Fußballer im Dilemma Chancen des TSV Ganderkesee auf Doppelaufstieg schwinden

Von Daniel Niebuhr

Ein Beispiel für das Ganderkeseer Konzept: Tobias Wellbrock (weißes Trikot) lief in dieser Saison 17 Mal für die zweite Mannschaft auf und drei Mal für die Erste. Foto: Rolf TobisEin Beispiel für das Ganderkeseer Konzept: Tobias Wellbrock (weißes Trikot) lief in dieser Saison 17 Mal für die zweite Mannschaft auf und drei Mal für die Erste. Foto: Rolf Tobis

Ganderkesee. Verpasst die erste Mannschaft des TSV Ganderkesee den Titel in der Fußball-Kreisliga, darf auch die Reserve nicht aufsteigen – dabei spielen beide Teams eine gute Saison.

Der Sonntag wird wieder ein langer Tag am Immerweg. Die ersten vier Herrenmannschaften des TSV Ganderkesee haben Heimspiele; wer genügend Ausdauer hat, kann sich sieben Stunden lang Fußball zu Gemüte führen – auch wenn es auf der etwas zugigen Anlage auf Dauer vielleicht etwas frisch werden könnte.

Andreas Dietrich wird natürlich von Amts wegen ebenfalls zugegen sein, der TSV-Vorsitzende trainiert die zweite Mannschaft, die um 16 Uhr den Fußball-Tag mit dem Spiel gegen den FC Hude II beschließt und Platz zwei in der 1. Kreisklasse verteidigen will, auf dem sie seit Mitte November steht. An der Motivation der Ganderkeseer Talentschmiede wird es mal wieder nicht scheitern – obwohl niemand weiß, wieviel die Platzierung am Ende überhaupt wert ist. „Das müssen wir abwarten“, sagt Dietrich. „Wir können nur so gut spielen, wie es geht.“

TSV-Chef: Rechnerisch alles möglich

Der TSV steckt, das zeichnet sich seit Wochen ab, in einem Dilemma, für das er eigentlich gar nicht so viel kann. Die Reserve hält sich zwar hartnäckig auf den Aufstiegsplätzen der 1. Kreisklasse; weil die die erste Mannschaft in der Kreisliga trotz aktuellem Rang zwei die Meisterschaft und den Wiederaufstieg in die Bezirksliga aber zu verpassen droht, bleiben womöglich beide Teams, wo sie sind – weil die Zweite der Spielordnung zufolge nicht in einer Liga mit der Ersten spielen darf. Es wäre eine bittere Pointe, denn beide Mannschaften spielen eine glänzende Saison. „Noch ist rechnerisch alles möglich“, sagt Dietrich zwar, räumt bei neun Punkten Rückstand der ersten Mannschaft auf Kreisliga-Spitzenreiter SV Baris aber auch ein: „Wir haben schon einen Plan B in Hinterkopf.“

„Auf die Liga kommt es nicht an“

Rein mental sieht der erst einmal vor, nicht groß mit der Situation zu hadern. Eine erste Mannschaft in der durch viele Nachbarschaftsduelle attraktiven Kreisliga zu haben, sei nicht unbedingt das Schlechteste, findet Dietrich. Und überhaupt: „Auf die Liga kommt es gar nicht unbedingt an. Die Jungs wollen Spaß haben und das können wir bieten.“ Zweifellos ist der Verein noch immer interessant, nicht nur für ambitionierte Spieler. Als einer von zwei Vereinen – neben Nachbar VfL Stenum – stellt der TSV fünf Herrenteams, die jeweils nur eine Spielklasse trennt. „Ist doch optimal“, sagt Dietrich. „Bei vielen anderen Clubs ist die Lücke zwischen erster und zweiter Mannschaft so groß, dass eine fruchtbare Zusammenarbeit untereinander praktisch nicht möglich ist.“ Im Fußball-Kreis verfügt in der Tat nur noch der Landesligist VfL Wildeshausen über eine Reserve in der Kreisliga, die aktuell aber in großer Abstiegsnot schwebt.

Dietrich verweist nicht ganz zu Unrecht auch auf die gute Nachwuchsarbeit des TSV, die sich in den Kadern der Herrenteams widerspiegelt. A-Jugend, U23 und erste Mannschaft sind eng verzahnt, der Übergang ist fließend. „Wir haben ein Konzept, um das uns viele andere Vereine beneiden“, sagt der Clubchef. „Und wir leben Vereinstreue vor.“

Dennoch wird es im Sommer Abgänge in den ersten beiden Mannschaften geben, einige Zugänge stehen auch bereits fest – nur Namen wurden noch nicht genannt. Dietrich verkündet immerhin, „dass wir wieder zwei starke Teams haben werden“, lässt sich sonst aber nicht in die Karten schauen. Er wird als Trainer der Reserve weiter machen, für alles andere verweist er auf die nahe Zukunft: „Dann werden wir uns äußern.“


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