Angebot des FC Bayern abgelehnt Dennis Kuhn – der Vollblut-Knipser des SV Baris

Von Andreas Bahlmann

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Der sportliche Albtraum eines jeden Kreisliga-Gegenspielers: Dennis Kuhn (rechts) entwischt dem Heidkruger Massimo Neumann. Foto: Daniel NiebuhrDer sportliche Albtraum eines jeden Kreisliga-Gegenspielers: Dennis Kuhn (rechts) entwischt dem Heidkruger Massimo Neumann. Foto: Daniel Niebuhr

Delmenhorst. 26 Tore in nur 15 Spielen – die Quote von Torjäger Dennis Kuhn in der Kreisliga war im ersten Halbjahr herausragend. Von den Qualitäten des pfeilschnellen Angreifers war vor mehr als zehn Jahren auch der FC Bayern überzeugt, der ihn verpflichten wollte.

Ein Angebot des FC Bayern München ablehnen? Es gibt nicht viele Fußballer, die das machen. Doch Dennis Kuhn, der Kreisliga-Torjäger des SV Baris, hat es getan. Damals, vor etwas mehr als zehn Jahren, winkte ihm als D-Jugendlicher der ganz große persönliche Aufstieg.

Kuhn, der damals noch beim ehemaligen Verein SSV Delmenhorst kickte, hatte an einem Straßenfußball-Turnier für Junioren in Bremen teilgenommen. Sein schon damals besonderes Stürmertalent blieb den Talentspähern des Rekordmeisters nicht verborgen. Eine Einladung zu einem Trainings-Camp erfolgte und der kleine Dennis nahm daraufhin für eine Woche an einem Sichtungs-Camp des großen FC Bayern München für talentierte Nachwuchs-Kicker teil – und überzeugte die Trainer des größten deutschen Fußball-Klubs prompt.

Denn nach dem Sichtungscamp erhielt er vom FCB das Angebot, als Schüler in das Fußball-Internat aufgenommen zu werden. Daraus wurde jedoch nichts. Denn ein Umzug nach München kam für die Familie nicht in Frage und ein alleiniger Aufenthalt im Fußball-Internat scheiterte schließlich am Veto seiner Eltern.

Kuhns Leistungsexplosion überrascht Trainer Caki nicht

Hätte Kuhn damals das Angebot des FCB angenommen – er würde heute wohl vielleicht nicht beim SV Baris spielen, Tore am Fließband schießen und ein entscheidender Faktor sein, warum der türkische Klub bislang die Kreisliga-Saison so dominiert. Denn der 24-Jährige erzielte in seinen bisherigen 15 Einsätzen sage und schreibe schon 26 Tore. Zum Vergleich: die beiden Zweitplatzierten der Torjägerliste, Michael Eberle (TSV Ganderkesee) und Thorben Schütte (TV Munderloh, jetzt VfL Wildeshausen), folgen mit jeweils 13 erzielten Treffern.

Dabei spielte Kuhn in den vergangenen Jahren für den SV Baris II nur in der 1. Kreisklasse, ehe er im Sommer dem Lockruf der ersten Mannschaft folgte. Für deren Trainer Önder Caki ist die Leistungsexplosion seiner Torfabrik indes nicht verwunderlich. „Dennis spielt schon seit Jahren bei uns im Verein. Diese Saison klappte es endlich, weil er beruflich nicht mehr verhindert war. Er konnte fast die gesamte Saison-Vorbereitung mitmachen und ist auch regelmäßig beim Training. Sportlich hat ihm das absolut weitergeholfen. Jetzt fahren wir halt die Ernte ein.“ Der Ernte-Ertrag ist üppig. Denn die Anzahl der Treffer sprechen für sich.

Man darf Kuhns Tor-Quote in der Kreisliga IV wohl zurecht als überragend bezeichnen. Was macht denn seinen besonderen Erfolg aus? „Ich weiß auch nicht, ich kann das gar nicht so genau beschreiben“, sagt Kuhn. „Ich staube ab, mache halt die einfachen Tore. Ob die Treffer schön sind, ist mir nicht so wichtig. Hauptsache rein.“

Wenn Kuhn Tempo aufnimmt, ist er kaum zu stoppen

Einen guten Torjäger zeichnet eben dieses besondere Gespür für den entscheidenden Moment aus. Das ist etwas, was sich wohl nicht erlernen lässt, aber es ist nicht der einzige Faktor, was die besondere Qualität des Goalgetters ausmacht. Dazu sein Trainer Önder Caki: „Dennis ist unheimlich schnell, den kannst du immer schicken, der läuft wirklich nahezu jeden Mann ab.“

Genau diese Kombination seiner spielerischen Qualitäten machte ihn im bisherigen Saisonverlauf zum sportlichen, kaum zu kontrollierenden „Albtraum“ seiner Gegenspieler. Kuhn ist ein Vollblut-Knipser, der die direkte Entscheidung sucht. Denn neben seinen bislang 26 Saison-Toren steht nur eine Vorlage auf seinem Konto.

Trotz seines sportlichen Erfolges bleibt Dennis Kuhn bescheiden. Ihm ist es wichtiger, dass er seit Jahren gemeinsam mit seinen Freunden Fußball spielt und er zusammen mit seiner Mannschaft Spaß und Erfolg hat. Seit seinem 18. Lebensjahr spielt der Angreifer beim SV Baris, zu dem er mit einigen Kumpels aus der A-Jugend des TV Jahn Delmenhorst wechselte.

Zu einem anderen Verein wechseln? Das macht für Kuhn „keinen Sinn“

Angebote und Anfragen anderer Vereine gab und gibt es für Kuhn zwar, aber die ignoriert er. „Es macht doch für mich überhaupt keinen Sinn, innerhalb der Kreisliga oder in die Bezirksliga zu wechseln. Ich will mit dem SV Baris, zusammen mit meinen Freunden, hochkommen. Vielleicht schaffen wir ja den Aufstieg.“ Zurzeit führt Baris die Kreisliga-Tabelle mit acht Punkten Vorsprung an. Am Freitag, sofern das Wetter mitspielt, kommt es beim Tabellenvierten TV Munderloh zu einem Schlüsselspiel für den SV Baris, der sich Mitte Februar schon fast traditionell im türkischen Antalya auf die zweite Halbserie vorbereitete.

Seiner Chance, beim großen FC Bayern zu kicken, trauert Kuhn nicht hinterher. „Ich habe das alles als Junge gar nicht so richtig mitbekommen. Ich hatte einfach Spaß im Trainings-Camp“, erinnert er sich ohne Wehmut, fügt aber gleich hinzu: „Heute, mit 24 Jahren, würde ich bei so einem Angebot natürlich überhaupt nicht zögern und sofort zugreifen.“ Doch anno 2017 hat Kuhn nur dieses Ziel im Auge: Den SV Baris in die Bezirksliga ballern.


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