Baustelle auf A1 Unfallserie hält Feuerwehren in Stuhr und Harpstedt in Atem

Von Marco Julius

Bei Einsätzen im Baustellenbereich der A1 ist Drehleiter der Feuerwehr Brinkum dabei. Foto: Archiv/FeuerwehrBei Einsätzen im Baustellenbereich der A1 ist Drehleiter der Feuerwehr Brinkum dabei. Foto: Archiv/Feuerwehr

juls/dham Stuhr/Harpstedt. Immer öfter rücken Freiwillige Feuerwehren aus, weil es im Bereich der Dauerbaustelle der A1 kracht. Mitunter geraten die Helfer an ihre Grenzen.

Die Dauerbaustelle auf der A1 wird zunehmend zur Belastungsprobe für die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren. Allein die Feuerwehren Brinkum und Groß Mackenstedt sind in diesem Jahr bereits zu 30 Unfällen im Baustellenbereich ausgerückt. Im kompletten Jahr 2017 waren es 40 Einsätze. „Wir hatten in diesem Jahr eine Woche, in der wir insgesamt acht Mal ausrücken mussten. Da geht man dann schon auf dem Zahnfleisch und an die Belastungsgrenze“, sagt Christian Tümena, Gemeindesprecher der Stuhrer Feuerwehren. „Das gilt natürlich besonders dann, wenn es, wie in diesem Jahr bereits zweimal, zu tödlichen Unfällen kommt oder Schwerstverletzte geborgen werden müssen“, betont Tümena. Da komme die psychische Belastung ins Spiel. Er spricht aber auch von beglückenden Momenten, wenn klar werde, dass man helfen konnte und Schlimmeres verhindert hat.

Motivation hoch

Bei aller Belastung sei die Motivation der Kameraden zudem noch immer hoch. „Wenn wir zur A1 gerufen werden, dann werden wir dort gebraucht, dann ist jemand in Not. Das ist Motivation genug“, verdeutlicht Tümena. Schwieriger sei es, wenn man zum wiederholten Male vergeblich ausrückt, weil eine Brandmeldeanlage fälschlicherweise anschlägt. „Werden wir zur A1 gerufen, ist das zu 95 Prozent kein Fehlalarm“, sagt Tümena.

Konzept hat sich bewährt

Ähnliches berichtet auch Christian Bahrs, Pressesprecher der Samtgemeindefeuerwehr Harpstedt. Zwar seien die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren Harpstedt und Groß Ippener, in deren Bereich die Baustelle auf der A1 fällt, in diesem Jahr erst zu sieben Einsätzen an der Autobahn ausgerückt, genauso oft wie im kompletten Vorjahr, doch auch er führt die psychische Belastung an, die bei besonders schweren Unfällen hinzukomme. Die Motivation der Kameraden sei aber auch in Harpstedt sehr hoch. „Zur Feuerwehr geht man, weil man helfen möchte“, sagt Bahrs.

Thümena weist darauf hin, dass sich bei der Vielzahl der Unfälle auf der A1 das 2016 aufgelegte Konzept für die Rettungseinsätze bewährt habe. „Der Baustellenbereich erschwert schon aus Platzgründen unsere Einsätze. Darauf haben wir uns früh eingestellt, um sicherzugehen, dass wir jeden Unfallort schnell erreichen.“

Beide Feuerwehrsprecher geben an, dass es bislang noch keine Klagen seitens der Arbeitgeber gebe, weil sie ihre bei den Freiwilligen Feuerwehren aktiven Angestellten oft freistellen müssen. „Sicher kann es da mal zu Missstimmungen kommen“, sagt Bahrs. Größere Probleme sieht er jedoch nicht.

Für kleinere Unternehmen ist es schwierig

Wenn Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr häufiger zur technischen Hilfestellung nach Unfällen auf der A1 ausrücken müssen, bedeutet das aber vermehrte Ausfallzeiten bei den jeweiligen Arbeitgebern. Henning Sittauer kennt diese Situation aus beiden Perspektiven: Der Leiter der Kreissparkassenfiliale in Alt-Stuhr und Vorstandsmitglied bei der Interessengemeinschaft Stuhrer Unternehmen rückt als langjähriges Mitglied der Ortswehr Groß Mackenstedt immer wieder selbst zu Einsätzen auf der Autobahn aus. „Insbesondere für kleine Unternehmen ist es schwierig, wenn ein Mitarbeiter drei oder vier Stunden während der Arbeitszeit fehlt. Gerade, wenn ein Auftrag fristgerecht fertiggestellt werden muss“, sagt Sittauer.

Gesetz regelt die Einsätze

Auch unter den Beschäftigten der Gemeinde Stuhr befinden sich nach Angaben von Hartmut Martens, für das Feuerwehrwesen zuständiger Fachbereichsleiter im Rathaus, mehrere aktive Feuerwehrleute. „Wir bekommen das bei Einsätzen am Tag mit unseren Arbeitsabläufen hin, das reißt keine unauffüllbaren Lücken“, sagt Martens. Auf Nachfrage weist der Fachbereichsleiter darauf hin, dass Arbeitgeber gemäß dem Niedersächsischen Brandschutzgesetz verpflichtet sind, ihre Mitarbeiter für Einsätze der Feuerwehr freizustellen – inklusive einer „notwendigen Pufferzeit“, so Martens. Arbeitgeber müssen laut Gesetz das volle Arbeitsentgelt zahlen, auf Antrag erhalten private Arbeitgeber eine entsprechende Erstattung von der Gemeinde.


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