Stuhrer zum fünften Mal vor Gericht „Kopflose Reaktion“ statt Kurzschlussreaktion

Von Ole Rosenbohm

Wegen Fahrten ohne Führerschein geriet ein Stuhrer in arge Schwierigkeiten. Symbolfoto: dpaWegen Fahrten ohne Führerschein geriet ein Stuhrer in arge Schwierigkeiten. Symbolfoto: dpa

Stuhr/Oldenburg. Auf eine komplizierte Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) muss sich ein 37-Jähriger aus Stuhr einstellen, sollte er denn irgendwann seinen Führerschein machen wollen. Bisher nämlich fuhr er oft ohne Lizenz – und wurde dafür nun zum fünften Mal verurteilt.

Bei der aktuellen Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Oldenburg musste sich der 37-Jährige für zwei Fahrten in Delmenhorst verantworten: eine im Oktober 2017 auf der Friedrich-Ebert-Allee, eine weitere sechs Monate später auf der Syker Straße – diesmal alkoholisiert (0,94 Promille) und während das Strafverfahren für die erste Tat noch lief. Verurteilt worden war der Mann vom Amtsgericht Delmenhorst dafür zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Dieses Urteilt bestätigte jetzt das Landgericht. 

Angeklagter strebt Geldstrafe an

Vor beiden Gerichten zeigte sich der Angeklagte geständig und strebte in zweiter Instanz eine Geldstrafe an. Sein wichtigstes Argument: Die zuletzt abgeurteilten Fahrten ohne Führerschein (für die er zu Haftstrafen ohne Bewährung verurteilt wurde) liegen schon zehn und zwölf Jahre zurück, die neuerlichen Vorfälle seien Ausrutscher, „Kurzschlussreaktionen“.

Alkohol wiegt in Urteilsfindung schwer

Darauf ließ sich das Gericht nicht ein. „Sie haben zwar Pause gemacht, aber eine Kurskorrektur haben Sie nicht vorgenommen“, sagte ihm der Vorsitzende. Weil es sich um zwei Taten handelte, könne er auch keine Kurzschlussreaktion erkennen, eher eine „kopflose Reaktion“. Auch der Alkohol wiegt in der Urteilsfindung schwer.

Stuhrer wird viele Fragen klären müssen

Eine Haft ohne Bewährung hatte ja bereits das Amtsgericht ausgeschlossen. Auch in diesem Punkt hielt der Richter das Urteil für richtig. Eine positive Sozialprognose konnte der Angeklagte durch seine Berufstätigkeit zweifellos vorweisen. Nun wolle er seinen Führerschein und damit endlich einen Strich machen. Angesichts der vielen Urteile und der Fahrt unter Alkoholeinfluss „an der Grenze zur absoluten Fahruntüchtigkeit“, so der Staatsanwalt, wird er für die dafür notwendige MPU aber viele Fragestellungen klären, wohl mindestens ein Jahr ohne Alkohol leben und eine Therapie vorweisen müssen.


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