Leis übernimmt interimsmäßig Tur Abdin will sich bei der Trainersuche Zeit lassen


Delmenhorst. Nach dem Rücktritt von Stefan Keller ist beim Fußball-Bezirksligisten SV Tur Abdin Delmenhorst sowohl eine interne als auch eine externe Lösung denkbar. Zumindest in dieser Woche betreut Co-Trainer Paul Leis die Mannschaft.

Als am Morgen nach dem Rücktritt von Stefan Keller der erste Schock verdaut war, machte sich Edib Özcan gleich an die Arbeit. Wer könnte den Trainer-Posten beim SV Tur Abdin übernehmen? Welches Profil müsste ein neuer Coach für seine Arbeit beim Fußball-Bezirksligisten mitbringen? Der Fußball-Obmann tauschte sich mit dem Vorsitzenden Wahib Yousef intensiv aus. Beide sagen unisono: „Es ist alles denkbar – eine interne oder externe Lösung. Wir sind für alles offen.“

Fest steht auf jeden Fall dies: Zumindest in dieser Woche und für das Heimspiel am Sonntag (15 Uhr) gegen den BV Bockhorn übernimmt der spielende Co-Trainer Paul Leis das Kommando. Der hatte das Coaching in dieser Saison unter Keller und auch als Kapitän unter dessen Vorgänger Andree Höttges schön häufiger übernommen. Leis wird dabei von Torjäger Daniel Yousef unterstützt.

Tur-Abdin-Verantwortliche von Kellers-Rücktritt „vollkommen überrascht“

Kellers Rücktritt nach dem 1:6-Debakel beim TSV Abbehausen hatte den Sportverein „vollkommen überrascht“, wie Klubchef Yousef einräumte, obwohl der Ex-Trainer zwischen den Zeilen mal mehr, mal weniger deutlich seinen Unmut über die Lethargie im Team und im Umfeld geäußert hatte. „Wir hätten Stefan von uns aus doch niemals rausgekegelt, selbst bei einem möglichen Abstieg. Stefan ist ein Teil von uns“, betont Özcan. Denn die Arbeit des Bremers, der schon als Spieler das Trikot der Aramäer trug und nun insgesamt drei Mal Trainer bei Abdin war, wissen Özcan und Yousef hoch einzuschätzen.

Ein „herber Verlust, vor allem menschlich“, sei Kellers Rücktritt, sagt Özcan. Keller habe nicht nur sportlich, sondern auch im Umfeld viel bewegt. Sei es im Marketing oder auch in der Außendarstellung des aramäischen Klubs. Der Fußball-Obmann bedauert es daher sehr, dass Keller auch seinen Posten als Sportlicher Leiter aufgegeben habe. Die sportlichen Aufgaben hatten sich Keller und Özcan aufgeteilt. Özcan räumt ein, dass er Keller zuletzt etwas „im Stich gelassen“ habe. „Ich hatte viel Privates um die Ohren.“

Tur Abdin hatte sich sorgenfreiere Saison erhofft

Özcan, der am Montagmorgen noch nicht mit Keller gesprochen hatte, glaubt allerdings, dass ausschließlich die sportliche Talfahrt ausschlaggebend für Kellers Rücktritt gewesen sei. „Gepaart mit der schlechten Trainingsbeteiligung kam dann wohl eins zum anderen.“ Özcan hinterfragte sich auch selbstkritisch, ob es „vielleicht ein Fehler“ war, dass Keller neben seinem Posten als Sportlicher Leiter auch den Trainer-Posten bei den Aramäern übernommen hat, da Keller beruflich stark eingespannt ist.

Weil die Trainer-Suche im vergangenen Frühjahr mit Kandidaten wie Matthias Kaiser oder Maik Stolzenberger (jetzt SV Brake) aus verschiedensten ergebnislos geblieben war, hatte Keller aber seine Zusage für die Saison 2016/2017 gegeben. Allerdings mit dem Hintergedanken, eventuell im Winter und spätestens im nächsten Sommer diesen Posten wieder zu räumen.

Die besonderen Befindlichkeiten beim SV Tur Abdin

Dass es sportlich in dieser Saison (noch) für Tur Abdin nicht rund läuft, kommt auch für Özcan überraschend. „Vom Spielermaterial gehören wir da unten eigentlich nicht hin. Wir hatten uns schon eine sorgenfreiere Saison erhofft“, sagt der Fußball-Obmann mit Blick auf Tabellenplatz 15. Er hatte nach dem Fehlstart zum Saisonbeginn mit vier Niederlagen gehofft, dass das Team mit den drei folgenden Siegen die Wende geschafft haben würde. Die drei erneuten Pleiten danach zuletzt waren dann für Keller zuviel („Dafür will ich nicht mehr die Verantwortung übernehmen“).

Für Interimstrainer Paul Leis und den möglichen neuen Coach gelte es nun, den Bock wieder umzustoßen. Mit der Trainersuche wollen sich die Tur-Abdin-Verantwortlichen die nötige Zeit lassen. „Es wird keinen Schnellschuss geben“, erklärt Klubchef Yousef. „Wir werden in Ruhe den Trainermarkt sondieren.“ Denn ein neuer Coach müsse sich eben auch auf die besonderen Befindlichkeiten beim aramäischen Klub einlassen, wie Özcan betont: „Er muss mit unserer südländischen Art, wie wir spielen und wie wir trainieren, klarkommen.“


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