Treffen der Meister von 1975 und 1976 Legenden des SV Atlas sehen sich nach über 40 Jahren wieder

Von Klaus Erdmann


Delmenhorst. Ehemalige Fußballer der Erfolgsteams des SV Atlas Delmenhorst der Spielzeiten 1974/75 und 75/76 schwelgen bei einem Treffen in Erinnerungen. Sie waren damals erst in die Landes- und dann in die Oberliga aufgestiegen. Die Organisatoren Rainer Struckmann und Bert Drewes begrüßen 20 Ehemalige und erhalten viel Lob.

„Du hast dich ja gar nicht verändert.“ „Du siehst heute besser aus als vor 40 Jahren.“ Natürlich blühte der Flachs kräftig, als ehemalige Aufstiegshelden des SV Atlas, denen 1974/75 beziehungsweise 75/76 der Sprung zunächst in die Fußball-Landes- und anschließend in die -Oberliga gelang, am Samstag ein Wiedersehen feierten. Aber es handelte sich auch um ein emotionales Klassentreffen – kein Wunder, denn die Legenden hatten einander teilweise seit rund 40 Jahren nicht gesehen.

Ex-Spieler Rainer Struckmann und Bert Drewes (Fanclub Blau-Gelb Reloaded), die die Zusammenkunft mit Unterstützung von Mitstreitern wie Peter Kupka (Statistik) und Kevin Drewes (präsentierte Exponate aus dem Museum) organisiert hatten, ernteten viel Lob. Sie empfingen 20 Ehemalige.

Dank vom Atlas-Vorstand

Das Treffen der Legenden begann mittags im und vor dem Düsternorter Restaurant „Costa Smeralda“, wo die Protagonisten sich begrüßten und zu einem von vielen Gesprächen begleiteten Mittagessen zusammenkamen. „Die Vorbereitung hat Zeit und Mühen gekostet. Ich freue mich, dass ihr gekommen seid“, betonte Struckmann, der die Gäste ebenso willkommen hieß wie Bastian Ernst. Er bedankte sich in Anwesenheit seiner Atlas-Vorstandskollegen Bastian Fuhrken und Tammo Renken bei den Organisatoren und sagte: „Wir vom Verein bedanken uns für die Erfolge. Wir bauen auf diese sportlichen Leistungen auf und zehren davon.“

Mit dem Wiederkennen war es bei einigen Altstars so eine Sache. Die meisten gaben an, sie hätten sofort gewusst, bei wem es sich bei ihrem Gegenüber gehandelt habe. Einige gaben zu, nicht sofort im Bilde gewesen zu sein. „Ich habe nicht alle auf den ersten Blick, aber dann an den Stimmen erkannt“, sagte Peter Theis, der seinerzeit als Manager die Fäden zog.

„Das 4:3 in Altona, durch das wir in die Oberliga aufgestiegen sind“, lautete die häufigste Antwort, wenn man die Legenden nach ihrem persönlichen Highlight fragte. Gleich einem roten Faden zog sich jedoch der hervorragende Teamgeist, eine Basis der Erfolge, durch die Rückblicke.

Autogramm für den guten Zweck: Rainer Struckmann unterzeichnete ein Plakat, das zugunsten von Stars4Kids versteigert wurde. Foto: Rolf Tobis

„Es war eine tolle Truppe“

„Es war eine schöne Zeit“, unterstrich der ehemalige Werderaner Bernd Schmidt, der Fotos mitgebracht hatte. Günter Bernard, der zunächst als Spieler und dann als (Aufstiegs-)Trainer für den SVA tätig war, sagte mit einem Lächeln: „Es war eine tolle Truppe. Es herrschte eine tolle Kameradschaft und die Arbeit hat viel Spaß gemacht.“ Er habe es nie bereut, dass er nach seiner Karriere bei Werder zu Atlas gewechselt sei, ergänzte Bernard, mit beinahe 78 Jahren ältester Teilnehmer.

„Ich habe fünf Jahre lang hier gespielt und es war die schönste Zeit während meiner Laufbahn. Es hat schon Spaß gemacht, zum Training zu kommen“, erklärte Rudi Trumpfheller. „Es war ein toller Haufen“, schwärmte Heinz-Dieter Hasebrink, ebenfalls vor seiner Atlas-Zeit eine Werder-Größe. „Es hat alles gepasst, vor allem menschlich“, meinte Edgar Nobs, der in Wolfsburg lebt. Der aus Bad Oldesloe angereiste Heiner Radbruch betonte: „Die fünf Jahre bei Atlas waren meine beste Zeit. Wir waren eine gute Gemeinschaft und haben viel erreicht.“

Apropos Radbruch: Der ehemalige Torjäger verriet, dass seine Frau früher alle Zeitungsberichte über ihn gesammelt habe. Diese befänden sich in Ordnern, die er nach Delmenhorst mitgebracht habe. Einer von mehreren Belegen dafür, dass die Gäste sich auf dieses Treffen gefreut (und vorbereitet) hatten.

