Ein Besuch im SVA-Museum Wo die Geschichte des SV Atlas lebendig wird

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Bookholzberg.  Trikots und Tassen, Kulis und Kutten, Mützen und Jacken: Kevin Drewes hat mehr als 1500 Souvenirs des SV Atlas Delmenhorst aus den vergangenen Jahrzehnten zusammengetragen – und stellt sie in seinem Wohnzimmer aus. Dort werden unnötige Niederlagen, große Spiele und wichtige Ereignisse des Kultklubs auf rund 25 Quadratmetern dokumentiert.

Bert Drewes hatte da so eine Idee. Wenn er Rentner sei, erzählt der 52-Jährige, wollte er endlich seine vielen Kartons mit den zahlreichen Souvenirs vom SV Atlas Delmenhorst auspacken. Sie ordnen, aufhängen, einkleben. Wie genau das aussehen sollte, das wusste der glühende Atlas-Anhänger noch nicht. Er hat ja schließlich noch ein paar Berufsjahre vor sich. Dieser Plan, so viel lässt sich jetzt schon festhalten, ist grandios gescheitert.

Glücklicherweise, muss man sagen. „Kevin ist mir da zuvorgekommen“, sagt Bert Drewes und schaut schmunzelnd seinen Sohn an. In der Winterpause der Saison 2014/2015 kletterte Kevin Drewes, von klein auf mit dem Atlas-Virus infiziert, auf die Dachböden der Wohnungen seiner Eltern und Großeltern. Von dort räumte er ein knappes Dutzend Kartons in sein Haus in Bookholzberg. Genauer gesagt: in sein Wohnzimmer.

Alle Höhen und Tiefen des SV Atlas dokumentiert

Wer diesen knapp 25 Quadratmeter großen Raum nun zum ersten Mal betritt, der kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Denn das einstige Wohnzimmer von Kevin Drewes ist noch immer ein äußerst gemütlicher Raum, er hat nun aber eine viel bedeutendere Funktion: Es ist das inoffizielle Museum des SV Atlas. Angefangen mit drei Fanartikeln aus seinem eigenen Besitz – ein Schal, ein Trikot, eine Mütze – hat Kevin Drewes mittlerweile mehr als 1500 Exponate in seinem Wohnzimmer zusammengetragen. Biergläser und Feuerzeuge, Pokale und Wimpel, Stadionzeitungen und Vereinshefte, Tröten und Mützen, Kulis und Kutten, DVDs und Videokassetten, Nummernschilder oder Jacken des früheren Spielmannszuges.

Es gibt dort praktisch alles, was es in der Geschichte des alten und des neugegründeten SVA und auch der Nachfolgevereine Eintracht Delmenhorst und Delmenhorster SC irgendwann einmal produziert wurde. Keine Frage: Die Geschichte der Blau-Gelben, mit allen Höhen und Tiefen, Auf- und Abstiegen, großen Siegen und bitteren Niederlagen wird in diesem einem Wohnzimmer der positiv Atlas-verrückten Familie Drewes lebendig.

Das Museum verfügt über mehr als 160 Spielplakate

Mit Akribie und mit der Liebe zum Detail hat Kevin Drewes sein Wohnzimmer (um)gestaltet. Mehr als 100 Stunden Arbeit hat er mittlerweile investiert, schätzt der 27-Jährige. Er hat umgeräumt und aufgebaut, geheftet und geordnet. Wie in jedem Museum gibt es auch in diesem der Familie Drewes viele Gegenstände, auf die Kevin, Bert und Heike Drewes besonders stolz sind.

Da sind zum einen fast 30 Originaltrikots, in blau und gelb, angefangen von den 1980er Jahren bis zu aktuellen des neugründeten SV Atlas. Und, ganz aktuell: Das Trikot des Bad Rothenfelder Vincent Stumpe, der im letzten Landesliga-Saisonspiel gegen BW Lohne zwei Tore schoss und damit den SVA zum Oberliga-Aufsteiger machte. Da sind rund 25 Schals, selbst gestrickte oder vom SVA produzierte. „Bis auf einen Schal habe ich mittlerweile alle zusammengetragen, die es jemals vom SV Atlas gab und gibt“, erzählt Kevin Drewes stolz.

