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Besinnung in der Alltagshektik Europäische Weihnacht in St. Marien Quakenbrück

Von Heiko Bockstiegel | 10.12.2015, 16:05 Uhr

Die gemeinsame Freude über die Geburt des Jesuskindes spendet europaweit Trost und neuen Lebensmut, in den Weihnachtsliedern ebenso wie in den weihnachtlichen Geschichten. Die „Europäische Weihnacht“ der Quakenbrücker Musiktage mit Senta Berger als Erzählerin und dem Tölzer Knabenchor unter Leitung von Christian Fliegner bestach durch eine geschickte Programmzusammenstellung, die Verbindung musikalischer und textlicher Passagen gelang sehr stimmungsvoll.

Gerade heute hilft der Blick auf das Wunder der Geburt, Sorgen des Alltags zu relativieren, und vielleicht kamen die Menschen auch deshalb so zahlreich in das Adventskonzert der Quakenbrücker Musiktage in die St.-Marienkirche.

Weihnachten ohne Chormusik ist undenkbar. Der Tölzer Knabenchor ist prädestiniert dafür, die Botschaft des Weihnachtsfestes musikalisch zu verkünden. Mit einem festlichen Liedprogramm aus vier Jahrhunderten stimmten die jungen Sänger einfühlsam auf den besinnlichen Abend ein, der dem Publikum in der vorweihnachtlichen Hektik etwas Kostbares schenkte: Ruhe und innere Einkehr.

Weihnachtsgeschichten, so unterschiedlich sie auch sein mögen, spielen in nahezu allen Ländern Europas eine besondere Rolle, und Senta Berger als Erzählerin erwies sich dabei als Glücksgriff. Mit Geschichten, die sie selbst zusammengestellt hatte, Geschichten sowohl aus Deutschland, als auch aus Skandinavien, England und Frankreich, verband sie Vergangenheit und Gegenwart. Es waren Geschichten, die ihr schon die Mutter vorgelesen und die sie selbst an ihre Kinder weitergegeben hatte.

Genau das war auch ihre Intention, nämlich in der weihnachtlichen Besinnung über den Zustand der Welt und sich selber nachzudenken. Ihre sorgfältig ausgewählten Weihnachtsgeschichten aus zwei Jahrhunderten waren ernst, heiter und dann auch wieder sentimental. Senta Berger gelang es dank ihrer schauspielerischen Wandelbarkeit und ihrer einfühlsamen Stimme , in die unterschiedlichsten Rollen zu schlüpfen, mit unmissverständlichen Gesten lebendige Dialoge entstehen zu lassen und damit Charaktere und Stimmungen zu formen. Es war einfach eine Freude, ihr zuzuhören.

Zuhörer ließen sich berühren

Texte bekannter Schriftsteller, die sich allesamt zur Weihnachtszeit so ihre eigenen Gedanken gemacht haben, von Theodor Fontanes Gedicht „Noch einmal ein Weihnachtsfest“, Hans Christian Andersens „Mädchen mit den Schwefelhölzchen“ und Oscar Wildes „Der eigensüchtige Riese“ bis zu Rudolf Hagelstanges „Maria schreibt Elisabeth“, Astrid Lindgrens „Pelle zieht aus“, Janosch‘ „Der Bär und der Vogel“ und den „Spuren im Sand“, erreichten auf diese Weise das Publikum.

Die Weihnachtsgeschichte „Die Feder am Fensterbrett“ stammte aus Senta Bergers eigener Feder, und es war ihr anzumerken, dass sie das darin beschriebene Engelchen, das an Weihnachten etwas Flaum auf dem Fensterbrett hinterlässt, an das Weihnachten ihrer eigenen frühen Kindheit in den schweren Wiener Nachkriegsjahren erinnert. Sie glaubte damals noch unerschütterlich an Wunder und an das Schönste, nämlich das Christkind.

Einfühlsam, mit klaren und kernigen Stimmen, sauberer und klangschöner Intonation und harmonisch zusammengewachsen ließ der Tölzer Knabenchor, begleitet von Theresa Förg (Harfe) und Clemens Haudum (Akkordeon und Klavier), dazu die musikalischen Bilder entstehen, angefangen bei den wohl ältesten bekannten deutschen Kirchen-Weihnachtsliedern „In dulci jubilo“ und „Es ist ein Ros‘ entsprungen“, dem Hirtenlied „Potztausend“ und „Lassts uns ein“ aus Österreich und „Fröhliche Weihnacht“ sowie „I saw three Ships“ aus England. Das auch hierzulande bekannte Sternsingerlied „Es ist für uns eine Zeit angekommen“ stammte aus der Schweiz, „Il est né, le divin Enfant“ und „Ding dong! Merrily on High“ aus Frankreich.

Dem Traditional „Laljze Jezunin“ aus Polen schlossen sich das finnische „Joulupuu“ und „Hiljaa, hiljaa“ sowie „Jul, jul, stralande jul“ aus Schweden an. Auch Spanien hat zum Teil jahrhunderte alte Weihnachtslieder, so erklangen an diesem Abend das katalonische „Fum, fum, fum“ aus dem 16./17. Jahrhundert und das andalusische Sternsingerlied „Ya viene la vieja“.

Mit „Maria durch ein Dornwald ging“, einem musikalischen Sinnbild der Hoffnung, und natürlich „O du fröhliche“ klang die „Europäische Weihnacht“ aus und hinterließ ein berührtes Publikum, das sich mit langem, d herzlichen Beifall bedankte.