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Frühling an Weihnachten Rosen statt Schnee in Quakenbrück

Von Katharina Preuth | 29.12.2015, 19:17 Uhr

In verschneiten Wäldern spazieren gehen, Schneemänner bauen und auf zugefrorenen Seen Schlittschuh laufen klappt in diesem Jahr nicht mehr. Stattdessen blühen Rosen und die Igel sind noch immer auf der Suche nach Nahrung. Für die Fauna und Flora ist der milde Dezember nur halb so schlimm, sagt Michael Weinert, Vorsitzender der Artländer Naturschutzstiftung.

Solange die Igel etwas zu Fressen bekommen, sieht Michael Weinert zunächst kaum ein Problem für die stacheligen Säugetiere in den aktuell zu warmen Temperaturen. Noch würden sie sich vom Fallobst ernähren können und dank Äpfel und Birnen ihre Energiereserve aufladen, die sie für kältere Zeiten bräuchten. „Dieses Jahr hing sehr viel Obst an den Bäumen, das ist gut für den Igel“, erzählt der Naturschutzexperte.

Winterruhe je nach Witterung

Er sagt aber auch, wenn der Lebensraum des Winterruhers zum Beispiel ein Birkenwald ist, sieht es mit der Nahrungssuche schlechter in dieser Jahreszeit aus. Die Phasen der Winterruhe sind für den Igel stark von der Witterung abhängig. Normalerweise suche er sich sein Winterquartier in den Herbstmonaten, sagt Michael Weinert, dann wenn es frischer wird. Weiter mahnt er, dass es nicht unbedingt ratsam wäre, dem Igel mit ausgelegten Futter weiterhelfen zu wollen. „Über die Fressstellen übertragen sich schneller Krankheiten. Es holen sich dort verschiedene Tiere ihre Nahrung.“

Auch auf das Flugverhalten der Zugvögel habe der milde Dezember Einfluss. Einen positiven, sagt Weinert. Rastvögel aus nordischen Gefilden, wie Gänse oder Schwäne, würden sich noch immer in unserer Region aufhalten, anstatt weiterzufliegen. „Solange sie auf den Ackern Fressen finden, bleiben sie hier.“ Erst wenn das Futter nicht mehr verfügbar sei, müssten sie die Reise wieder aufnehmen.

Gefahr: Insekten erfrieren

Nachteilig seien die Temperaturen für Insekten oder sensible Pflanzen, wenn der Frost noch kommt. Rolf Wellinghorst, Biologielehrer am Artland-Gymnasium Quakenbrück, erzählt, dass jetzt die Gefahr bestehe, dass die Eier der Insekten sich schneller entwickeln und sie im Dezember schon schlüpfen. Sollte der Winter dann noch Einzug halten, erfrieren die Insekten.

Ähnlich durcheinander sind die Pflanzen: Teilweise sprießen die Krokusse und die Haselnuss will austreiben. „Den Frühblühern schadet der Frost eigentlich weniger“, sagt Michael Weinert. Problematisch sei es, wenn „Pflanzen vorwitzig austreiben“, die sensible Blattteile haben oder Blüten. Diese würden einen eventuellen Frost im Januar nur schwer überstehen.

Insgesamt macht der Vorsitzende der Artländer Naturstiftung darauf aufmerksam, dass der Winter kalendarisch immerhin gerade erst eine Woche alt ist. Wichtig seien die Witterungen, die noch kommen. Dennoch sind Rosen, die in kräftigen Farben blühen, neben den Weihnachtstannen ein ungewohnter Anblick.