Vergangenheit und Gegenwart des SV Atlas Delmenhorst auf 25 Quadratmetern dokumentiert: Kevin, Bert und Heike Drewes (von links) fühlen sich im Atlas-Museum pudelwohl. Foto: Rolf Tobis

Und da sind vor allem die mehr als 160 Originalspielplakate. Die von besonderen Partien sind gerahmt und seit Kurzem chronologisch aufgereiht. Sie kündigen Begegnungen vom Vorgängerverein FC Roland, legendäre Duelle gegen Altona 93, VfR Neumünster oder Altona 93 an. Oder das vielleicht wertvollste Plakat überhaupt: die Spielankündigung von dem historischen DFB-Pokal-Achtelfinale am 31. Januar 1981 beim Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Die gute, alte Zeit eben.

Bei der Reise von der Vergangenheit bis in die Gegenwart der Blau-Gelben kann Bert Drewes als eingefleischter Atlas-Fan zu jedem der teilweise etwas verbleichten, aber noch immer gut erhaltenen Zeitungsartikel, zu jedem Mannschaftsfoto und zu jedem Plakat seine eigenen Eindrücke schildern.

Als der SV Atlas in doppelter Überzahl bei Hannover 96 verlor

Die Landesliga-Elf, die 1976 in die Oberliga aufstieg, ist für ihn „die stärkste Mannschaft, die wir bislang hatten“. Beim Blick auf den dk-Spielbericht über das 0:0 im Oberliga-Duell beim VfB Oldenburg am 2. Dezember 1979 schwärmt Bert Drewes noch immer von der hochklassigen Partie und einmaligen Atmosphäre, „die ich nie vergessen werden. Es war das beste 0:0, das ich je gesehen habe. Vielleicht sogar aller Zeiten.“ 15  470 (!) Zuschauer (darunter 4000 Atlas-Anhänger) sahen diese Partie im Donnerschwee-Stadion. Ein Rekord für die Oberliga bis 1987.

Und über eine völlig unnötige 0:1-Pleite bei Hannover 96 in der Regionalliga-Saison 1997/1998, als Atlas trotz 60 Minuten in doppelter Überzahl nur einen mickrigen Torschuss zustande brachte, schüttelt Bert Drewes beim Blick auf die Schlagzeile der Bild-Zeitung („Die Deppen aus Delmenhorst“) noch immer den Kopf. Wer Gast im Atlas-Museum ist, lässt den Blick über die Devotionalien wandern – und kommt davon kaum wieder los.

Selbst volle Sektfalschen gibt es im Atlas-Museum

Die beeindrucke Sammlung an Atlas-Exponaten wäre aber nicht so groß und vielfältig, wenn in den vergangenen zweienhalb Jahren nicht so viele Atlas-Freunde, Ex-Funktionäre und Ex-Spieler ihre Schränke durchwühlt hätten, um das Atlas-Museum zu unterstützen. Kumpel Peter Kupka, wie Bert Drewes ein wandelndes Atlas-Lexikon, stellte vor allem Spielplakate und Stadionzeitungen zur Verfügung. Robert Klattenhoff besorgte eine Kopie der Gründungsurkunde des SVA. Uwe Hammes übergab Pokal und Meistersekt.

Die Regionalliga-Aufsteiger von 1994/1995 um Trainer Hartmut Konschal ließen bei einem Ehemaligen-Treffen ein altes Meistershirt für das Museum signieren und Atlas-Urgestein Ali Sprung brachte zwei Ordnerjacken aus den 1990er-Jahren vorbei. Von der Sammlung im SVA-Museum war Ex-Sportchef Jörg Rosenbohm schwer begeistert. (Weiterlesen: Ex-Trainer Hartmut Konschal besucht SVA-Museum)

Sprung, früher Obmann und heute Schiedsrichterwart beim SVA, kündigte bereits an, den Atlas-Schrank im Stadion aufzuräumen und weitere Souvenirs zu überreichen. Kevin Drewes freut sich darauf: „Wir werden weiter wachsen.“ Damit die Geschichte des Kultklubs noch lebendiger wird. Im Atlas-Museum in Bookholzberg.


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