Gemeinsam ins Netz Digitaliserungsprojekte für ältere Menschen in Stuhr

Von Florian Fabozzi

Wollen Senioren fit machen für das Internet (v.li.): Lilja Helms, Christine Brümmer (beide PRO DEM), Katrin Moser, Marlis Winkler (beide Diakonisches Werk Syke-Hoya). Foto: Florian FabozziWollen Senioren fit machen für das Internet (v.li.): Lilja Helms, Christine Brümmer (beide PRO DEM), Katrin Moser, Marlis Winkler (beide Diakonisches Werk Syke-Hoya). Foto: Florian Fabozzi

Stuhr. Zwei Projekte sind ins ins Leben gerufen worden, bei denen Senioren mit der Nutzung von Tablets vertraut gemacht werden sollen.

Mal eben eine Mail schreiben oder online das aktuelle Weltgeschehen verfolgen – für junge Menschen ist das etwas Alltägliches. Für die ältere Generation dagegen stellt es zuweilen eine unüberwindbare Herausforderung dar. Es mangelt ihnen an Medienkompetenz. Die Folge: „Viele fühlen sich abgehängt und drohen zu vereinsamen“, sagt Marlis Winkler, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Syke-Hoya. Aus diesem Grund hat sie im Verbund mit dem Senioren-Betreuungsverein PRO DEM zwei Projekte ins Leben gerufen, bei denen Senioren mit der Nutzung von Tablets vertraut gemacht werden sollen.

Im "Technik-Tandem" unterwegs

Beim Projekt „Technik-Tandem“ bekommen fünf technisch unerfahrene Senioren jeweils einen technikversierten Ehrenamtlichen zugewiesen, der ihnen den Umgang mit den tragbaren Computern beibringt. Das Besondere: Der „Unterricht“ findet bei den Senioren zuhause statt. „Projekte zur Digitalisierung von Älteren scheitern oft daran, dass die Senioren sich nicht so recht trauen, solche Kurse zu besuchen“, erläutert Helms. Durch die vertrauten eigenen vier Wände als Lernort bedarf es nicht mehr der Überwindung, das Haus zu verlassen.

Den Senioren müsse klar werden, dass das Internet genauso viele Chancen wie Risiken birgt. „Viele kennen nur die Gefahren des Internets“, erklärt Helms, „sie haben Angst etwas Falsches zu anklicken.“ Die Vorzüge eines handlichen Tablets – die Beschaffung von Informationen und die schnelle Kommunikation – werden oft vergessen.

Guten Draht herstellen

Um ehrenamtliche Helfer zu finden, verbreitete PRO DEM im Vorfeld einen Aufruf in ihren jeweiligen Quartieren. Die Helfer werden im September einmal wöchentlich geschult und auf die Tandempartnerschaft vorbereitet. „Dabei werden nicht nur Apps erklärt, sondern auch didaktische Kompetenzen vermittelt“, sagt Christine Brümmer, Quartiersmanagerin von PRO DEM. Den Ehrenamtlichen müsse es gelingen, einen guten Draht zu dem Partner herzustellen. Mit praktischen Übungen, wie das gegenseitige Schicken von Mails, sollen sie den Senioren kleine Erfolgserlebnisse bescheren und ihre Motivation fördern. Katrin Moser vom Diakonischen Werk sieht in dem Projekt „einen großen Schritt zur Teilhabe der Betroffenen an der Gesellschaft“. Das Projekt soll im Oktober starten und zwölf Monate andauern.

Unterstützung für Demenzkranke

Das zweite Projekt widmet sich der geistigen Gesundheit der Senioren. Es handelt sich um eine Tablet-Gruppe für Menschen mit Demenz. In den Tablets sind wissenschaftlich fundierte Programme zu Lernförderung von Senioren eingerichtet, die die „grauen Zellen wieder in Schwung bringen sollen“, sagt Lilja Helms. Zu den Apps gehören einfach zu bedienende Gedächtnis- und Konzentrationsspiele, die zum Teil auch in der Gruppe bewältigt werden können. Wichtig für dieses Projekt sei, „dass die Teilnehmer eine Eigenmotivation mitbringen und nicht von Angehörigen zur Teilnahme gezwungen werden.“ Um die Eignung und die Motivation der potentiellen Teilnehmer an diesem Projekt zu ermitteln, werden vorher Beratungsgespräche angeboten. „Wir müssen uns selbst ein Bild von den Personen machen“, erklärt Helms. Das Projekt soll Mitte bis Ende August beginnen und von zwei ehrenamtlichen Helfern betreut werden. Die Treffen sollen regelmäßig am Donnerstagnachmittag stattfinden.

Beide Projekte wurden vom niedersächsischen Dachverband der Diakonie ermöglicht. Diese stellten dem Diakonischen Werk Syke-Hoya und PRO DEM für Beschaffung von 18 Tablets 10 000 Euro zur Verfügung. Die Projekte sind zunächst auf ein Jahr befristet, danach soll Bilanz gezogen werden. „Vergleichbares gibt es in Stuhr bisher noch nicht“, betont Helms, „es wird spannend sein, zu sehen, wie das Angebot angenommen wird.“


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