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Vielseitigkeit Luhmühlen 2017 Sandra Auffarth gewinnt mit Wolle DM-Bronze

Von Lars Pingel

Ehrenrunde mit DM-Bronze: Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee freute sich über die guten Leistungen, die sie und ihr Wallach Wolle, in der Drei-Sterne-Prüfung in Luhmühlen geboten haben. Foto: Lars PingelEhrenrunde mit DM-Bronze: Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee freute sich über die guten Leistungen, die sie und ihr Wallach Wolle, in der Drei-Sterne-Prüfung in Luhmühlen geboten haben. Foto: Lars Pingel

Luhmühlen. Sandra Auffarth, Vielseitigkeitsreiterin vom RV Ganderkesee, hat mit ihrem Wolle (Opun Louvo) am Sonntag in Luhmühlen die Bronzemedaille der deutschen Meisterschaft gewonnen. Der Titel ging an Bettina Hoy (Rheine) mit Seigneur Medicott.

Sandra Auffarth schaute Sonntagmittag strahlend über den Springplatz im Stadion auf dem Turniergelände in Luhmühlen. „Er staubt ja meistens eine Medaille ab“, sagte sie dann lachend über ihren Wolle. Mit dem französischen Wallach, der während des viertägigen internationalen Vielseitigkeits-Turniers mit seinem Taufnamen Opgun Louvo angekündigt worden war, hatte sie etwa eine Stunde zuvor eine glänzende Null-Fehler-Runde in den Sand gezaubert. Die 30-Jährige vom RV Ganderkesee und Wolle verbesserten sich damit in der kurzen Drei-Sterne-Prüfung (CIC***), in der auch der deutsche Meistertitel vergeben wurde, noch vom sechsten Platz, den sie nach Dressur und Geländritt belegten, auf den dritten Rang und sicherten sich so DM-Bronze. Die beiden, die unter anderem 2012 in London Olympia-Gold mit der Mannschaft und Bronze im Einzel sowie 2016 in Rio de Janeiro Teamsilber gewonnen haben und Team- und Einzel-Weltmeister sind, waren von Freitag an zum zweiten Mal in der nationalen Meisterschaft gestartet, zum zweiten Mal brachten sie Edelmetall mit zurück in den heimischen Stall in Bergedorf. 2016 hatten sie sogar den Titel gewonnen.

Bettina Hoy gewinnt souverän

Deutsche Meisterin 2017 wurde Bettina Hoy aus Rheine. Sie lag mit Seigneur Medicott schon nach der Dressur souverän in Führung (26,30 Minuspunkte), verteidigte diese am Samstag mit einem fehlerfreien Geländeritt und brachte gestern Prüfungssieg und Titelgewinn im Springen mit insgesamt 27,30 Minuspunkten sicher ins Ziel. Sie hatte dort einen Strafzähler erhalten, weil sie die erlaubte Zeit überschritt. Hoy feierte ihren vierten DM-Titel nach 2002, 2004 und 2006. Platz zwei ging an Olympiasieger Michael Jung (Horb) mit dem neunjährigen Star Connection, der sich im Springparcours keine Fehler machte und sich mit seinen 35,60 Minuspunkten von Rang drei nach vorn schob. Zuvor hatten bereits Auffarth und Wolle die zwölf Hindernisse mit 15 Sprüngen in dem 375 Meter langen Parcours ganz souverän in 79,52 Sekunden und damit klar unter der vorgegeben Zeit von 84 Sekunden bewältigt. Das brachte ihnen dann mit 36,20 Strafpunkten schließlich Rang drei in der Prüfung und der DM-Wertung ein, da Ingrid Klimke (Münster), die mit Horseware Hale Bob (3. nach zwei Teildisziplinen) und Weisse Düne (2.) vor Auffarth gelegen hatte, und Julia Krajewski (Warendorf, 5.) mit Chipmunk FRH Hindernisfehler unterlaufen waren.

Hoy erzählte, dass sie mit dem Westfälischen Wallach zunächst in der Vier-Sterne-Prüfung des 60. Luhmühler Turniers antreten wollte, sich dann aber mit den Besitzern darauf geeinigt hatte, es doch in der DM zu versuchen. Eine Entscheidung, die sie nicht bereute. „Das hat er doch brav gemacht“, sagte die 54-Jährige.

Sieben Kaderreiter vorn

Die deutschen Kaderreiter dominierten die Drei-Sterne-Konkurrenz in der Lüneburger Heide. Hinter dem Spitzentrio lagen Jung mit seinem zweiten Pferd fischerRocana (39,30), Kai Rüder (Blieschendorf) mit Colani Sunrise (43,40) und Krajewski mit Chipmunk FRH (44,00) noch vor der Schwedin Linda Svensson Jähde mit Waikiki (45,30).

