Neue Lärmschutzregel Kann der TV Jahn bald wieder abends kicken?

Ein Bild, das bald vielleicht seltener wird: Gestern Abend war der Sportplatz des TV Jahn am Brendelweg nahezu verwaist, nach der neuen Rechtslage könnte dort aber demnächst auch nach 20 Uhr wieder gespielt werden. Foto: Rolf TobisEin Bild, das bald vielleicht seltener wird: Gestern Abend war der Sportplatz des TV Jahn am Brendelweg nahezu verwaist, nach der neuen Rechtslage könnte dort aber demnächst auch nach 20 Uhr wieder gespielt werden. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Die Bundesregierung regelt den Lärmschutz bei Sportstätten neu – zur Freude des TV Jahn Delmenhorst, für den das zum Wendepunkt werden kann.

Die vergangene Woche war für den Turnverein Jahn Delmenhorst schon außergewöhnlich erfreulich. Regionalliga-Fußballerin Nahrin Uyar schoss im ZDF-Sportstudio auf die Torwand, es gab Siege für die Herren- und Damenmannschaften; das Jahn-Herz war, kurz gesagt, beglückt. Vermutlich hätte kaum jemand gedacht, dass es in dieser Woche noch besser kommen würde, doch genau das ist am Mittwochnachmittag passiert – dank einer frohen Botschaft aus Berlin. Das Bundeskabinett verabschiedete dort die namentlich sperrige, aber umso folgenreichere Sportanlagenlärmschutzverordnung, und die löste beim Club vom Brendelweg Jubel aus. Ein wunderbarer Tag sei das, freute sich Fußball-Abteilungsleiter Marco Castiglione: „Die Nachricht ist noch frisch. Aber ich verspreche mir davon eine Menge.“

Erhöhung der Grenzen um fünf Dezibel

So dramatisch hört es sich zunächst gar nicht an, was da in der Hauptstadt beschlossen wurde. Die Regierung hat die Immissionsrichtwerte, also die Lärmgrenzen, die Sportanlagen in Wohngebieten nicht überschreiten dürfen, neu geordnet – „um den Spielbetrieb zu fördern“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Künftig gelten zwischen 20 und 22 Uhr und an Sonn- und Feiertagen zwischen 13 und 15 Uhr die gleichen Richtwerte, die auch tagsüber Anwendung finden. Für die genannten Zeiträume, klassische Fußball-Zeiten, bedeutet das eine Erhöhung von 45 auf 50 Dezibel.

Verein leidet seit Jahren

Klingt nach wenig, könnte für Jahn aber ein Durchbruch sein. Der Verein leidet seit Jahren unter den scharfen Lärmschutzauflagen und war 2012 auch vor Gericht unterlegen – als Konsequenz mussten Trainingszeiten und Spiele verlegt werden. Nach 20 Uhr wird am Brendelweg nicht mehr gekickt, zwischenzeitlich hatte der Verein, der mehr als 600 Fußballer stellt, große Mühe, alle Mannschaften unterzubringen. „Das hat dem Image geschadet. Unsere Zukunft war bedroht“, erinnert sich Castiglione.

Hendricks: „Wir brauchen Plätze in der Stadt“

Seit gestern sieht die Lage aber ganz anders aus, denn wenn die neue Verordnung in drei Monaten in Kraft tritt, hat Jahn rechtlich plötzlich die besseren Karten und kann das Verfahren neu aufrollen. „Der Zeitpunkt ist gekommen. Wir werden auf die Stadt zugehen, das war so ausgemacht“, sagt Castiglione und hofft auf ein neues Gutachten. Allerdings stellt er auch fest, keine Schritte hinter dem Rücken der Nachbarschaft unternehmen zu wollen, mit der es jahrelang Streit gab: „Wir wollen ja nicht bis nachts maximalen Krach produzieren. Wir wollen nur einen normalen Betrieb auf unserer Anlage, die das Herzstück des Vereins ist.“

In diesem Sinne wird er die Worte von Umweltministerin Barbara Hendricks gern vernommen haben. „Die dichter werdende Stadt soll nicht auf Kosten des Sports wachsen“, sagte die SPD-Politikerin: „Wir brauchen Sportplätze in der Stadt – für die Gesundheit, aber auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für die Kinder, die nicht mal eben an den Stadtrand fahren können.“


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