Traum erfüllt Delmenhorster Mustafa Azadzoy spielt als Profi in Thailand

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Spielte im Mai noch für die Delmenhorster Stadtauswahl gegen St. Pauli, von diesem Wochenende an ist er Profi in Thailand: Mustafa Azadzoy (links). Foto: Rolf TobisSpielte im Mai noch für die Delmenhorster Stadtauswahl gegen St. Pauli, von diesem Wochenende an ist er Profi in Thailand: Mustafa Azadzoy (links). Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Der Delmenhorster Mustafa Azadzoy wird endgültig zum Weltentdecker und spielt als Fußball-Profi künftig in Thailand für Nara United. Dort will er Erfolg haben und sich für die afghanische Nationalmannschaft empfehlen.

Zu behaupten, in Narathiwat hätten sie’s gerade schön warm, wäre wohl die Untertreibung des Jahres. In der 770.000-Einwohner-Provinz ganz im Süden Thailands herrschen im Juni mollige 31 Grad, die Luftfeuchtigkeit liegt bei über 80 Prozent – zum Glück ist der Golf von Thailand gleich um die Ecke. Mustafa Azadzoy wird auch jede Gelegenheit zur Abkühlung in den kommenden Monaten willkommen sein, denn für den Delmenhorster Fußballer beginnt genau dort, am anderen Ende der Welt, am Wochenende sein neues Fußballerleben – als Profi beim ruhmreichen Nara United FC. Am Mittwoch unterschrieb der Offensivspieler noch in der Heimat einen Vertrag für ein halbes Jahr, am Freitag steigt er in den Flieger und lässt Delmenhorst auf unbestimmte Zeit hinter sich.

Angebot von einem Berater aus Laos

Es sei ein Traum, der wahr wird, sagt Azadzoy: „Profi zu sein, darauf habe ich hingearbeitet.“ Vermutlich hatte der afghanische Nationalspieler etwas andere Länder und Klubs im Sinn als Nara United aus der drittklassigen Thai Division 2, das macht das Abenteuer aber umso größer. Als er das Angebot bekam von einem Berater aus Laos, der ihn bei der Südasienmeisterschaft hatte spielen sehen, habe er selbstverständlich überlegt, die Entscheidung war dann aber leicht. „Mein Herz sagt, dass ich das machen soll“, sagt er. „Es ist eine Chance. Man muss auch mal was riskieren.“

Azadzoy hat schon in WM-Qualifikation gespielt

Zu verdanken hat der 23-Jährige diese Chance auch den Verantwortlichen des BV Cloppenburg, denen er für die kommende Oberliga-Saison schon seine Zugabe gegeben hatte, die dann aber Verständnis zeigten für sein Fernweh. Dass Azadzoy das Weltentdeckergen in sich trägt, dürfte ihnen schon bewusst gewesen sein, schließlich hat er mit der afghanischen Auswahl schon halb Asien bereist, ist Südasenmeister geworden und hat WM-Qualifikation gespielt. „Ich kenne es, in der Ferne zu sein. Das habe ich mir der Nationalmannschaft schon mehrfach erlebt“, sagt er.

Seine Klubkarriere wirkte dagegen immer bieder, zuletzt kickte er beim TB Uphusen in der Oberliga vor ein paar hundert Zuschauern, ehe der Verein ihn nach internen Streitigkeiten rauswarf. Thailand, auch wenn es nur die dritte Liga ist, bietet andere Aussichten: Nara United hat eine titelreiche Vergangenheit, ist Tabellenführer und zieht – wie man Azadzoy vorschwärmte – bei Heimspielen mehrere Tausend Fans an. „Dass ich in Deutschland vor solchen Kulissen spiele, ist momentan sehr unwahrscheinlich“, sagt Azadzoy – und meint das volle Stadion, nicht etwa das Panorama im Ferienparadies: „Ich bin da nicht zum Urlaubmachen. Ich will Erfolg haben und der Mannschaft helfen.“

Azadzoy will sich für Nationalteam empfehlen

Dabei weiß er über diese Mannschaft eigentlich kaum etwas. Über seine Teamkollegen hat er im Internet recherchiert, die Tabellensituation und die damit verbundene Aufstiegschance kennt er natürlich auch. „Ich weiß, dass der Verein hoch will, das ist genau meine Philosophie“, sagt Azadzoy, der am 9. Juli gegen den Tabellendritten Trang FC schon sein Debüt geben könnte. Zuletzt hatte er Ende Mai im Delmenhorster Stadion auf dem Platz gestanden und im Freundschaftsspiel gegen den Zweitligisten FC St. Pauli die Auswahl der Stadt angeführt; die seines Landes ist ihm aber für die Zukunft zweifellos lieber. „Ich will wieder für Afghanistan spielen. Als Profi in Thailand bin ich mehr im Fokus, da kann ich mich empfehlen“, glaubt er.

Bleibt die Frage, wie lange er die Gelegenheit dazu bekommt. So richtig will er noch nicht über das Ende seines Sechs-Monats-Engagements hinausdenken, vielleicht könne er dann verlängern oder auch nicht: „Das lässt sich jetzt noch gar nicht sagen.“ Er wolle erstmal spielen, dann wird sich vieles von selbst klären.


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