Vereinschef bleibt gelassen Jürgen Janßen will der HSG Delmenhorst den Druck nehmen

Von Daniel Niebuhr

Auf der Kommandobrücke: Jürgen Janßen erlebt mit der HSG Delmenhorst eine aufregende Saison, die im kommenden Jahr noch spannender werden dürfte. Foto: Rolf TobisAuf der Kommandobrücke: Jürgen Janßen erlebt mit der HSG Delmenhorst eine aufregende Saison, die im kommenden Jahr noch spannender werden dürfte. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Jürgen Janßen lenkt die Handballer der HSG Delmenhorst durch aufregende Zeiten. Er mahnt zur Geduld in der Trainerfrage und bei der Kaderzusammenstellung.

Es ist schon manchmal verblüffend, welche Auswirkungen ein einziger Pfiff auf die Gefühlswelt eines Menschen haben kann. Wenn die HSG Delmenhorst in der Handball-Oberliga spielt, ist Jürgen Janßen mehr Fan als Vorsitzender und musste von der Seitenlinie zuletzt fortwährende Qualen durchleiden; die HSG feiert Weihnachten ja als Schlusslicht. Doch wenn das Spiel abgepfiffen ist, verwandelt sich der Clubchef plötzlich wieder in den ruhigen Planer – der er momentan auch sein muss. Oberliga-Abstiegskampf, Trainersuche, Verbandswechsel von Niedersachsen nach Bremen – sein Verein steuert durch spannende Zeiten. Das sagt Janßen über...

...die sportliche Situation in der Oberliga: „Dass wir nicht Letzter sein wollen, kann sich jeder denken. Ich bin aber trotzdem gelassen. Der Trend zeigt nach oben, vielleicht retten wir uns noch. Der Verein gehört in die Oberliga. Man wünscht sich einen Knopf, den man drückt, und plötzlich läuft es. Den habe ich leider noch nicht gefunden. Aber wenn es nicht reicht, geht die Welt doch auch nicht unter. Kein Spieler wird deshalb gehen, das ist schon geklärt. Wenn wir Abgänge haben, dann aus beruflichen oder privaten Gründen.“

...das Publikumsinteresse: „Wir haben einen Zuschauerschnitt von 300, letztes Jahr waren es noch 100 mehr. Aber wir sind nicht unzufrieden, was will man erwarten, wenn man fast alle Heimspiele verliert? Wir müssen den Leuten etwas bieten, dann spricht sich das rum. Das Potenzial ist da.“

...Neuzugänge im Winter: „Wir werden keine Spieler mehr holen. Der Kader ist stark genug für die Oberliga, auch wenn die Tabelle etwas anderes sagt. Außerdem sind wir nicht beim Fußball, wo im Winter immer fleißig gewechselt wird.“

...die ungeklärte Trainerfrage: „Wir führen Gespräche, selbstverständlich. Aber alle vertrösten uns erstmal, was ich gut verstehen kann. Wir stecken im Abstiegskampf, andere Vereine haben auch Ziele. Vor Ende Januar werden wir nichts vermelden können. Im Moment, nebenbei bemerkt, finde ich, dass unsere beiden Trainer Andre Haake und Werner Rohlfs sehr gute Arbeit machen.“

...den Unterbau: „Die zweite Mannschaft steht im ihrem ersten Landesliga-Jahr im Mittelfeld, was in Ordnung ist. Leider können sie nicht immer zusammen trainieren. Ich denke aber, dass es Kandidaten gibt, die die Erste verstärken könnten.“

...den Nachwuchs: „Im männlichen Bereich sind wir in den Leistungsmannschaften so gut aufgestellt wie kaum ein anderer Verein in der Region. Die C-Jugend spielt in der Oberliga und hat noch Chancen, sich als Vierter auch für die nächste Saison zu qualifizieren. Darüber spielen wir Landesliga. Das sucht seinesgleichen. Wir wollen in der Breite und vor allem auch in der Spitze Vorreiter sein. Zur nächsten Saison werden es noch mehr Jugendliche werden, dafür brauchen wir jetzt noch mehr qualifizierte Trainer.“

...Turbulenzen im Frauenbereich: „Die erste Mannschaft hatte einen Aderlass und ist nur als Nachrücker Landesligist geblieben. Dafür finde ich den unteren Mittelfeldplatz aller Ehren wert. Dass die zweite Mannschaft in der Landesklasse Letzter ist, gefällt mir nicht, auch wenn es zu befürchten gewesen war. Die Mannschaft ist neu zusammengewürfelt. Ich bin aber begeistert von der Stimmung in diesem Team. Trainerin Michaela Feldmann hat schon angekündigt, dass sie weitermacht. Leider mussten wir vorher die dritte Mannschaft abmelden, die ohnehin personell auf Kante genäht gewesen wäre.“

...seinen persönlichen Akku: „Ich bin an jedem Wochenende zwei Tage in der Halle, weil ich möglichst viele Spiele sehen will und auch noch Schiedsrichter bin. Meine Tochter spielt bei der HSG Hude/Falkenburg, da muss ich natürlich auch hin. Ein paar Spiele stehen jetzt noch an – aber ehrlich gesagt bin ganz froh, wenn bald Weihnachten ist. Auch wenn wir am 27. Dezember noch mal unseren Familien-Handballtag haben. Aber da kann mal ganz entspannt sein.“