Martens-Wulfhoop schon geschlossen Stuhrer Gasthaus könnte bald Geschichte sein

Von Heiner Büntemeyer, Katharina Schmidt

Mehrere Generationen war das Dorfgasthaus Martens-Wulfhoop ein Familienbetrieb. Seit 2018 gibt es neue Pächter. Die müssen nun Insolvenz anmelden. Foto: Jantje EhlersMehrere Generationen war das Dorfgasthaus Martens-Wulfhoop ein Familienbetrieb. Seit 2018 gibt es neue Pächter. Die müssen nun Insolvenz anmelden. Foto: Jantje Ehlers

Seckenhausen . Das Traditionsgasthaus Martens-Wulfhoop besteht seit 115 Jahren. Doch die derzeitigen Pächter stellen den Betrieb ein. Diese Nachricht hat viele Menschen in Seckenhausen und Umgebung überrascht – auch den Besitzer des Gebäudes, Steffen Adam.

Wie es weiter geht, weiß er noch nicht. Er hält es für unwahrscheinlich, dass das Pachtverhältnis mit dem Ehepaar Denell noch weiter geführt wird, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Es sei viel Vertrauen verspielt worden. Zum anderen stelle es sich derzeit als schwierig dar, einen passenden, zuverlässigen Pächter zu finden. Bliebe noch die Möglichkeit, das Gasthaus selbst weiter zu betreiben – aber auch das stellt in Adams Augen keine Dauerlösung dar, weil er mit dem Gasthaus Wülfers in Groß Ippener, das er mit seiner Frau betreibt, ausgelastet ist. Leer stehen lassen kann er das Haus auch nicht, und so ist nicht ausgeschlossen, dass das renommierte Gasthaus Martens-Wulfhoop bald Geschichte sein könnte. 

Gastronomie seit 1905

Das Gasthaus wurde 1905 von Gesine und Johann Lammers an der Ecke Hinterm Felde / Zum Sportplatz errichtet. Nach dem frühen Tod von Johann Lammers heiratete dessen Witwe Heinrich Martens und errichtete mit ihm zusammen 1928 das Gasthaus an seinem jetzigen Standort. Deren Tochter Martha führte das Gasthaus zusammen mit ihrem Ehemann Adolf Stahmann in zweiter Generation. Danach folgten in dritter Generation Elfi, geborene Stahmann, und Helmut Adam. Die beiden führten den Betrieb bis zur Übernahme durch ihren Sohn Steffen Adam, einem gelernten Koch, im Jahr 2015.

Auch Elfi und Helmut Adam sind von der Entwicklung persönlich sehr betroffen. Immerhin war ihnen zusammen mit Steffen Adam eigenen Aussagen zufolge die Umstellung von einer Vereinskneipe zu einem gemütlichen Dorfgasthaus mit gutem Ruf, in dem der Gast à la Carte speisen konnte, gelungen.

Stammgäste sind unerlässlich

Natürlich habe jeder Wirt seinen persönlichen Stil im Umgang mit den Gästen, aber Stammgäste hätten auch besondere Erwartungen an „ihren“ Wirt, so Steffen Adam. Und um erfolgreich ein Landgasthaus zu führen, seien Toleranz, Empathie und Einfühlungsvermögen den Gästen gegenüber unerlässlich. „Die Gäste müssen sich im Gasthaus wohlfühlen, sonst kommen sie nicht wieder“, weiß Steffen Adam aus eigener Erfahrung. Es gehöre nicht viel Fantasie zu der Erkenntnis, dass ein Gast, der sich in seinem Gasthaus wohlfühlt, nicht nur wiederkommt, sondern auch Bekannte mitbringt und mit Vorliebe seine Familienfeiern in „seinem“ Stammlokal ausrichten lässt.

Eine Herausforderung für die Pächter

Im Januar 2018 haben Natalie und Steven Denell, der zu dem Zeitpunkt neun Monate als Küchenchef im Hause tätig gewesen war, den Betrieb übernommen. Natürlich sei es eine Herausforderung gewesen, erzählt Natalie Denell auf Anfrage. Sie und ihr Mann seien keine alteingesessenen Seckenhauser, hätten nicht im Ort gewohnt und seien unter den Bewohnern noch nicht bekannt gewesen. Es brauche Zeit, um sich einen Stamm an wiederkehrenden Gästen aufzubauen, so Denell. Doch das sei ihnen gelungen. Mit einem Inhaberwechsel gingen immer auch Veränderungen einher, das sei klar. Aber die Kunden seien weiterhin freundlich bedient worden, meint sie mit Blick auf die Aussage Adams, dass Toleranz, Empathie und Einfühlungsvermögen unerlässlich seien. Denell verweist auch auf Bewertungen des Gasthauses bei Google aus den vergangenen zwei Jahren. „Natürlich war da auch mal eine schlechte dabei, aber die Bewertungen waren zu 90 Prozent positiv.“

Besitzer liest von Insolvenz im Internet

Nichtsdestotrotz müssen sie ihr Restaurant aufgeben. Steffen Adam hat eigenen Aussagen zufolge erst nach einem vertraulichen Tipp im Internet den Hinweis auf die Schließung des Gasthauses erhalten. Vom Insolvenzverwalter hatte er auch eine Woche, nachdem die Nachricht veröffentlicht wurde, und trotz einer telefonischen Nachfrage noch keine Informationen erhalten. Er sei enttäuscht darüber, dass die Pächter nicht vorher das persönliche Gespräch mit ihm gesucht hätten, bevor sie den Gang zum Insolvenzverwalter angetreten hätten, so Adam. Sein Vater Helmut Adam bedauert: „Selbst, wenn jetzt noch eine Lösung gefunden wird, es wurde viel Vertrauen bei unseren Gästen verspielt.“

Natalie und Steven Denell sagen hingegen, dass sie mehrfach angesprochen hätten, dass das Geschäft nicht so gut laufe. Wann genau sie den Betrieb endgültig einstellen wird, können die beiden noch nicht sagen. Bis auf Weiteres geschlossen hat das Restaurant an der Wulfhooper Straße 22 bereits jetzt.


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