18 Studenten bilden Ensemble Rock-Musical „Rent“ überzeugt Lingener Publikum


Lingen. Es ist wahrlich kein leichter Einstieg in das Rock-Musical „Rent“, das mit großem Tempo, einem schwer zu verfolgenden Wust an Erzählsträngen und so textintensiven wie wenig schmeichelnden Melodien die Lingener Zuschauer in das New York der Achtziger-Jahre wirft. Mitunter ist die Bühne gefüllt von Darstellern, die alle etwas anderes singen. Erst im Verlauf lichtet sich das Geschehen.

Sehr genau 100 Jahre nachdem Giacomo Puccini seine meisterliche Oper „La Bohème“ erstmals auf die Bühne brachte, nahm sich der amerikanische Komponist und Dramaturg Jonathan Larson des gleichen Themas an und übertrug es mit einem Rock-Musical in seine Zeit. Einzelne Personen im Musical entstammen direkt der Opernvorlage sowie auch manche Melodien. Gleichfalls verwob Larson hier einiges Autobiografisches. Larson starb 1996 am Tag der Uraufführung des bald preisgekrönten Werkes.

In „Rent“ geht es wie auch bei Puccini um Leben, Leiden und Lieben, allerdings wohl krasser ausgemalt. Es geht um Sex in all seinen Schattierungen, es geht um Drogensucht um Protest und um Geld, das eher die anderen haben. Vor allem aber geht es um Aids, die Krake, die sich wie ein Dämon über die Achtziger legte. Beinahe alle Figuren in „Rent“ tragen den Virus. So gibt es im zweiten Akt sehr traurig zwei Todesopfer: Angel stirbt an Aids, Mimi folgt ihm wenig später. Berührende Szenen.

Ein Lob für die lebendige Inszenierung im Lingener Theater mit Studierenden der Hochschule Osnabrück unter der Leitung von Sascha Wienhausen. Bühnenbild und Choreografie sorgten für einige aufregende Bilder, mal verboten scharf, mal einladend tänzerisch, wenn nötig betrübend starr. Eine unauffällig platzierte kleine Band erledigte die Musik erstklassig. Dabei gab es in der Tontechnik doch verschiedene Unzulänglichkeiten, die das Klangbild häufig wenig ausgewogen erscheinen ließen. Sei’s drum. Man konnte durchweg und auch in den dichtesten Gemengelagen jeden Text verstehen, und das war für den Hörer überlebenswichtig und schon wegen einer problematischen Übersetzung von Wolfgang Adenberg nicht immer leicht.

Das 18-köpfige Darstellerensemble bot neben einer sehr bewegten Choreografie gesanglich gar Beachtliches. Durchwachsen wohl, aber mit Spitzen, die man nicht so schnell wieder aus dem Ohr bekommt. Leider kommt dieses Musical in weiten Strecken ohne große Hits aus. Am Ende ist es vor allem „Seasons of Love“, das sich ins Ohr brennt. Hierin zeigte Isabelle Waltsgott ein umwerfend rockiges Solo.

Die Figur der Drag Queen Angel war hervorragend gesungen von Christian Bindert, als Figur aber schon durch dessen enorme Körpergröße beinahe zur Groteske überzeichnet. Mit Cihan Demir als Collins an seiner Seite – er reichte gerade bis an die Hüften – stand hier ein überaus ungleiches Paar.

Das ewig streitende Pärchen Joanne und Maureen (Rosalie Becker und Hannah Noack) brillierte sehr überzeugend mit „Take Me or Leave Me“. Ich kann nicht leben, wenn du nicht da bist, kurz: „Without You“ ist ein tief bewegendes Duett von Mimi und Roger (Elena Otten und Marcel Kaiser). Bliebe noch der Erzähler der ganzen Geschichte, der Filmer Mark. Jürgen Behm meisterte diese beachtliche Partie.

Am Ende ist die Begeisterung groß. Die Umsetzung des doch in Teilen so sperrigen Stücks scheint geglückt und konnte überzeugen. Mehr davon.


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