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24:0 gegen Delmenhorster TB V Der SV Baris III und das Spiel für die Ewigkeit


Delmenhorst. In der 5. Kreisklasse führt der SV Baris Delmenhorst III unangefochten die Tabellenspitze an. Im Duell gegen den Tabellenletzten Delmenhorster TB V klingelte es weniger als alle vier Minuten im DTB-Tor – und zwar insgesamt 24 Mal.

Wer sich Wochenende für Wochenende durch die Tabellen der unteren Fußball-Ligen wühlt, hat sich auch im Seniorenbereich längst an Torfestivals gewöhnt: 2:8 und 5:5 in der 1. Kreisklasse, ein 2:12 und 7:2 in der 2. Kreisklasse oder auch ein 6:6 in der 5. Kreisklasse: Im Fußball-Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst hatten am vergangenen Wochenende die Schiedsrichter in einigen Spielen jede Menge Treffer zu notieren.

Wenn ein Spitzenteam gegen ein Kellerkind spielt, sind gleichwohl Kantersiege ebenso nicht Ungewöhnliches wie torreiche Unentschieden bei Mannschaften, die ihr Heil in der Offensive suchen. Am Sonntag gab es im Delmenhorster Stadtgebiet jedoch eine Begegnung, dessen Ergebnis man auch beim zweiten oder dritten Betrachten kaum glauben mochte. In der 5. Kreisklasse gewann Spitzenreiter SV Baris III gegen Schlusslicht DTB V mit sage und schreibe 24:0. In Worten: Vierundzwanzig zu Null. „Ich glaube, wir haben ein ganz ordentliches Spiel gemacht“, lächelt Spielertrainer Adil Polat bescheiden.

Ein denkwürdiges Fußballspiel

Dabei ist „ordentlich “ ist maßlos untertrieben. Ob es in Delmenhorst und Umgebung schon jemals so einen hohen Sieg im Erwachsenenbereich gegeben hat? Daran können sich auch ältere Fußball-Experten nicht erinnern. Zumindest in der jüngeren Vergangenheit führt Baris III damit wohl die Bestenliste der Torfestivals an und hat seinen Eintrag im Geschichtsbuch des noch jungen Fußball-Kreises Oldenburg-Land/Delmenhorst auf jeden Fall sicher. Ob dies ein Rekord für die Ewigkeit bleiben wird? Schwer zu sagen. Fest steht aber dies: Sowohl Verlierer DTB V als auch Sieger Baris III dürften diese Partie wohl nicht so schnell vergessen. Denn im Schnitt klingelte es weniger als alle vier Minuten im DTB-Kasten. Insgesamt 24 Mal. (Weiterlesen: Der SV Baris Delmenhorst – kein Zufallsspitzenreiter)

Aber warum lief es in dieser Begegnung am Sonntagnachmittag an der Lerchenstraße für Baris überhaupt so überragend? „Wir hatten alle Spieler an Bord und haben über 90 Minuten lang Gas gegeben“, erzählt Polat. Weil der DTB zuerst nur mit zehn Spielern startete und auch später mit elf Mann keine Wechselmöglichkeit hatte, seien beim Gast dann zunehmend die Kräfte geschwunden. 5:0 nach 20 Minuten, 9:0 nach 45 Minuten, 14:0 nach 60 Minuten, 19:0 nach 75 Minuten und 24:0 nach 90 Minuten waren die Stationen dieses denkwürdigen Spiels.

13 verschiedene Spieler treffen für den SV Baris III

In der Pause, erzählt Polat, habe er sich schon etwas Sorgen gemacht, ob der DTB angesichts des klaren Rückstands überhaupt noch aus der Kabine kommen würde. Kamen die Gäste aber. Und spielten die dann auch die zweiten 45 Minuten weiter fair zu Ende. „Dafür kann ich mich nur bedanken“, lobt Polat die neugegründet Mannschaft des DTB für ihren Einsatz.

Insgesamt trafen 13 verschiedene Spieler für den SVB. Amir Aziri war mit vier Buden Toptorschütze, dazu trafen auch Torwart Malik Oflazoglu mit zwei Elfmetern, Vereinspräsident Coskun Caki oder Polat selber. Mit dem letzten Treffer zum Endstand ballerte Caki seinen Verein in der Bestenliste der torreichsten Spiele in der vergangenen Fußballwoche in Deutschland bei den Senioren auf Rang zwei. Nur das 34:0 von Galatasary Bremerhaven gegen BSC Grünhöfe in 1. Kreisklasse fiel noch deutlicher aus.

Erstklassiger Kader mit alten Cracks und jungen Spielern

Statistik hin oder her: Adil Polat, der Gründungsmitglied bei Baris ist und dort schon alle erdenklichen Posten übernommen hat, freut sich viel mehr über das bislang bärenstarke Auftreten seiner Torfabrik (zehn Siege in zehn Spiele, 79:14 Tore). „Wir harmonieren prächtig“, sagt der 50-Jährige. Dabei kann er auch auf einen für diese Liga erstklassigen Kader zurückgreifen.

Rund die Hälfte der Spieler hat in der vergangenen Saison wie Polat noch in der 1. Kreisklasse für Baris II die Schuhe geschnürt, ehe sich das Team Spielbetrieb in die 3. Kreisklasse zurückzog. Dazu kommen neben jungen Kickern auch alte Cracks wie Polat, Coskun, Oflazoglu, Kreisliga-Coach Önder Caki, Celin Balikci oder Selman Tongüz. Diese sind zwar schon teilweise weit über 40 Jahre alt, können mit ihrer Erfahrung aber noch locker in der 5. Kreisklasse mithalten. (Weiterlesen: Önder Caki auch mit 40 noch topfit)

Vater Adil Polat mit Sohn Anil zusammen

„Die Mischung stimmt bei uns im Kader“, sagt Adil Polat. Neben seinem Sohn Anil (25) spielen auch die Kinder seiner Freunde bei Baris III. „Das ist schon witzig. Aber alle Spieler hören auf mich. Es macht riesen Spaß mit dieser Truppe.“ Ans Ende als (Spieler-)Trainer denkt Polat daher noch lange nicht. Zum einen sei er „noch topfit“. Außerdem möchte er kommende Saison „gerne eine Liga höher spielen“. Es muss dort ja nicht immer ein 24:0 zu sein.


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