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Hard Knocks III in Markthalle 180 Zuschauer beim Wrestling in Delmenhorst


Delmenhorst. Sechs Kämpfe unter dem Motto „Hard Knocks III – Monsters of Wrestling“ hat die Deutsche Wrestling Allianz am Samstag in der Markthalle in Delmenhorst ausgerichtet. Laut DWA sahen 170 bis 180 Zuschauer zu, wie sie darin ihre Geschichten von Gut gegen Böse erzählten.

Joe E. Legend steht mitten in dem 6x6 Meter großen Ring, der auf einem ein Meter hohen Podest aufgebaut worden ist. Er schaut mit erhobenen Armen ins Publikum. Soll ich?, heißt das. Von links kommt ein „Zicke zacke zicke zacke hoi hoi hoi“, von rechts Jubel und Applaus. Er soll also. Joe E. Legend ist 1,90 Meter groß, 120 Kilo schwer. Er nimmt drei Schritte Anlauf, springt erst auf einen Stuhl und dann über das 1,40 Meter hohe dritte Seil der Ringbegrenzung direkt in die Delmenhorster Markthalle. Dort hat sich der 2,10-Meter-Hühne Vodoo, der 140 Kilogramm wiegen soll, gerade aufgerappelt, als Legend ihn im Flug umfegt. Der kanadische (Legend) und der afrikanische Wrestler liefern am späten Samstagabend im Mainevent, im Hauptkampf, der Veranstaltung „Hard Knocks III – Monsters of Wrestling“, die die DWA (Deutsche Wrestling Allianz) ausrichtete, die spektakulärsten Aktionen. Es kracht mächtig, wenn sich die beiden an einem Abend durch das Viereck werfen, an dem drei Stunden lang in sechs Episoden die Geschichte von Gut gegen Böse erzählt wird. Der Ablauf erinnert an eine Folge so manch einer Fernsehserie.

170 bis 180 Zuschauer

Die DWA, ein Verein mit Sitz ein Braunschweig, hat zum ersten Mal in Delmenhorst einen Kampfabend organisiert. Sie hat alteingesessene Wrestling-Fans, ein paar wenige sogar verkleidet, und Neugierige angelockt. Einige feiern die Kämpfer und den Ringsprecher mächtig ab, andere nehmen das Geschehen mit der in dieser Gegend nicht unüblichen stoischen Gelassenheit. Immerhin, Stimmung vom Band, in manchen Sitcoms ja üblich, braucht der unermüdliche Kameramann der DWA nicht. „Wir haben 170 bis 180 Karten verkauft“, erzählt das Delmenhorster DWA-Mitglied Katharina Meyer, die die Idee hatte, in die Markthalle zu kommen, und in der Organisation mitwirkte. „Damit sind wir sehr zufrieden“, ergänzt Ralf Schwarzwälder, ebenfalls Mitglied in der DWA und im Organisationsteam. „Uns geht es um die Fannähe. Kein Zuschauer sitzt mehr als drei Meter vom Ring entfernt. Jeder sieht den Schweiß spritzen.“ Den vergießen auch Wrestler, die vor einiger Zeit noch in größeren, durch Fernsehübertragungen bekannt gewordenen Organisationen aus den USA eine gewisse Popularität erreicht haben. „Wir möchten den Fans Legenden präsentieren; das ist unser Konzept“, erklärt Schwarzwälder.

Sinn Bodhi siegt und lobt Fans

Joe E. Legend ist eine dieser Legenden. Ein andere ist Sinn Bodhi, ebenfalls Kanadier, 1,88 Meter groß, 100 Kilo schwer, den Fans auch als Kizarny bekannt. Beide traten vor einigen Jahren auch in der börsennotierten amerikanischen Organisation World Wrestling Entertainment auf. Bodhi, der eigentlich Nicholas Cvjetkovich heißt, präsentiert sich in der Markthalle ziemlich wild. Er spielt den Bessenen – und ist der Publikumsliebling. „Ich bin zum ersten Mal für die DWA angetreten“, erzählt er, eine Stunde nachdem er seinen unbeliebten Konkurrenten Gabriel Angelfyre besiegt hatte. Seit 17 Jahren arbeitet er an seiner Rolle, erzählt Bodhi, der auf den Handys von vielen Fans mit einem Selfie zu sehen sein wird. „Die Fans waren klasse, ich habe es hier sehr genossen“, sagt er: „Ich mag es, mit ihnen zu interagieren. Ich reagiere auch im Ring auf sie – wenn ich weiß, wo mein Gegner ist.“ Vor allem wegen der Zuschauer gefällt es ihm in Deutschland, schwärmt er dann. „Außerdem ist das Land sehr schön, und das Essen ist großartig.“ Genießen konnte er das nicht. Am Sonntagmorgen um 4 Uhr ging sein Flieger zurück in die USA. Los Angeles, Las Vegas, Vancouver sind die nächsten Ziele. Am Sonntag wird noch gekämpft. „Es ist hart, ein Wrestler zu sein“, sagt Bodhi. „Es macht aber auch Spaß.“ Er hat eine eigene Promotionsfirma gegründet: Freak Show Wrestling. Trotzdem sagt er: „Wenn man mich möchte, würde ich gerne noch einmal für die DWA antreten.“

