Ausnahme-Sportler verstorben Trauer um Delmenhorster Sport-Botschafter Julius Müller

Von Klaus Erdmann

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Julius Müller (†). Foto: Rolf TobisJulius Müller (†). Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Der Delmenhorster Ausnahme-Geher Julius Müller ist im Alter von 78 Jahren verstorben. Er war Teilnehmer an zwei Olympischen Spielen und sammelte 16 Deutsche Meisterschaften.

Julius Müller lebt nicht mehr. Der sehr erfolgreiche Sportler, der als Geher viele Erfolge gesammelt und den Namen Delmenhorst in die Welt getragen hat, der auch außerhalb der Stadien Freunde gewonnen und als Menschenfreund viele Sympathien auf sich vereinigt hat, ist in der Nacht zum Dienstag im Krankenhaus verstorben. Müller ist 78 Jahre alt geworden.

„Das ist doch der Geher“, sagten die Leute, die ihn nicht so gut kannten. Keine Frage: Durch Müller, den 1,90-Meter-Mann, interessierten sich viele Menschen für diesen Sport. Er hat während seiner aktiven Zeit einer Sportart zu Popularität verholfen, die auf der Beliebtheitsskala einen hinteren Rang einnimmt.

Zweimal bei Olympia

Der Ausnahme-Geher nahm an zwei Olympischen Spielen teil: 1968 in Mexiko als Aktiver, 1994 in Atlanta als Trainer. Müller, der für den Delmenhorster Turnverein, Adelheider TV, Eintracht Frankfurt, SV Werder Bremen und „seinen“ Hamburger SV startete, sammelte als Solist und mit Mannschaften 16 deutsche Meistertitel, vertrat Deutschland bei 18 Länderkämpfen und stellte neun deutsche Rekorde auf.

Die Liebe zu seiner Sportart teilte Müller mit der italienischen Ehefrau Eliana, mit der er fast 54 Jahre lang verheiratet war, und mit den Kindern Stefan, Carlo und Roberta – allesamt erfolgreiche Gehsportler. Die Liebe zu seiner Sportart führte dazu, dass der frühere Fuhrunternehmer und inoffizielle Delmenhorster Sport-Botschafter Städtewettkämpfe in der City veranstaltete. Die Liebe zu seiner Sportart bescherte ihm interessante Reisen, Treffen mit Prominenten aus Sport, Kirche und Politik und langjährige Freundschaften.

Warmherziger Mensch mit vielen Freunden

Wolfgang Mischnick, den ehemaligen FDP-Minister und -Fraktionsvorsitzenden, nannte Müller einen „guten Freund“. Mit Uwe Seeler hat Müller geplaudert. Er hielt Kontakt zu Giulio Andreotti (der Mann war siebenmal italienischer Ministerpräsident) und als junger Mann hat er Papst Paul VI. die Hand geschüttelt. Natürlich kommen da sehr viele kleine und große Geschichten zusammen. Der große Mann mit dem großen Herzen hat sie bei Gesprächen in der gemütlichen Wohnung der Müllers erzählt – gerne, oft mit einem Augenzwinkern.

Seit vielen Jahren kämpfte Müller mit Krankheiten und erwies sich als Stehaufmann. Er besuchte im Stadion Spiele der Fußballerinnen des TV Jahn, bei denen sein Neffe Claus-Dieter Meier als Trainer arbeitet. So wurde Müller auf Flüchtlinge aufmerksam, die im Stadionwohnheim untergebracht waren. Bei nächster Gelegenheit machte er ihnen Geschenke und erzählte dann beinahe nebenbei und mit leuchtenden Augen von den leuchtenden Augen der Flüchtlingskinder.

Delmenhorst hat einen herausragenden Sportler und einen warmherzigen Menschen verloren. Der Geher Julius Müller ist von uns gegangen. Für immer.


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