Amerikanische Musik Wie in Varrel Bluegrass in Perfektion das Publikum begeisterte

Sie sind die neuen Sterne am Bluegrass-Himmel: Die Price Sisters. Foto: Birgit StamerjohannsSie sind die neuen Sterne am Bluegrass-Himmel: Die Price Sisters. Foto: Birgit Stamerjohanns

Stuhr. Das Bluegrass Jamboree hat zum elften Mal Station in Stuhr gemacht. Für Freunde der traditionellen, amerikanischen Folk-Music ist der Abend einmal mehr ein echter Genuss gewesen.

Vor einigen Wochen sind Katja Wilken und Lukas Grabe noch in South Carolina gewesen und haben ihre Lieblingsmusik dort gehört, wo sie ihren Ursprung hat. Am Freitag sind die beiden aus dem Landkreis Leer ins Gutshaus Varrel gefahren, um zumindest für einen Abend amerikanischen Bluegrass zu genießen. „Richtige US-Bands kommen super selten nach Deutschland“, erzählen die beiden, die selbst in einer Country- und Bluegrass-Band spielen. Vor allem „The Price Sisters“ hatten es ihnen bei ihrem Besuch in den Staaten angetan. Wie es der Zufall wollte, stand auch diese Band am Freitagabend in Stuhr auf der Bühne – und versetzte nicht nur Katja Wilken und Lukas Grabe, sondern auch die gut 300 weiteren Zuhörer in Begeisterungsstürme.

Reihe besteht schon seit elf Jahren

Das Bluegrass Jamboree ist eine Art Tournee dreier Bands durch Deutschland, die bereits seit elf Jahren stattfindet und an 23 verschiedenen Orten Station macht. Auftakt des diesjährigen Mini-Festivals war Dortmund, und gleich danach reisten die US-Musiker weiter ins beschauliche Stuhr. Veranstalter Rainer Zellner ist es gelungen, verschiedene Varianten der traditionellen US-Musik auf die Bühne zu holen. Das Duo „Hoot and Holler“ hat sich auf traditionelle Folk Music spezialisiert. Seinen Anfang nahm der Bluegrass im frühen 20. Jahrhundert in den USA, er ist aus der Square Dance Musik entstanden. „Die traditionellen Instrumente wie Geige und Banjo haben natürlich eine noch längere Geschichte“, so Mark Kilianski, „das Banjo stammt ursprünglich aus Afrika.“ In ihrer Heimat tingeln Amy Alvey und Mark Kilianski von Festival zu Festival oder spielen auf der Straße – und das ausgesprochen erfolgreich. Ihre ur-amerikanische Musik erinnert eben an die guten alten Zeiten, zum rhythmischen Klang des Banjos sieht man vor dem geistigen Auge Pferde, Cowboys und Rinderherden vorbeiziehen, und in der Ferne einen Saloon.

Gern gesehene musikalische Randerscheinung

Traditionellen Bluegrass lieferten auch „The Price Sisters“, wobei die Zusammensetzung der sehr jungen Band alles andere als traditionell ist: Die Zwillingsschwestern Leanna und Lauren aus Ohio haben die Gruppe gegründet und sich zur Unterstützung ein paar Männer organisiert. Alle beherrschen das, was gemeinhin als handgemachte Musik bezeichnet wird, in Perfektion. Allerdings: Auch in ihrer Heimat sind Bluegrass-Bands eher eine Randerscheinung der Musikszene, meistens spielen sie auf Festivals und kleineren Bühnen. „Viele Bands produzieren ihre CDs komplett selbst, weil sich dafür keine Plattenfirmen finden“, so Rainer Zellner. In Stuhr hatten die Besucher aber die Gelegenheit, sich mit CDs einzudecken. Offenbar ein Segen für viele, denn in Deutschland spielt traditionelle, amerikanische Musik nur selten eine Rolle – weder auf Bühnen noch in den Geschäften.

Publikum begeistert

Die dritte Band des Bluegrass Jamboree bewies dann, dass es auch progressive Spielarten der traditionellen Musik gibt: „Chicken Wire Empire“, eine Band aus Wisconsin. Die fünf Männer brachten rockigere Klänge und ausgedehnte Soli auf die Bühne und zeigten, dass sich auch einer ur-amerikanischen Musik immer neue Facetten hinzufügen lassen. Das Stuhrer Publikum jedenfalls war begeistert von dem Musikabend – und hofft auf eine Neuauflage im kommenden Jahr.


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