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Besuch in der Neustadt Ministerpräsident Weil lobt Stadtsanierung in Quakenbrück

Von Christian Geers und Mirko Nordmann | 20.02.2017, 20:46 Uhr

Das Land Niedersachsen will auch in den kommenden Jahren einen Schwerpunkt auf die Städtebauförderung legen. Das hat Niedersachsen Ministerpräsident Stephan Weil am Montag bei einem Besuch in Quakenbrück angekündigt.

„Die Städtebauförderung ist eine typische sozialdemokratische Erfindung aus den 1970er-Jahren“, sagte Stephan Weil bei einem Besuch im Stadtteil Neustadt. Weil auch der Bund dafür erhebliche Gelder lockermache, werde das Land seinen Anteil an der Drittelfinanzierung leisten. „Das ist eine klare Ansage“, sagte der Ministerpräsident und SPD-Landeschef. Wie wichtig die Städtebauförderung für die zukünftige Entwicklung Quakenbrücks ist, verdeutlichten Heinz Korte, Fachbereichsleiter für Bürgerservice und Soziales, und Stadtdirektor Claus Peter Poppe vor etwa 50 Zuhörern im Mehrgenerationenhaus an der Friedrichstraße.

Eine Vielzahl sozialer Probleme

Seit 2003 gehört eine etwa 15 Hektar große Fläche im Stadtteil Neustadt zum Förderprogramm „Soziale Stadt“. Hier geht es darum, die zum Teil sanierungsbedürftigen Kasernengebäude des früheren Feldflughafens, die als massive Bebauung das Gebiet prägen, einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. 2014 ist das Sanierungsgebiet nach Westen um weitere 13 Hektar erweitert worden. Hier gilt es, problematische Wohnverhältnisse in großen Mehrfamilienhäusern in eine „raumwirksam kleinteilige Bebauung“ zu verwandeln und damit eine Vielzahl sozialer Probleme zu beheben. „Wir stehen hier als Kleinstadt vor großstädtischen Herausforderungen“, brachte es Korte auf den Punkt. 4500 der 13000 Einwohner lebten in der Neustadt. Ein Drittel aller Quakenbrücker besitze einen Migrationshintergrund und stamme aus einer der insgesamt 80 Kulturen.

Poppe: Bekenntnis zur Neustadt

Unverzichtbar ist auch das Förderprogramm „Stadtumbau West“ für Quakenbrück, wie Poppe ausführte. Wiederum mit Geld von Bund, Land und Kommune arbeite die Stadt daran, Alt- und Neustadt „sozial und baulich zusammenwachsen zu lassen“. Dazu gehöre die Neugestaltung der Bahnbrache, die in den kommenden Jahren zu einem Quartier für Wohnen und Gewerbe umgewandelt werden soll. Ausdrücklich wies Claus Peter Poppe darauf hin, dass die Stadtsanierung „kein parteipolitisch besetztes Thema ist“. Und die Bemühungen zur Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität seien „als Bekenntnis zur Neustadt und zur Vielfalt der dort lebenden Nationalitäten“ zu verstehen.

Tsolak: Integration ist keine Einbahnstraße

Wie viel Mühe die Stadt für die Integration der gerade in der Neustadt lebenden Menschen aufwende, verdeutlichte Tülay Tsolak. Leitbild Integration, Arbeitskreis Lenkungsgruppe Integration, eine hauptamtliche Kraft in der Fachstelle für Gesellschaftliche Integration im Rathaus, dazu viele Projekte prägten die tägliche Arbeit. In deren Mittelpunkt stehe, die beruflichen Perspektiven der jungen Einwohner zu verbessern. „Integration ist aber keine Einbahnstraße. Wir fördern und fordern“, sagte Quakenbrücks stellvertretende Bürgermeisterin. Die Bewohner könnten sicher sein, dass ihre kulturelle Herkunft „akzeptiert und verstanden werden, gleichzeitig fordern wir, unsere Gesellschaftsform und unser Rechtssystem anzuerkennen“.

Weil setzt auf „Selbstregulierungsmechanismen“

Überrascht zeigte sich Stephan Weil, „dass die Probleme hier dieselben sind wie in einer Großstadt“. Ihn beeindrucke, wie Quakenbrück mit den Herausforderungen umgehe. Schecks habe er zwar nicht im Gepäck, aber die Zusage, dass das Land weiterhin in die Städtebauförderung investieren werde. Zu den Vorgängen rund um die Manipulationen bei der Briefwahl im vergangenen September äußerte sich der Ministerpräsident nur kurz. „Das habe ich zur Kenntnis genommen.“ Er vertraue auf die „Selbstregulierungsmechanismen in Gesellschaft und Justiz, die die richtigen Konsequenzen ziehen werden“.