Vorsitzender im Interview Atlas-Chef Borkus: „Wir wollen nicht wildern“

Seit März 2014 Chef des SV Atlas Delmenhorst: Jörg Borkus (rechts). Foto. Rolf TobisSeit März 2014 Chef des SV Atlas Delmenhorst: Jörg Borkus (rechts). Foto. Rolf Tobis

Delmenhorst. Jörg Borkus, der Vorsitzende des SV Atlas Delmenhorst erklärt im Interview das Problem des Vereins im Jugendbereich.

In der Fußball-Landesliga steht der SV Atlas hervorragend da, im Jugendbereich hat der Verein aber große Probleme. Besonders die A-Jugend hat eine dünne Personaldecke, von ihr hängt auch die Landesliga-Zugehörigkeit der Herrenmannschaft ab. Vorsitzender Jörg Borkus spricht über richtige Maßnahmen und falsche Eindrücke.

Herr Borkus, Trainer Dirk Musiol hat sich mit der A-Jugend in die Pause gerettet – aber nur mit Mühe und Not. Das kann Ihnen nicht gefallen.

Sicher gefällt uns das nicht. Ich habe großen Respekt vor Dirk und den Jungs, die trotz großer Probleme die Hinrunde sauber zuende gebracht haben.

Ist der Verein denn dabei, der Mannschaft zu helfen?

Hinter den Kulissen arbeiten wir natürlich, wir werden auch Lösungen finden, die wir zu gegebener Zeit öffentlich machen. Erst einmal versuchen wir, die Mannschaft im Winter personell zu verstärken.

Atlas hat große Ziele im Jugendbereich gehabt. Die Fortschritte sind aber sehr überschaubar.

Was das Sichtbare angeht, gebe ich Ihnen Recht. Wobei wir ja im Kleinfeldbereich, also von der D-Jugend abwärts, mit fünf Mannschaften gut aufgestellt sind. Da wird tolle Arbeit gemacht, das wird oft übersehen.

Laut Verbandsstatuten müsste der Verein aber ohne eine A-, B- oder C-Jugend aus der Landesliga absteigen.

Einen Zwangsabstieg wird es auf keinen Fall geben. Ich finde die Statuten allerdings sehr unglücklich. Unsere Kleinfeldmannschaften sollten honoriert werden, denn da beginnt doch der Fußball. Wir sind immer noch ein junger Verein, wo soll denn eine A-Jugend herkommen? Wir könnten höchstens Spieler abwerben, so wie es in den ersten Jahren passiert ist. Wir wollen aber nicht mehr wildern, auch wenn andere Vereine das immer noch glauben. Wir bezahlen doch keinen Jugendspieler, wir laden die Kinder auch nicht nach Disneyland ein, wir bieten das, was ich für selbstverständlich halte: Trainingsanzüge, Bälle, was man zum Fußball eben braucht.

Trotzdem scheint es schwer zu sein, Jugendliche für den SV Atlas zu begeistern.

Das sehe ich nicht so, es gibt auch positive Beispiele, wie man in den unteren Teams sieht. Ganz ehrlich: Ich persönlich finde die Lage auch nicht toll. Deshalb führen wir ja viele Gespräche und versuchen, es besser zu machen. Mir ist die Jugend eine Herzensangelegenheit. Das gehört zur Identifikation des Vereins mit Delmenhorst dazu.


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