2. Frauen-Bundesliga TV Jahn Delmenhorst schreibt Geschichte

Von Klaus Erdmann

Jubelnde Außenseiterinnen: Mit dem 4:3 über Herford gelang Jahns Frauen der erste Sieg eines Delmenhorster Bundesliga-Teams. Foto Rolf TobisJubelnde Außenseiterinnen: Mit dem 4:3 über Herford gelang Jahns Frauen der erste Sieg eines Delmenhorster Bundesliga-Teams. Foto Rolf Tobis

Delmenhorst. Die Fußballerinnen des TV Jahn Delmenhorst haben mit ihrem 4:3 gegen Herford den ersten Sieg eines Delmenhorster Bundesliga-Teams erreicht. Vier Punkte aus zwei Spielen sorgen beim Zweitliga-Aufsteiger für zusätzliches Selbstvertrauen. Am Wochenende pausiert der Tabellendritte.

„Ja, das wäre für uns ein gutes Bild“, sagt Lena Funke lachend. Die Spielerin des TV Jahn, Aufsteiger in die 2. Fußball-Bundesliga, reagiert damit auf den Vorschlag, die Saison 2017/18 bereits jetzt, nach dem 2. Spieltag, zu beenden. Der Neuling belegt mit vier Punkten hinter dem FSV Gütersloh und 1. FFC Turbine Potsdam II (jeweils sechs Zähler) den dritten Platz. Aber natürlich kann man jetzt noch keinen Schlussstrich unter die Spielzeit ziehen – und die Delmenhorsterinnen würden es auch gar nicht wirklich wollen. Sie sind nämlich in der zweithöchsten deutschen Spielklasse angekommen und fühlen sich dort wohl.

Schon mehr Punkte als der letzte Aufsteiger

Das ist natürlich auch den beiden bisherigen Ergebnissen, 0:0 beim FF USV Jena II und 4:3 gegen den Herforder SV Borussia Friedenstal (mit vier Toren von Anna Mirbach), geschuldet. Mit dem Dreier gegen den HSV haben Jahns Frauen Geschichte geschrieben, denn es handelt sich um den ersten Sieg eines Delmenhorster Fußball-Bundesligateams. 1992/93 trat der TVJ in der 1. Liga an und stieg ab – 5:54 Tore, vier Punkte, sieglos. Und noch ein Vergleich: Der Bramfelder SV, der 2015/16 mit acht Punkten Vorsprung gegenüber Werders Zweiter (und 30 Zählern vor Jahn) souverän in die 2. Bundesliga aufstieg, musste diese Klasse mit nur drei Punkten und 18:98 Toren wieder verlassen.

„Unsere Ergebnisse sind überraschend, aber man muss beachten, wer die Gegner waren“, betont Funke. Die 24-Jährige zielt mit diesen Worten darauf ab, dass es sich bei Jena II um einen Mitaufsteiger handelt und Herford zuletzt nur knapp den Abstieg entkam. Aber natürlich habe man die Liga überrascht. Funke: „Die Ergebnisse geben uns mehr Selbstvertrauen und sorgen für eine extra Schub.“

Torhüterin und Mannschaftsführerin Magdalena Flug sagt, dass niemand mit vier Punkten gerechnet habe. „Ich habe der Mannschaft immer viel zugetraut, aber das wir es so umsetzen, ist toll“, fügt sie hinzu.

Nächstes Spiel in Hohen Neuendorf

Das nächste Spiel des Neulings findet erst am Sonntag, 24. September, 11 Uhr, bei BW Hohen Neuendorf statt. „Eigentlich hätten wir aufgrund der Euphorie ganz gerne weitergemacht“, erklärt Funke. Angesichts des kleinen Kaders käme die Pause aber gelegen. So sieht es auch Flug („Mir hat der kleine Kader von Anfang an Sorgen gemacht“). Sie sagt: „Es ist wichtig runterzukommen und zu realisieren, was wir geschafft haben.“

Die Gesprächspartnerinnen hoffen, dass Nadine Poppen nach ihrer Armverletzung bald wieder mitwirken kann. „Sie trainiert wieder voll“, berichtet die Mannschaftsführerin.

Jahn immer noch „Underdog“

Vielleicht steht Poppen bereits in Hohen Neuendorf wieder zur Verfügung. Der Gastgeber nimmt mit einem Punkt den vorletzten Rang ein. Gleichwohl sei Jahn immer noch der Underdog, unterstreicht Funke. „Aber dort ist was drin und wir werden uns nicht verstecken“, blickt sie der nächsten Aufgabe selbstbewusst entgegen.

Eine stimmgewaltige Kulisse müssen die Delmenhorsterinnen in Hohen Neuendorf nicht befürchten: Zum Gastspiel des Spitzenreiters FSV Gütersloh, der sich über ein 5:0 freute, fanden sich 52 Besucher ein. In Delmenhorst waren es ungefähr doppelt so viele. Kein Zweifel: Die Jahn-Frauen haben ein deutlich stärkeres Zuschauerinteresse verdient. Die nächste Gelegenheit, dem Zweitligisten einen Besuch abzustatten, bietet sich am Sonntag, 15. Oktober, 14 Uhr, wenn sich Gütersloh im Stadion vorstellt.


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