Der Faktor Kunstrasen Wie Wetter und Kunstrasenplätze die Spielpläne verschieben

Von Daniel Niebuhr

In Brake lag einst der erste Kunstrasen Deutschlands. Auch auf dem erneuerten Belag besteht aber Stolpergefahr, wie der VfL Wildeshausen in dieser Saison erlebte.Foto: Daniel NiebuhrIn Brake lag einst der erste Kunstrasen Deutschlands. Auch auf dem erneuerten Belag besteht aber Stolpergefahr, wie der VfL Wildeshausen in dieser Saison erlebte.Foto: Daniel Niebuhr

Landkreis. Fußball-Vereine mit Kunstrasen sind im Spätherbst klar im Vorteil – und werden manchmal sogar mit Bonus-Heimspielen belohnt. In Bezirks- und Kreisliga sorgt das für krumme Spielpläne – und für wachsenden Unmut.

Es ist eine absolute Seltenheit, dass der Trainer Thomas Baake mal keine besondere Lust auf ein Fußballspiel hat. Eigentlich brennt der Stenumer für seinen VfL, am vergangenen Sonntag klang er allerdings, als würde er in der Bezirksliga lieber in die Weihnachtsferien gehen als am Samstag auf dem Kunstrasen des VfB Oldenburg II anzutreten. Ein kniffliger Gegner, die eigene Mannschaft schwächelt, dazu der ungeliebte Boden – „da müssen wir uns irgendwie in die Winterpause retten“, meinte er.

Kreisteams mit nur einem Kunstrasen-Sieg 2017

Immerhin wird die stattliche Liste der Nachholspiele für den VfL nicht noch länger, denn auf dem Oldenbuger Allwetterplatz kann das ganze Jahr hindurch gespielt werden. Die Frage ist nur, ob das für die Teams aus der Region generell eine gute Nachricht ist. Wenn Bezirksligisten aus dem Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst mal auf Kunstrasen kicken, nimmt das nämlich selten ein gutes Ende: Bei elf Chancen im Jahr 2017 gab es nur einen Sieg. Zuletzt verlor Tabellenführer VfL Wildeshausen 0:1 auf dem Teppich des TSV Abbehausen, und Trainer Marcel Bragula stöhnte genervt: „Der Boden macht uns riesige Probleme. Passspiel funktioniert hier nicht.“ Auf Gras hat sein Team alle 13 Spiele gewonnen, auf künstlichem Geläuf von den letzten sechs kein einziges.

Das sollte aber niemanden ernsthaft verwundern, schließlich hat keiner der fünf Kreis-Clubs oberhalb der Kreisliga einen eigenen Kunstrasen. In der gesamten Bezirksliga gibt es vier punktspielfähige Anlagen; wer regelmäßig darauf trainieren und spielen kann, ist im Herbst und Winter klar im Vorteil. Zuletzt fand im Poligrasstadion des SV Brake sogar eine Partie statt, die Bezirksligageschichte schrieb. Das 1:0 des Tabellenzweiten gegen Blau-Weiß Bümmerstede zum Rückrundenstart war historisch, weil schon das Hinspiel dort stattgefunden hatte. Weil die Bümmersteder Plätze gesperrt waren, wurde das Spiel zu den Brakern verlegt, die so ein Bonus-Heimspiel bekamen.

Bonus-Heimspiel könnte sich wiederholen

Erstmals wird damit ein Bezirksligist am Ende der Saison zwei Spiele mehr zuhause als auswärts ausgetragen haben – mindestens, denn Staffelleiter Frank Schulte kann sich dieses Modell noch öfter vorstellen. „Ich befürworte das. Lieber ein Spiel woanders spielen, als es ausfallen zu lassen. Die Spielordnung gibt das her“, sagt er, bekennt allerdings, „dass es extrem ungewöhnlich ist“. Bragula, dessen Wildeshauser sich im Titelrennen mit Brake befinden, findet die Aktion eher extrem ärgerlich – und wettbewerbsverzerrend: „Ich weiß nicht, ob das erlaubt sein sollte.“

Überhaupt werden die Spielpläne vom Wetter und den nicht flächendeckend verfügbaren Kunstrasenplätzen stark durcheinandergebracht. Für Stenum sind bereits drei Partien ausgefallen, der mit Kunstrasen gesegnete Samstags-Gegner Oldenburg hat dagegen noch kein Nachholspiel aufgebaut. „Die Tabelle ist krumm, manche haben vier Spiele weniger als andere“, klagt Baake. So käme man in keinen Rhythmus, „stattdessen kicken wir im Frühjahr in der Woche und an Feiertagen. Das nervt.“

Wildeshauser Plätze bis Jahresende gesperrt

Auf Kreisebene sieht es nicht anders aus. Dem FC Huntlosen und dem TSV Großenkneten steht ein entspannter Start ins Fußball-Jahr 2018 bevor: Die einzigen Vereine mit bespielbaren Kunststoffanlagen haben 18 beziehungsweise 17 Spiele absolviert, der TV Jahn Delmenhorst, der Ahlhorner SV und der SV Achternmeer nur 14. Sie können sich damit trösten, dass sie im zweiten Teil der Saison immerhin oft zuhause spielen dürfen, Huntlosen hat dagegen schon zehn von 15 Heimspielen ausgetragen.

Auf absehbare Zeit wird man mit unrunden Spielplänen aber leben müssen, Im Frühjahr 2018 wird der neue Platz des FC Hude fertig, ansonsten tut sich wenig. In Delmenhorst durchläuft das Thema die Ausschüsse in Endlosschleife, in Wardenburg wurde ein Vorstoß des VfR im Juni aufgeschoben – obwohl Ehrenvorsitzender Willi Schütte vorrechnete, dass Allwetterplätze 2000 Stunden im Jahr bespielbar seien, Naturrasen aber nur 800. In Wildeshausen wirbt Bragula vergeblich für einen Kunstrasen – er hat seit Mittwoch aber ein Argument mehr. Die Plätze im Krandelstadion sind bis Jahresende gesperrt worden, „um langfristige Schäden zu vermeiden“, wie Verwalter Wolfgang Sasse mitteilen ließ. Das Heimspiel gegen Frisia Wilhelmshaven am Sonntag an die Jade zu verlegen, ist keine Option – Frisia hat ja auch keinen Kunstrasen.