin recht tief im Dreck. „Der komplette Gemeinderat“, versicherte Bürgermeister Dietmar Berger den betroffenen Landwirten, „kämpft ja ebenfalls dafür, dass die Umgehungsstraße für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben wird - aber wir sind nun einmal nicht zuständig, weil das eine Landesstraße ist.“ Und allein die Verkehrsbehörde in Hannover könne die von ihr erhobene Sperrung aufheben. „Mit denen sind wir ständig im Gespräch“, ergänzte Michael Szymanski (SPD), „aber ich fürchte, da müssen wir dicke Bretter bohren. Das ist keine Sache von Tagen oder Wochen.“ Solange die Umgehungsstraße nicht freigegeben werde und er Bürgermeister sei, sagte Berger zu, bleibe die Hauptstraße durchs Dorf für die Landwirte geöffnet. Die Alte Heerstraße sehe er ebenfalls nicht als Ausweichmöglichkeit.

Ein Kampf ohne Herzblut?

Soweit - so einig sind sich die Parteien. Jedenfalls im Prinzip. Den Landwirten waren Bergers Aussagen dennoch zu schwach: „Wir vermissen, dass der Bürgermeister und der Gemeinderat mit Herzblut und in der Öffentlichkeit für die Freigabe der Umgehungsstraße kämpfen“, kritisierten sie und forderten die Kommunalpolitiker auf, künftig stärker das Gespräch mit den Betroffenen zu suchen und eventuell gemeinsame Protestaktionen zu planen.