Am Rand der Halle werden an zwei Verkaufsständen unzählige Videos, Figuren und Poster – vor allem von den ganz bekannten US-Stars – und sogar Spiele verkauft. „Ich bin schon von meiner Kindheit an Wrestling-Fan“, erzählt der Bremer Bastian Sanders. Er hält eine Figur vom „Ultimate Warrior“, einem Star der 90-er Jahre, in der Hand, die nur ganz knapp nicht in ein siebtes von Schokolade und Plastik umgebenes Ei gepasst hätte. Er hätte sie gerne etwas größer gehabt. Die Show gefällt ihm, er war schon mehrfach bei DWA-Veranstaltungen: „Du bist schön nah dran am Ring; die Wrestler reagieren auf die Fans.“

Ulf Herman sagt kurzfristig ab

Eigentlich sollte Sinn Bodhi am Samstag gegen Ulf Herman („Herman the German“) antreten. Der hatte aber kurzfristig wegen „anderer vertraglicher Verpflichtungen abgesagt“, erklärt Alexander Koncar, 1. Vorsitzender der DWA und so etwas wie der Produzent der Serienfolge, die plötzlich einen neuen Hauptdarsteller brauchte. „Das hat uns schon in Schwierigkeiten gebracht“, gibt er zu. „Es ist schwer, gute Leute zu bekommen. Die sind in der Regel ein Jahr im Voraus gebucht.“ Gemeinsam mit Christian Städter, DWA-Gründer und dort unter anderem fürs Booking zuständig, holte Koncar dann Angelfyre nach Delmenhorst.

Höhepunkte am Ende

Dort erzählen sie ihre Geschichten in einem Drehbuch, das die Höhepunkte ans Ende setzt. Es gibt auch Seltsames. DWA-European-Champion Rob Cage lässt sich in einem Titelkampf vom sehr, sehr viel größeren Ymanh vertreten und übernimmt die Rolle des Ringrichters. Herausforderer Machine verliert natürlich. Denn auch das Böse gewinnt, aber zu Beginn. Wie Nina Samuels gegen Stephi Stern. Doch dann siegen die Helden. Und mit jedem Kampf steigt das Niveau der Show.

Drehbuchschreiber für Serien bauen gerne sogenannte Cliffhanger ein, um die Neugier auf die nächste Folge zu wecken. Das macht die DWA auch. Gleich zu Beginn: Im Tag-Team-Kampf (Zweier-Teams) verlieren Tim Karsten und Felix Amocs (The Future) gegen die Spot Monkyz und fangen daraufhin „einen Streit“ an, der am 26. November in Visselhövede im Ring geklärt werden muss. Und, klar, ganz am Ende: Auch Joe E. Legend wird in Visselhövede kämpfen, verspricht er Städter nach seinem Sieg über Vodoo noch im Ring. Dort könne er sich dann für einen Kampf gegen Papa Shango während der „LegendShow“ am 18. März in der alten Reithalle in Soltau qualifizieren.

Weitere Show in Delmenhorst möglich

„Das muss sein“, sagt Städter grinsend, als das Licht ausgegangen ist. Der Rücken“, antwortet er auf die nächste Frage: Was tut am meisten weh? Die liegt tatsächlich nah, denn der Visselhöveder ist nicht nur Mit-Ausrichter, sondern war als Crazy Johnny Tiger auch in den Ring gestiegen. Erfolgreich. Er besiegte „The Irish Viking“ Jerry Carcass. „Wenn ich mich gerade halte, geht es aber.“

Die nächsten Folgen der DWA-Serie sind also gesichert, die Sendezeiten stehen fest. Doch wird es auch eine weitere Episode aus Delmenhorst geben? „Das kann ich mir auf jeden Fall vorstellen“, sagt der Vorsitzende Koncar. Auch Städter ist optimistisch und schon wieder ganz Organisator. „Es ist gut gelaufen. Wir würden gerne wieder nach Delmenhorst kommen. Dann müssen wir den Ring aber besser beleuchten.“ Also: To be continued...


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