Mehr Skepsis als Aufbruch Premiere der Futsal-Meisterschaft begeistert die Masse noch nicht

In der Jugend schon Alltag: In der Hallenrunde wird längst Futsal gespielt – beziehungsweise Futsal light wie hier beim U12-Duell des TV Jahn mit den Sportfreunden Littel. Foto: Rolf TobisIn der Jugend schon Alltag: In der Hallenrunde wird längst Futsal gespielt – beziehungsweise Futsal light wie hier beim U12-Duell des TV Jahn mit den Sportfreunden Littel. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. In zweieinhalb Wochen steigt für die Herren das erste Futsal-Kreisturnier in Delmenhorst, vermutlich mit schmalem Teilnehmerfeld – dabei ist Futsal in der Jugend längst angekommen.

Erst einmal konnte Thomas Luthardt am Mittwoch Entwarnung geben. Das Futsal-Herrenturnier des Kreises, beschwichtigte der Spielausschussvorsitzende, wird auf keinen Fall ausfallen – so überschaubar die Begeisterung auch sein mag. „Natürlich wird gespielt“, sagte Luthardt und nannte das zu erwartende Feld „absolut ausreichend für eine schöne Veranstaltung“. Wobei das ohne Frage Definitionssache ist.

Bislang nur fünf Anmeldungen – bei 42 Clubs

Fünf Vereine hatten sich bis Mittwoch für das Pilotprojekt angemeldet, „immerhin“, sagt Luthardt – bei 42 Clubs im Kreis aber, vorsichtig ausgedrückt, noch ausbaufähig. Das erste, von offizieller Stelle organisierte Futsal-Turnier für Männermannschaften wird am 17. Dezember also in der Delmenhorster Stadionhalle stattfinden, es ist der Testballon für die offizielle Kreismeisterschaft, die am 14. und 15. Januar (eine Woche vor der der Frauen) in Harpstedt ausgespielt wird und historisch genannt werden darf – denn von da an wird dieser Titel nur noch im Futsal vergeben. Nicht alle würden sich darüber freuen, bekennt Luthardt – aber der DFB gibt es nun einmal vor.

DFB-Chef Grindel warb in Wildeshausen um Futsal

Der Dachverband hat, wiederum auf Weisung der FIFA, in seinem Masterplan Amateurfußball allen Kreisen den Futsal, der mit anderem Ball, ohne Banden und auf Handball- statt auf Jugendtore gespielt wird, als offizielle Form des Hallenfußballs auferlegt – und damit kaum irgendwo Freudentränen ausgelöst. Gerade im Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst sind die Vorbehalte bei den Herren und Senioren groß, wie DFB-Vorsitzender Reinhard Grindel vor zwei Wochen am eigenen Leib erfahren durfte. Bei seinem Besuch beim VfL Wildeshausen schlug ihm deutliche Kritik am Futsal-Dogma entgegen, die Grindel mit einer ausführlichen Werberede beantwortete: „Futsal ist besser für die Ausbildung, die Spieler sind mehr in Bewegung, es ist einfach attraktiver“, referierte der DFB-Chef damals – und sah dennoch in viele fragende Gesichter.

Fußball-Kreis bei Ausbildung der Futsal-Schiedsrichter Vorreiter

Dabei hat der Kreis bereits viel Überzeugungsarbeit geleistet. Inzwischen sind rund 60 Futsal-Schiedsrichter einsatzfähig, das ist Spitze im Bezirk Weser-Ems. „In Niedersachsen sind wir damit vorn dabei“, sagt Ansetzer Michael Koch. Gerade beim Nachwuchs, der bis zur U13 Futsal light spielt, also eine Variante mit Futsal-ähnlichem Ball und angepassten Regeln, und darüber schon seit Jahren nur noch Futsal, geht die Tendenz deutlich weg vom klassischen Hallenfußball. „Die Junioren kennen das nicht anders“, sagt Luthardt. Nicht ganz überraschend gehören die jungen und technisch gut ausgebildeten Herren-Mannschaften des TuS Heidkrug und des VfL Stenum zu den Teilnehmern am Kreisturnier in zweieinhalb Wochen.

Qualifikation der Kreisklassen-Teams am Samstag

Am Samstag dürfen sich erst einmal wieder die Nostalgiker freuen: In Ganderkesee spielen die Mannschaften aus den Kreisklassen um die Tickets für die Endrunde der Hallenkreismeisterschaft, die vom 5. bis zum 8. Januar in Hude stattfindet, zum letzten Mal nach Hallenfußballregeln. Vermutlich werden – die Qualifikation mit eingerechnet – auch zum letzten Mal alle Vereine des Kreises dabei sein. Denn die Futsal-Meisterschaft wird auch nach 2017 keine Pflichtveranstaltung. (Weiterlesen: Gruppen für Hallenmeisterschaft der Herren eingeteilt)


Futsal ist die vom Weltverband FIFA anerkannte Variante des Hallenfußballs. Über die Entstehung gibt es verschiedene Angaben. Fest steht, dass Futsal in Brasilien organisiert, mit dem heutigen Reglement versehen und dort auch offiziell ins Sportprogramm integriert worden ist. In São Paulo schuf man 1952 auch die erste offizielle Institution für diesen Sport - die Liga für Hallen-Fußball („Futebol de Salão“). 1989 nahm die FIFA Futsal als zusätzlichen Wettbewerb und offizielle internationale Hallenfußball-Variante auf.

Vom traditionellen Hallenkick trennen Futsal vor allem das Regelwerk und das Spielgerät: Das Feld wird nicht durch Banden, sondern durch Linien begrenzt. Gespielt wird mit einem kleineren, etwas schwereren und weniger stark aufgepumpten Ball. Sein reduziertes Sprungverhalten bringt die technischen Fähigkeiten der Akteure besser zur Geltung.

Bei 2 x 20 Minuten Nettospielzeit (Uhr wird bei Spielunterbrechungen angehalten) auf 3 x 2 Meter große Tore gelten besondere Zeitregeln:

Eck-, Frei- und Abstöße sind binnen vier Sekunden auszuführen. Zwei gleichberechtigte Referees sind angehalten, nahezu jeglichen Körperkontakt zu ahnden. Unterstützt werden sie von zwei Assistenten.

Anders als auf internationalem Parkett ist Futsal in Deutschland noch nicht weit verbreitet. Während es in anderen Ländern schon Profiligen gibt, fördert der Deutsche Fußball-Bund (DFB) diesen Sport erst seit kurzem. Ein 18er-Kader bestreitet am Sonntag in Hamburg gegen England die Länderspiel-Premiere. Und das DFB-Team hat Nachholbedarf. „Da sind wir noch ein Entwicklungsland“, meinte Bundestrainer Paul Schomann. Fernziel ist die Europameisterschaft 2018 in Slowenien. (dpa)

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