Nach dem Mittagessen ging es ins benachbarte Stadion, wo die von Tammo Renken mit Schals ausgestatteten Legenden das 0:0 ihrer Nachfolger gegen Uphusen verfolgten. Zuvor wurden sie von Sprecher Heinz Bußmann begrüßt.

Viele Anekdoten

Den krönenden Abschluss des Tages bildeten gesellige Stunden im Hotel Thomsen, in dem sich die Ex-Fußballer bereits in den 70er Jahren getroffen hatten. Zeit für Anekdoten. So wurde eine Vertragsverhandlung in Erinnerung gerufen, die mit einem Spieler einst in einer Besenkammer des Hotels geführt wurde. Und: Bestätigten Berichten zufolge hatte ein anderer Spieler seinerzeit angekündigt, im Falle des Aufstiegs um das Hotel zu laufen – nackt. Er löste das Versprechen ein.

Im Stadion wurden mit Autogrammen der damaligen und heutigen Spieler versehene Plakate zugunsten von Stars4Kids versteigert. Während der Feier bei Thomsen rundeten die Teilnehmer die Summe auf knapp 400 Euro auf. „Das Treffen war einmalig“, sagte Drewes. „Es gab bewegende Momente und ich hatte einige Male Gänsehaut. Wir denken über eine Wiederholung nach.“

Folgende Legenden beteiligten sich am Klassentreffen: Heinz-Dieter Hasebrink, Edgar Nobs, Rudi Trumpfheller, Günter Bernard, Detlef Funke, Rainer Struckmann, Kurt Segelken, Reinhard Stemmler, Wolfgang Hebenstreit, Bernd Mertens, Hannes Scherff, Peter Grunow, Heiner Radbruch, Heinz Allhorn, Bernd Schmidt, Fred Schnabl, Hans-Dieter „Bubi“ Bentrup, Peter Theis, Co-Trainer Dieter „Max“ Knorr und Masseur Sudin Das. Es fehlte Detlef Garmhausen (erkrankt).


Die Atlas-Legenden

Anlässlich des Treffens der Atlas-Legenden, die maßgeblich Anteil an den Meisterschaften und Aufstiegen in den Spielzeiten 1974/75 und 75/76 besaßen, hat Peter Kupka, einer der Sprecher des Fanclubs Blau-Gelb Reloaded, zahlreiche Informationen zusammengetragen. Wir veröffentlichen einige Auszüge aus seiner umfangreichen und interessanten Übersicht.

1974/75gelang den Delmenhorstern der Sprung in die Landesliga. Das Aufgebot: Jielg 30 Einsätze/4 Tore, Ahlers 30/4, Trumpfheller 29/19, Funke 29/4, Hasebrink 29/15, Scherff 29/37, Klatte 27/0, Peuser 24/1, Bernard 21/0, Ihns 20/7, Stemmler 20/0, Hebenstreit 15/0, Sommer 15/3, U. Meyer 14/4, Grunow 10, Syma 7/0, Bentrup 5/0, Mertens 4/0, Garmhausen 2/0, Hinz 1/0, Raffke 1/0, Stakus 1/0, Boelke 1/0, Eybe 1/1.

1975/76 feierte der SVA den Aufstieg in die Oberliga. Der Kader: Trumpfheller 30/3, Hasebrink 29/27, Ahlers 28/4, Blaschek 26/1, Klatte 25/1, Funke 25/2, Segelken 25/1, Bartosewicz, 23/1, B. Schmidt 23/6, Selke 23/10, Allhorn 16/0, Grunow 15/0, Mertens 13/0, Welp 13/2, Nobs 11/2, Radbruch 9/7, Jielg 6/1, Schnabl 5/1, Garmhausen 3/0, Stakus 2/0, Struckmann 2/1, Lohmann 1/0, Ruhe 1/0, Wöhler 1/0 und Hebenstreit 1/0.

Einige dieser Spieler trugen vor oder nach ihrer Atlas-Zeit das Trikot von Bundes- oder Zweitligisten. Einige Beispiele:

Günter Bernard, der als Torwart und Trainer in Diensten des SVA stand, gehörte dem Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft an, die 1966 in England Vizeweltmeister wurde. Er kam fünfmal für die DFB-Auswahl zum Einsatz und bestritt 287 Bundesligaspiele für den SV Werder Bremen.

Heinz-Dieter „Hase“ Hasebrink brachte es für Rot-Weiß Essen, den 1. FC Kaiserslautern und Werder auf 199 Bundesligaspiele und 42 Tore. Bei Bernd Schmidt stehen 150 Bundesligaspiele für die Werderaner zu Buche (elf Tore). Edgar Nobs (fünf Bundesliga-Nominierungen) und Günter Selke (zwei) kamen für den Hamburger SV zum Einsatz. Heiner Radbruch vertrat die HSV-Farben einmal im Europapokal.

Rudi Trumpfheller, der seine Laufbahn beim SSV und FC Roland begann, unterschrieb 1968 einen Profivertrag beim FC Schalke 04. 1969 verletzte er sich so schwer, dass er ein Jahr lang weder spielen noch trainieren konnte. Nachdem er seine Verletzung überwunden hatte, spielte er für Werder Bremens Amateure, den Blumenthaler SV und den SV Atlas.