Gedenkfeier in Stuhr Stuhrer Schüler erinnern an Leiden und Gewalt

Stuhrer Jugendliche legen am Mahnmal in Obernheide Kiesel als Symbole dauerhaften Gedenkens ab. Foto: Reiner HaaseStuhrer Jugendliche legen am Mahnmal in Obernheide Kiesel als Symbole dauerhaften Gedenkens ab. Foto: Reiner Haase

Stuhr. 150 Jugendliche und einige Erwachsene sind am Buß- und Bettag den Leidensweg jüdischer Zwangsarbeiterinnen zwischen dem Bahnhof in Stuhr und dem KZ-Außenlager in Obernheide nachgegangen. Am Mahnmal in Obernheide wurden Steine als Symbole dauerhaften Gedenkens abgelegt.

Erschöpft von Knochenarbeit, Demütigungen und Quälereien sind jüdische Frauen von September 1944 bis kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten Abend für Abend zum Fußmarsch vom Stuhrer Bahnhof ins Barackenlager in Obernheide gezwungen worden. Daran hat am Buß- und Bettag ein Gedenkgang vom Bahnhof zum Mahnmal in Obernheide erinnert. Mehr als 150 Personen, zumeist Schülerinnen und Schüler, nahmen an der Veranstaltung teil, die von der Lise-Meitner-Schule in Moordeich, den Stuhrer Kirchengemeinden und der Gemeinde Stuhr gestaltet worden ist.

Mahnungen und symbolische Gesten

Aufgeschriebene Erinnerungen an das entwürdigende und leidvolle Leben im Lager und Schuften in Bombentrümmerbergen in Bremen wurden von Jugendlichen am Bahnhof verlesen. Am Mahnmal kamen wenige Wochen nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle Warnungen der Jugendlichen  vor wachsender Gewaltbereitschaft und Fremdenfeindlichkeit. "Es geht nicht um Schuldkult, sondern darum aufzuzeigen, dass wir immer wieder in Fallen tappen können, dass Menschen ausgegrenzt und ihre Rechte beschnitten werden", ergänzte Detlef Korsen, Pastor in der Kirchenregion Stuhr. Er regte die Gedenkenden an, das Hoffnung spendende Lied eines jüdischen Autors mitzusingen, dem zufolge das Leben stärker ist als die Menschen, die Vernichtungen anrichten. Die Jugendlichen legten einem jüdischen Brauch folgend abschließend auf dem Mahnmal Kiesel ab, "unvergängliche Steine als Symbole ewigen Gedenkens", so Pastor Korsen.

Mahnmal aus Steinquadern

Das Mahnmal hat die Gemeinde Stuhr vor gut 30 Jahren auf einer Wiese an der Obernheider Straße nach einem Entwurf der Braunschweiger Bildhauerin Wittmute Malik errichten lassen. Roh behauene liegende Steinquader sind von Kiesstreifen und Baumreihen gesäumt. Als Ergänzung haben Stuhrer Jugendliche die Namen der Zwangsarbeiterinnen auf kleine Steinplatten geschrieben und rings um die Steinskulptur gelegt. So sind die Namen von Frauen wieder präsent, die von den Nazi-Gewaltherrschern zu bloßen Nummern degradiert worden waren.

Mindestens zehn Todesopfer

Auf der Wiese in Obernheide standen einst Baracken eines Außenkommandos des Konzentrationslagers Neuengamme. 800 Jüdinnen aus Ungarn und Polen waren hier eingepfercht. Täglich wurden die Zwangsarbeiterinnen zu Trümmerräumungsarbeiten und in Betonsteinwerke in Bremen getrieben. Mindestens zehn Frauen starben im Lager Obernheide.


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