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380-kV-Leitung Artländer Samtgemeinderat verabschiedet Resolution

Von Christian Geers | 21.10.2015, 17:04 Uhr

Bei der Planung einer 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung von Conneforde nach Merzen dürfe es „keine voreiligen Entscheidungen gegen die Interessen der Samtgemeinde Artland“ geben. Diese und andere Forderungen hat die SPD-Fraktion im Samtgemeinderat erhoben, die in der jüngsten Sitzung einstimmig als Resolution verabschiedet wurden.

SPD-Fraktionschef Jürgen Lindemann sah Handlungsbedarf angesichts der vorgestellten Planungen für die benötigte Stromtrasse. Drei der vier Trassenvorschläge, die der Netzbetreiber Amprion in einer Antragskonferenz Mitte September vorgestellt hatte, führten durch den Altkreis Bersenbrüc k und damit auch durch die Samtgemeinde Artland. Ein vierter Trassenkorridor entlang der Autobahn 1 solle nach den Vorstellungen Amprions aus Kostengründen nicht weiter geprüft werden. Das sei, so Lindemann, nicht hinzunehmen. Auch diese mögliche Variante müsse geprüft werden.

„Vorschläge veraltet“

Ohnehin seien die Vorschläge der Netzbetreiber „zum jetzigen Zeitpunkt veraltet“, so Lindemann weiter. Nach dem Beschluss der Bundesregierung, eine teilweise Erdverkabelung bei weiteren Netzausbauvorhaben zuzulassen, müsse nun auch bei der Trasse Conneforde–Merzen eine Überprüfung stattfinden. Gute Gründe für eine Erdverkabelung gebe es gerade in der Samtgemeinde Artland mit ihrer bäuerlichen Kulturlandschaft, den denkmalgeschützten Hofanlagen und ihren geschützten Landschaftsbestandteilen. Das bisherige Landschaftsbild werde durch eine Höchstspannungsleitung erheblich beeinträchtigt, zitierte er aus der SPD-Resolution.

Zustimmung für die CDU-Fraktion signalisierte Hubert Schwertmann. Er wies auch auf die „exzellente Arbeit“ des Ersten Samtgemeinderates Frank Wuller hin. Der hatte nach der Antragskonferenz eine vierseitige Stellungnahme zum Bauvorhaben an das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) in Oldenburg geschickt. Darin weist er darauf hin, dass „die bloße Einhaltung von Regelabständen bei der denkmalpflegerischen Beurteilung der Kulturlandschaft Artland und den Baudenkmalen nicht gerecht würde“. In dieser „sensiblen Kulturlandschaft“ müsse auch eine Erdverkabelung „mit berücksichtigt und geprüft werden“.

Maurer: Mit einer Stimme sprechen

Andreas Maurer (Die Linke) begrüßte die Klarstellungen. Es gelte „mit einer Stimme zu sprechen“, damit „unser Kapital Kulturschatz Artland auf Dauer erhalten bleibt“. Die Kosten für den Bau einer Stromtrasse dürften bei der Festlegung auf eine Trasse erst an letzter Stelle stehen. Insofern müsse auch die Trasse entlang der Autobahn 1 weiter geprüft werden. „Brauchen wir diese neue Stromleitung überhaupt?“, fragte Holger Fuchs-Bodde-Gottwald (Bündnis 90/Die Grünen). Er beantwortete diese Frage für sich mit Nein. Die Frage, die in der Resolution nicht zum Ausdruck komme, aber gestellt werden müsse, laute: „Wie kann eine solche Stromtrasse vermieden werden?“ Es müsse stärker als bisher auch die dezentrale Erzeugung von Strom und die Speicherung von Energie in Betracht gezogen werden. Martin Lampe (FDP) hielt die Resolution für richtig, „weil sie in die richtige Richtung zielt“.

Badbergens Bürgermeister Dietmar Berger (SPD), zugleich Vorsitzender des Samtgemeinderates, wies auf die besondere Betroffenheit Badbergens hin. „Alle drei zur Disposition stehenden Trassen verlaufen durch Badbergen.“

Bürgermeister einig

Das Argument von Netzbetreiber Amprion, wegen zu hoher Kosten die Autobahn-Trassen nicht weiter in Betracht zu ziehen, „ist lächerlich“. Noch niemals habe man sich bei der Energieerzeugung und Energietransport um Kosten gekümmert. „Diese Kosten wurden und werden sowieso auf uns Stromkunden abgewälzt“, sagte er. Berger forderte das Amt für regionale Landesentwicklung auf, die Autobahn-Trasse in die Prüfung einzubeziehen. Das sei eine Entscheidung „im Interesse der Bürger dieser Region und nicht im wirtschaftlichen Interesse von Tennet und Amprion“. Unterstützung erhielt er auch von den Bürgermeisterkollegen Leonhard Renze (Nortrup) und Jürgen Kruse (Menslage).