25-Jähriger auf der Anklagebank Als nachts in Stuhr Marihuana aus dem Autofenster flog

In dem Auto soll es sogar frisch nach Marihuana gerochen haben. Symbolfoto: dpaIn dem Auto soll es sogar frisch nach Marihuana gerochen haben. Symbolfoto: dpa

Stuhr. Weil es keinen untrüglichen Beweis für den Besitz von Drogen bei einem Angeklagten gab, wurde eine Gerichtsverhandlung schwierig. Aber der Richter glaubte nicht an Zufälle.

Erst fanden die Polizisten nichts in der Augustnacht 2018 nahe der Autobahnauffahrt in Stuhr, dann aber suchte einer der Beamten im Gebüsch hinter der Leitplanke und erblickte den Gefrierbeutel mit dem Marihuana. Die 21,5 Gramm wurden dem 25-jährigen Beifahrer zugeschrieben: erst von den kontrollierenden Beamten, dann vom Amtsgericht Syke in erster Instanz und am Donnerstag auch vom Landgericht Verden in der Berufungsverhandlung. Die Strafe: 60 Tagessätze Geldstrafe à 20 Euro. 

Verteidiger will Freispruch

Alle Beteuerungen, den Beutel nicht besessen und ihn also auch nicht aus dem Fenster geworfen zu haben, als die Polizei dem vorausfahrenden Auto das Anhaltesignal gab, nutzten dem Angeklagten nichts. Dabei hatten die Polizisten einen aus dem Fenster fliegenden Beutel nicht gesehen, zudem waren auf ihm später keinerlei Fingerabdrücke gefunden worden. Der Verteidiger des 25-Jährigen schloss so, dass ein Tatnachweis für den Besitz verbotener Betäubungsmittel keinesfalls erwiesen sei. Allein für die Zweifel verdiene sein Mandant den Freispruch.

Frischer Marihuanageruch im Auto

Der Bremer war nach einer Party in Stuhr mit seiner Freundin zurück auf dem Weg nach Hause, als die Polizei die beiden anhielt und sogleich im Wagen den intensiven Geruch von frischem Marihuana wahrnahmen. Penibel durchsuchten sie das Innere, ließen die Frau am Steuer auch noch (im Gebüsch) eine Urinprobe für einen (negativen) Schnell-Drogentest abgeben. Sie wären schon fast weitergefahren, wenn einer der Beamten nicht hinter die Leitplanke geschaut hätte.

Kein "hundertprozentiger Beweis"

Der Vorsitzende Richter gab nach fünf Stunden kontroverser Verhandlung – in der der Angeklagte bis zuletzt auf seine Unschuld beharrte – zu, keinen „hundertprozentigen Beweis“ gegen den 25-Jährigen vorweisen zu können. Die Gesamtwürdigung aller Indizien aber reiche, sagte er: der Fundort keine zwei Meter neben dem Auto, der frische Eindruck des Beutels, dazu die Marihuana-Wahrnehmung von zwei erfahrenen Beamten. Dass ein völlig anderer bei einer anderen Kontrolle an selber Stelle diesen Beutelaus seinem Fenster geworfen haben könnte, wie der Verteidiger als Möglichkeit aufwies, hielt der Richter für abwegig.

Für abwegig hielt er es auch, dass der Angeklagte – wie er angab – schon seit Jahren mit dem Kiffen aufgehört hätte. Denn erst vor eineinhalb Jahren war der Bremer mit Gras erwischt worden. Auf seinem Handy machte die Polizei zudem Nachrichten mit szenetypischen Bestellungen aus und in seiner Bauchtasche wurden auch noch Blättchen gefunden, die üblicherweise zum Drehen von Joints verwendet werden.


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