Sandra Auffarth freut sich über Wolles Form

Auffarth war nach einem „tollen Wochenende“ vollauf zufrieden. „Ich hatte wieder drei tolle Prüfungen mit Wolle. Ich bin happy, dass er wieder so fit ist“, sagte sie. „Er hat eine schöne, ausdrucksvolle Dressur gezeigt. Im Gelände war er schnell und konzentriert, wie man es von ihm gewohnt ist. Zum Schluss war es eine super Springrunde.“

Ihr Wallach hatte Anfang des Jahres verletzungsbedingt eine Pause einlegen müssen. Erst vor zwei Wochen war Auffarth im niederländischen Rendswoude in einem CIC**-Wettbewerb mit ihm in die Saison 2017 gestartet. „Für ihn war es gut, dass er eine größere Prüfung gegangen ist. Er hat sich gefreut, wieder dabei zu sein“, sagte sie. Hatte sie denn erwartet, dass sich Wolle in dieser schon in derart guter Verfassung präsentieren würde? „Ich kann nicht sagen, dass ich total überrascht war, weil ich ja weiß, dass auf ihn halt Verlass ist. Aber das war schon eine klasse Leistung“, sagte Auffarth. Sie hatte nach der Dressur am Freitag 35,80 Minuspunkte auf ihrem Konto, nach dem Geländeritt am Samstag waren 0,4 dazugekommen, weil sie die vorgegebene Zeit um eine Sekunde überboten hatte.

Lob von Bundestrainer Hans Melzer

Für Auffarth und Wolle hat, auch mit dem Start in Luhmühlen, bereits die Vorbereitung auf die WM 2018 in den USA begonnen, erklärte Bundestrainer Hans Melzer bereits nach der ersten Teildisziplin, der Dressur. Das Paar wird nicht an der Europameisterschaft 2017 im polnischen Strzegom (17. bis 20. August) teilnehmen können, da es nach einem Vorbeiläufer im Gelände von Rio noch eine lange Geländestrecke fehlerfrei absolvieren müsste, um die Qualifikationsvoraussetzungen zu erfüllen. Das lässt sich bis dahin aber nicht mehr realisieren. Wolles Form hat der Bundestrainer mit Blick auf die WM aber zufrieden registriert: „Er ist sehr gut in Schuss. Darauf kann sehr gut weiter aufgebaut werden.“

Auffarth erhält Startplatz für CHIO in Aachen

Wo Auffarth und Wolle ihren nächsten Start absolvieren, stand direkt nach der Prüfung noch nicht fest. Die 30-Jährige sagte, dass sie gerne beim CHIO in Aachen antreten wolle, in dem am 21. und 22. Juli ebenfalls eine Drei-Sterne-Kurzprüfung (CIC***) ausgetragen wird. „Man muss aber abwarten, wie sich die Trainer entscheiden“, sagte Auffarth am Sonntagmittag: „Die Startplätze dort sind heiß begehrt.“ Doch sie hat einen davon bekommen. Das gab die Deutsche Reiterliche Vereinigung am Abend noch bekannt.

Longlist für EM aufgestellt

Im Anschluss an das Vielseitigkeitsturnier in Luhmühlen hat die AG Spitzensport des Vielseitigkeitsausschusses des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) auch noch die Longlist für die EM in Polen aufgestellt. Zwölf Reiter wurden, aufgeteilt in drei Gruppen, nominiert. Der Gruppe I, die Reiter mit den besten Aussichten, gehören an: Andreas Dibowski (Döhle) mit FRH Butts Avedon und It’s Me, Bettina Hoy (Rheine) mit Designer und Seigneur Medicott, Michael Jung (Horb) mit fischerRocana und Lennox, Ingrid Klimke (Münster) mit Horseware Hale Bob OLD, Julia Krajweski (Warendorf) mit Chipmunk FRH und Samourai du Thot. Die Gruppe II bilden Leonie Kuhlmann (Einbeck) mit Cascora, Andreas Ostholt (Warendorf) mit Corvette, Kai Rüder (Blieschendorf) mit Colani Sunrise und Josepha Sommer (Immenhausen) mit Hamilton. Für die Gruppe III wurden Jörg Kurbel mit Entertain You, Claas Herrmann Romeike (Nübbel) mit Cato und Falk-Filipp-Finn Westerich (Ruppertshofen) mit FBW Gina benannt.


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