Aufklärung über falsche Polizisten Dreiste Abzocke bringt Ältere um ihr Erspartes

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Übler Trick am Telefon: Die Fälle des Betrugs mittels vorgeblicher Polizisten nehmen zu. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpaÜbler Trick am Telefon: Die Fälle des Betrugs mittels vorgeblicher Polizisten nehmen zu. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Stuhr/Delmenhorst. Der vermeintliche Polizist am Telefon bringt zunehmend ältere Menschen um ihr Erspartes. Die Polizei setzt verstärkt auf Aufklärung über diese dreiste Form des Trickbetrugs.

Sie nutzen den guten Ruf der Polizei schamlos aus und versuchen, sich als vermeintliche Ordnungshüter bei gutgläubigen Menschen in den Besitz von Geld und Wertsachen zu bringen: Neben dem sogenannten Enkeltrick wenden Betrüger immer wieder auch die Masche des vermeintlichen Polizisten an, der seine Opfer etwa vor einem angeblich geplanten Einbruch warnt und anbietet, deren Wertsachen „in Sicherheit“ zu bringen.

Opfer unter den Älteren ausgesucht

Das Präventionsteam der Polizeiinspektion Diepholz, die unter anderem für die Gemeinde Stuhr zuständig ist, möchte jetzt die von den Tätern als Zielgruppe bevorzugt angegangene ältere Generation mit einer Aufklärungskampagne auf diese Form des Trickbetrugs aufmerksam machen. „Für uns war die Frage, wo erreichen wir die Generation 60+?“, sagt Polizeioberkommissarin Jutta Stricker vom Präventionsteam.

Polizei versendet Informationsbriefe

Die Lösung sei in Form von mehr als 220 Briefen gefunden worden, die in diesen Tagen unter anderem in Stuhr an alle Allgemeinmediziner, Apotheker, Tagespflegeeinrichtungen, ambulanten Pflegedienste und die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden herausgehen. In diesen Briefen befinden sich laut Stricker neben einem Anschreiben ein frisch entworfener Flyer und ein Exemplar der Informationsbroschüre „Sicher leben“, in der explizit die Vorgehensweise des „falschen Polizeibeamten“ erklärt wird.

Zahl der Fälle nimmt zu

Auch in Delmenhorst beschäftigt diese dreiste Form der Abzocke zunehmend die Polizei. Das ist bereits im Frühjahr bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für das Jahr 2017 deutlich geworden. Oliver Lenz, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, schilderte die auch den Kollegen in der Polizeiinspektion Diepholz nur zu vertraute Masche: „Der Anrufer gibt beispielsweise an, dass ein bestimmter Notfall vorliegt und dass der Angerufene darum Bargeld zur Abholung bereitzulegen habe.“

Später hole ein Mittelsmann die Summe ab und zeige dabei mitunter einen gefälschten Polizeiausweis. „In einigen Fällen wird sogar das Ersparte von der Bank abgehoben, weil der ‚Polizist‘ am Telefon den Bankmitarbeiter als zur Betrügerbande zugehörig benennt“, erläutert Jutta Stricker.

Simple technische Manipulation

Misstrauen löse dieses Vorgehen bei den Angerufenen nicht immer aus, schließlich werde auf dem Telefondisplay die vertraute Nummer 110 oder die Nummer der örtlichen Polizeidienststelle angezeigt. Das sei mit einer simplen technischen Manipulation möglich, erklärt die Oberkommissarin.

Umso wichtiger ist aus Sicht der Polizei eine stetig wiederkehrende Aufklärung. Stricker betont, dass auch jüngere Angehörige davon wissen müssen, um mit der älteren Generation ins Gespräch zu kommen.


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