Delmenhorst einst Stadt der Mode Abriss weckt wehmütige Erinnerungen an Delmod

Von Dirk Hamm


Delmenhorst. Delmenhorst war einst ein wichtiger Standort der Bekleidungsindustrie. Prägender Name der Blütezeit nach dem Krieg war die Firma Delmod.

Unerbittlich verrichten die Abrissbagger ihre Arbeit, Stück für Stück werden die letzten Gebäudereste dem Erdboden gleichgemacht. Wo jetzt an der Brauenkamper Straße nur noch Trümmer und Schutt übrig geblieben sind, erstreckte sich einst der Gebäudekomplex mit dem Verwaltungstrakt und den Produktionsstätten des Moderiesen Delmod – ein Unternehmen, das über viele Jahre den Ruf Delmenhorsts als bedeutender Standort der Bekleidungsindustrie wesentlich mitprägte. Auch Namen wie Lamod oder Oggi, beide Tochterfirmen von Delmod, kommen älteren Delmenhorstern in den Sinn.

Blütezeit hautnah erlebt

Gunter David hat die Blütezeit der Modeproduktion in der Delmestadt hautnah erlebt. Von 1965 bis 1971 war der Delmenhorster Werbeleiter bei Delmod. Wehmut überkomme ihn, sagt er, wenn er jetzt sehe, wie die letzten sichtbaren Überreste seines alten Arbeitgebers verschwinden. Jetzt bleibe in Deichhorst nur noch die nach dem Unternehmen benannte Delmodstraße als Erinnerung an die große Zeit der Mode „made in Delmenhorst“ übrig.

Delmod-Relikte im Stadtmuseum

Doch zumindest museal bleibt das Erbe des bedeutenden Modeherstellers erhalten. Ehemalige Mitarbeiter aus der hiesigen Bekleidungsindustrie, darunter David, hatten vor Jahren einen Gesprächskreis im Nordwestdeutschen Museum für Industriekultur gebildet, viele Materialen und Erinnerungsstücke wurden zusammengetragen und in einer Ausstellung im Fabrikmuseum im Jahr 2015 der Öffentlichkeit präsentiert. Im Stadtmuseum ist inzwischen ein multimedialer Ausstellungsbereich der Delmod-Geschichte gewidmet.

Firmengründer kam aus Berlin

Alles hat noch ziemlich klein angefangen, als der Berliner Textilkaufmann Willi Bürgel nach dem Krieg sein geschäftliches Glück in Delmenhorst suchte und 1946 die Firma Hanse-Kleidung gründete. Das klingt bei Weitem nicht so mondän wie „delmod international“, die gefragte Marke, die dem ganzen Unternehmen ab 1967 ihren Namen verlieh.

Anfangs wurde Kinder- und Damenkleidung aus alten Militärdecken gefertigt. Ab den frühen 1950er Jahren spezialisierte sich die Firma dann auf Damenmode, in den folgenden Jahren wuchs sie zu einem der größten europäischen Bekleidungshersteller heran.

Niedergang nicht mehr erlebt

Willi Bürgel starb im Jahr 1989 und erlebte den Niedergang seiner Firma nicht mehr mit. 2007 übernahm ein Investor Delmod. Zwei Jahre später wurde Insolvenzantrag gestellt. Die meisten der 220 Beschäftigten wurden freigestellt. Im Dezember 2009 war Delmod Geschichte. Bereits 1987 war für Oggi und 2003 für Lamod das Aus gekommen.

Unternehmenslenker alter Prägung

Der Name Willi Bürgel weckt bei Gunter David positive Erinnerungen. Ein Firmenchef alter Prägung sei er gewesen, er habe ihn für sein ganzes Berufsleben geprägt. Frisch von der Textilfachschule gekommen, fand sich David in einem großen Industrieunternehmen wieder, als Assistent des Einkäufers für Oberstoffe. David erinnert sich: „Nach drei Monaten hat er mir die Leitung der Werbeabteilung angeboten. Meinen Einwand, das sei nicht mein Schwerpunktwissen, ließ er nicht gelten. Er sagte: Lassen Sie das meine Sorge sein, sie können das.“


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