Aluminium-Grenzwert in Stuhr gerissen Grundwasserverunreinigung: Verein kritisiert Massentierhaltung

Untersuchen Grundwasserproben: Milan Toups (Bundesfreiwilliger, li.) und Harald Gülzow (Projektleiter) vom Verein VSR-Gewässerschutz prüfen Brunnenwasser. Foto: Gerhard SeyberUntersuchen Grundwasserproben: Milan Toups (Bundesfreiwilliger, li.) und Harald Gülzow (Projektleiter) vom Verein VSR-Gewässerschutz prüfen Brunnenwasser. Foto: Gerhard Seyber

Stuhr. Im Raum Stuhr/Weyhe haben Gewässerschützer erhöhte Aluminiumwerte gemessen. Schuld sei die Massentierhaltung. Der Verein VSR-Gewässerschutz fordert neue Gülle-Verordnungen.

Der Verein VSR-Gewässerschutz hat im Raum Stuhr/ Weyhe erhöhte Aluminiumkonzentrationen im Brunnenwasser festgestellt. Ursache ist seinen Angaben nach die Massentierhaltung.

Die Untersuchungen, auf die sich der VSR-Gewässerschutz bezieht, fanden laut Mitteilung schon im vergangenen Mai statt. Dabei wurden aus verschiedenen privat genutzten Brunnen im Raum Stuhr und Weyhe Proben genommen. Dabei stellte der Verein wiederholte Verstößte gegen den Aluminium-Grenzwert fest, teilt der Sprecher Physiker Harald Gülzow mit. Dieser liege gemäß der Trinkwasserverordnung für Aluminium von bei 0,2 Milligramm pro Liter (mg/l). „Die höchste festgestellte Aluminiumkonzentrationen lag im Wasser eines Brunnens in Leeste mit 4,50 Milligram pro Liter.“ Weitere hohe Aluminiumwerte fanden die Gewässerschützer auch in Melchiorshausen (0,40 mg/l) und in Lahausen (0,65 mg/l). Auf Nachfrage sagt Gülzow, dass überhöhte Aluminium-Werte auch auf den Gemeindebereich Stuhr zutreffen.

"Wasser wird immer saurer"

Nach Angaben des Gewässerschutzvereins kommt Aluminium überall im Boden vor. Es werde aber nur in einem stark sauren Grundwasser gelöst. Der VSR-Gewässerschutz stellte bei seinen Messungen in 90 Prozent der Proben PH-Werte unter dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 6,5 fest. „Jede dritte Probe lag sogar im Bereich unter 5,5, bei dem das Aluminium gelöst wird. Das Wasser im Untergrund wird immer saurer“, bilanziert der Verein.

Die Hauptursache sieht der VSR-Gewässerschutz in der hohen Dichte an Massentierhaltungen in Niedersachsen, „wo extreme Mengen an Ammoniak anfallen“. Diese entstünden, wenn sich Urin (Harnstoff) oder Eiweiß in den Exkrementen der Nutztiere zersetzen. Wird die Gülle auf die Felder ausgebracht, werde auf diese Weise auch das in der Luft freigesetzt. „Von dort kommt es durch den Regen wieder auf die Böden und ins Grundwasser“, teilt der Verein mit.

Verein warnt vor Gefahr für Fische und Pflanzen

Hohe Aluminiumkonzentrationen im sauren Grundwasser können den Angaben zufolge auch Folgen für die Gartennutzung haben: Denn saures Grundwasser sei nur eingeschränkt zum Gießen geeignet. „Bei vielen Pflanzen führt die Aufnahme von größeren Mengen Aluminium zu Schäden. In Teichen wirken bereits geringe Aluminiumkonzentrationen auf Fische giftig.“ Besonderes betroffen seien zum Beispiel schlüpfende Fische. Der Verein warnt darum davor, belastetes Brunnenwasser in Fisch- und Gartenteiche einzuleiten.

Der VSR-Gewässerschutz fordert auch vor diesem Hintergrund erstens: strengere Verordnungen zum effektiveren Ausbringen von Gülle auf Feldern, um die Ammoniak-Ausbreitung einzudämmen. Und zweitens: Bei der Genehmigung von Massentierhaltungen muss auch die Belastung des Grundwassers mit betrachtet werden. In Regionen mit saurem Grundwasser dürften keine zusätzlichen Betriebe genehmigt werden. „Der einzelne Gartenbesitzer hat ein Recht auf geeignetes Wasser aus seinem Brunnen.“


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